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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Einfluss von Patienten-Protokollen auf Diagnose und Therapie anlässlich 475 automatischen Blutdruckmessungen

Meeting Abstract

  • Philine Olbrich - PJ-Krankenhaus, Heidelberg, Deutschland
  • Thomas Mengden - Klinikleitung, Bad Nauheim, Deutschland
  • Thomas Ostermann - Univ. Witten-Herdecke, Witten-Herdecke, Deutschland
  • corresponding author presenting/speaker Detmar Jobst - Lehrbereich Allgemeinmedizin, Bonn, Deutschland

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom133

DOI: 10.3205/11fom133, URN: urn:nbn:de:0183-11fom1337

Published: September 14, 2011

© 2011 Olbrich et al.
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Hintergrund: Die ambulante Blutdruckmessung (ABDM) mit elektronischen Messgeräten ist ein reliables nichtinvasives Verfahren zur Diagnosestellung und zur Therapiekontrolle der arteriellen Hypertonie. Begleitend sollen Patienten häufig schriftliche Protokolle über ihre Tätigkeiten und ihre Medikamenteneinnahme führen. Wie sinnvoll sind solche Patientenprotokolle? Welchen Einfluss haben sie auf Diagnosestellung und Therapie?

Material und Methoden: Dreizehn Lehrärzte der Bonner Universität konnten im Rahmen einer Dissertationsarbeit rekrutiert und deren 475 kompletten ABDM-Ergebnisse aus dem Jahr 2009 retrospektiv ausgewertet werden, die ein Patientenprotokoll (PP) hatten und mindestens eine Hypertonie Grad 1 belegten. Ärztliche Hypertoniediagnosen und antihypertensive Medikation vor und nach ABDM wurden erfasst, Peaks und Dips im Blutdruckverlauf wurden mit den PP verglichen. Den Studienärzte wurden zur ABDM zehn strukturierte Fragen gestellt.

Ergebnisse: Patienten dokumentierten ihre Tätigkeiten in 60% vollständig (v), in 28% nicht ausführlich (na) und in 12% unvollständig (un); in 53% wurden keine Medikamente aufgeführt. Die Vollständigkeit der PP-Aufzeichnungen hatte keine signifikanten Auswirkungen (Chi-Q-Test): Ärztlicherseits wurden Änderungen nach ABDM in der Diagnosestellung in 20,4 (v), 23,3 (na) und 24,1(un) Prozent und in der Therapie in 45,3 (v), 48,9 (na) 48,3 (un) Prozent der Fälle vorgenommen. Die von Patienten angegebenen Tätigkeiten korrelierten teils unplausibel mit Peaks und Dips. Anstrengende körperliche Tätigkeiten wurden vermieden, Stressoren sehr selten vermerkt. Elf Studienärzte(85%) fühlten ohne PP keine oder eine nur gering verminderte diagnostische Sicherheit. Sechs Studienärzte (46%) befanden die PP gleichwohl als sehr wertvoll.

Schlussfolgerung/Implikation: Es konnte kein Einfluss durch PP auf Diagnose und Therapie der Hypertonie und kein entscheidender weiterer Nutzen dargestellt werden. Hingegen gab es Hinweise auf größeren Nutzen durch bessere ärztliche Dokumentation und gründlichere Patientenanleitung zum ABDM-Messvorgang.