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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Das Image des Hausarztes aus interkultureller Perspektive – eine qualitative Studie zur Sichtweise türkischer und deutscher Patienten

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Sema Uslu - Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
  • author Jessica Bungartz - Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
  • author Stefanie Joos - Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom079

DOI: 10.3205/11fom079, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0793

Published: September 14, 2011

© 2011 Uslu et al.
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Hintergrund: Um die medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern, gilt es kulturelle Besonderheiten im Medizinverständnis zu berücksichtigen. In Deutschland leben ca. 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund, davon 2,5 Mio. mit türkischem Migrationshintergrund (ca. 16%). Die vorliegende Studie untersuchte das Image des Hausarztes aus Sicht türkischer im Vergleich zu deutschen Patienten.

Material und Methoden: In einem qualitativen Forschungsansatz wurden fünf Fokusgruppendiskussionen mit insgesamt 28 Teilnehmern in deutscher Sprache durchgeführt. Dabei wurde neben einem Leitfragenkatalog die Collage-Technik (Imagery) angewendet, um das Image des Hausarztes an Hand von Bildern zu explorieren. Nach der Transkription der Fokusgruppendiskussionen erfolgte eine inhaltsanalytische Auswertung nach Mayring, softwaregestützt mittels ATLAS.ti.

Ergebnisse: Als Hauptkategorien fanden sich „Wichtige Eigenschaften des Hausarztes“, „Image des Hausarztes früher und heute“, – bezüglich der türkischen Teilnehmer– „Glaubensrichtung des Hausarztes“ und „Image des Hausarztes in der Türkei“. Aus Sicht der deutschen Patienten waren Menschlichkeit und (fachliche) Kompetenz vorrangige positive Eigenschaften des Hausarztes. Türkische Patienten stellten besonders die Freundlichkeit und eine gute medizinische Untersuchung heraus. Die Glaubensrichtung des Hausarztes war für die türkischen Teilnehmer von nachrangiger Bedeutung. Bezüglich eines Imagewandels der Hausärzte im Laufe der Zeit wurde der Arzt früher als unerreichbar und unnahbar angesehen – als „Gott in weiß“. Aus heutiger Sicht habe dies auf ein Normalmaß abgenommen. Das Image von Hausärzten in der Türkei wurde im Vergleich zu Deutschland als eher negativ eingestuft.

Auch in den Collagen zeigte sich das Bild der Hausärzte insgesamt als positiv (Abbildung 1 [Abb. 1], Abbildung 2 [Abb. 2]). Es traten jedoch auch einige negative Aspekte zutage: Bei den deutschen Teilnehmern war die zunehmende Orientierung des Arztes an IGeL-Leistungen sowie das Klagen „auf hohem Niveau“ ein Thema. Bei den türkischen Teilnehmern wurde die Bevorzugung von Privatpatienten sowie eine mögliche Käuflichkeit durch Pharmafirmen dargestellt.

Schlussfolgerung/Implikation: Das Image des Hausarztes zeigte sich aus Sicht der Fokusgruppenteilnehmer insgesamt als positiv. Mittels der Collagetechnik kamen einige negative Aspekte zum Vorschein, die das Image des Hausarztes negativ beeinflussen könnten. Alles in allem waren nur partiell Unterschiede in der Sichtweise türkischer und deutscher Patienten zu erkennen. Inwieweit diese Deckungsgleichheit auf die Auswahl sprachkompetenter Teilnehmer zurückzuführen ist, sollte in weiterführenden Studien untersucht werden.


Literatur

1.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und Bundesministerium des Inneren, Hrsg. Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung. Berlin; 2009.