gms | German Medical Science

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

10.11. bis 12.11.2006, Köln

Einfluss des ersten Studienabschnitts auf die Einstellungen von Medizinstudierenden zum Unterricht in Geschichte und Ethik der Medizin

Influence of the first section of medical training on the students' attidudes towards education in medical history and ethics

Vortrag

  • corresponding author Jörg-Stefan Schulz - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Bochum, Deutschland
  • author Christoph Schweikardt - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Bochum, Deutschland
  • author Bert Huenges - Ruhr-Universität Bochum, Büro für Studienreform Medizin, Bochum, Deutschland
  • author Thorsten Schäfer - Ruhr-Universität Bochum, Büro für Studienreform Medizin, Bochum, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Köln, 10.-12.11.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gma040

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Published: October 23, 2006

© 2006 Schulz et al.
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Text

Einleitung: Die neue Approbationsordnung für Ärzte fordert, dass die Ausbildung zum Arzt auch "die geistigen, historischen und ethischen Grundlagen ärztlichen Verhaltens“ vermitteln soll. Diesem Ausbildungsziel wurde nicht zuletzt durch die Implementierung des scheinpflichtigen Querschnittbereichs "Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin“ (GTE) in den zweiten Abschnitt des Medizinstudiums Rechnung getragen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, mit welchen Grundeinstellungen zur Medizinethik und Medizingeschichte die Medizinstudierenden ihr Studium beginnen und welchen Einfluss hier die Ausbildung im ersten Studienabschnitt hat.

Methodik: Mit Hilfe eines Fragebogens wurden im WS 2005/06 alle Studienanfänger und alle Studierenden des 5. Fachsemesters im Regelstudiengang (vor Beginn des Unterrichts in GTE) und im Modellstudiengang Humanmedizin (GTE-Unterricht bereits ab dem 1. Semester) an der Ruhr-Universität Bochum befragt. Insgesamt wurden 461 Fragebögen ausgewertet (Rücklauf: 89%). Gefragt wurde getrennt für Medizingeschichte und Medizinethik nach der Bedeutung des Unterrichts für die eigene Person, der Bedeutung für den Arzt, nach der Lehr-/Lern- und der Prüfbarkeit auf einer Skala von -2 (stimme überhaupt nicht zu) bis +2 (stimme völlig zu).

Ergebnisse: Zu Studienbeginn unterschieden sich die beiden Studiengänge in keinem der genannten Items (t-Tests, p>0,05). Im 5. Semester schätzten die Studierenden des Modellstudiengangs den Ethikunterricht, die Lehr-/Lernbarkeit und die Prüfbarkeit der Medizinethik signifikant positiver ein als die Studierenden des Regelstudiengangs (p<0,01). Die Relevanz der Medizinethik für den Arzt wurde dagegen gleich eingeschätzt. Auch die persönliche Bedeutung des Unterrichts und die Lehr- und Lernbarkeit der Medizingeschichte wurden von den Studierenden des 5. Semesters des Modellstudiengangs positiver eingeschätzt (p<0,02). Die Einschätzung der Prüfbarkeit hingegen unterschied sich nicht. Im Unterschied zur Ethik gaben die Studierenden des 5. Semesters des Modellstudiengangs eine höhere Bedeutung der Medizingeschichte für den Arzt an (p<0,003) als die Studierenden im Regelstudiengang.

Der Vergleich von 1. und 5. Semester innerhalb der Studiengänge ergab dabei nur für den Regelstudiengang signifikante Unterschiede. Mit Ausnahme der Prüfbarkeit von Medizingeschichte und –ethik wurden alle anderen Items im 5. Fachsemester signifikant negativer eingeschätzt (p<0,03).

Schlussfolgerungen: Nach vier Semestern vorklinischen Unterrichts im Regelstudiengang wird die Bedeutung medizingeschichtlicher und medizinethischer Themen geringer eingeschätzt als zu Beginn des Studium. Im Gegensatz dazu fehlt dieser Trend im Modellstudiengang nach vier Semestern integrierten Unterrichts mit früher Einbeziehung von Medizingeschichte und Medizinethik.