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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Möglichkeiten eines Netzwerkes niedergelassener anthroposophischer Ärzte für Versorgungsforschung und Pharmakovigilanz

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom136

DOI: 10.3205/11fom136, URN: urn:nbn:de:0183-11fom1365

Published: September 14, 2011

© 2011 Tabali et al.
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Text

Hintergrund: Obgleich die anthroposophische Medizin (AM) seit über 80 Jahren angewendet wird und das Interesse an Komplementärmedizin weltweit steigt, gibt es noch keine umfassende Beschreibung zu Verordnungshäufigkeiten, den behandelten Indikationen und Pharmakovigilanz der AM in der täglichen hausärztlichen Praxis. Ziel war die Gewinnung von Erkenntnissen zum Arzneimittelgebrauch sowie die Beurteilung von Unbedenklichkeit und Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel.

Material und Methoden: Seit 2004 findet eine prospektive mulizentrische Beobachtungsstudie bei 40 niedergelassenen anthroposophisch orientierten Ärzten mit verschiedenen Praxisschwerpunkten in ganz Deutschland statt.

Es werden alle Verordnungen, relevanten Indikationen und auftretende unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) erfasst. Eine Subgruppe von 7 Ärzten dokumentierte zusätzlich zu den schwerwiegenden, alle leichten UAWs.

Die Datenerhebung erfolgt auf elektronische Fragebögen (Studiensoftware QuaDoSta (Qualitätssicherung, Dokumentation & Statistik)). Routinedaten aus den Praxissoftwaresystemen werden durch speziell entwickelte Schnittstellen ausgelesen. In standardisierten Web-Interfaces nehmen Ärzte ergänzend eine Verknüpfung von Medikamenten und Diagnosen, vor um Indikationen zu ermitteln.

Auswertungen erfolgen deskriptiv unter verschiedensten Aspekten:

a) Behandlungsspektrum allgemein und in verschiedene Altersklassen

b) Verordnungsverhalten im Bezug zu Erkrankungen

c) Sicherheit von Medikamenten.

Ergebnisse: a) Das Behandlungsspektrum bei Kindern (<11 Jahre) zeigte keinen Unterschied zu konventionellen Netzwerken und anderen Ländern, in dem Erkrankungen des Respirationstraktes am häufigsten behandelt wurden. Nur 4% der Verschreibungen wurden für Antibiotika dokumentiert. AM wurden am häufigsten für akute Infekte der oberen Atemwege (URTI) verschrieben [1].

Die häufigsten Behandlungsdiagnosen bei den <60 jährigen waren Hypertonie, Brustkrebs und Herzinsuffizienz, wie auch in konventionellen Netzwerken. Am häufigsten wurden bei Krebs und Demenz AM verordnet [2].

b) Das Verordnungsverhalten für 32 839 Patienten wurde analysiert. Diese erhielten 95.116 Verordnungen (41,8% für AM). Die Wahrscheinlichkeit, ein AM zu erhalten, war besonders hoch bei Krebs (Odds Ratio [OR]: 4,5; 95% CI: 4,2–4,8) [3].

c) Die Sicherheit von Medikamenten wurde durch die Evaluation von UAW ermittelt. Eine Analyse bei 18.830 Patienten, welche 42.378 Korbblütler erhielten zeigte, dass die Behandlung mit Korbblütlern nicht mit einem erhöhten Risiko eine UAW zu entwickeln assoziiert ist [4].

Insgesamt wurden im Netzwerk in 5,5 Jahren 412 UAW gemeldet. Die häufigsten UAWs traten in Verbindung mit Cefadroxil auf (2,15%).

Schlussfolgerung/Implikation: Durch die Aufbereitung und Ergänzung ärztlicher Routinedaten konnte der Verschreibungsalltag anthroposophischer Hausärzte abgebildet und ein Beitrag zur Versorgungsrealität und Pharmakovigilanz geleitet werden.

Eine Ausweitung des Netzwerkes in Richtung Phytotherapie ist mit dem Projekt Ephraim geplant.


Literatur

1.
Jeschke E, Ostermann T, Tabali M, Kröz M, Bockelbrink A, Witt C, Willich SN, Matthes H. Anthroposophic medicine in paediatric primary care – A prospectibe, multicentre observational study on prescribing patterns. in press 2011.
2.
Jeschke E, Ostermann T, Tabali M, Vollmar HC, Kröz M, Bockelbrink A, Witt CM, Willich SN, Matthes H. Pharmacotherapy of elderly patients in everyday anthroposophic medical practice: a prospective, multicenter observational study. BMC Geriatr. 2010;10:48.
3.
Jeschke E, Ostermann T, Tabali M, Bockelbrink A, Witt CM, Willich SN, Matthes H. Diagnostic profiles and prescribing patterns in everyday anthroposophic medical practice--a prospective multi-centre study. Forsch Komplementmed. 2009;16(5):325-33.
4.
Jeschke E, Ostermann T, Luke C, Tabali M, Kroz M, Bockelbrink A, Witt CM, Willich SN, Matthes H. Remedies containing Asteraceae extracts: a prospective observational study of prescribing patterns and adverse drug reactions in German primary care. Drug Saf. 2009;32(8):691-706.