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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

„Aktivtreff Diabetes“ – Peer Support als neues Konzept im Diabetes Management

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Henrike Winkler - Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich
  • author Tim Johansson - Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich
  • author Sigrid Panisch - Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich
  • author Raimund Weitgasser - Diakonissen-Krankenhaus Salzburg, Salzburg, Österreich
  • author Andreas Sönnichsen - Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom059

DOI: 10.3205/11fom059, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0597

Published: September 14, 2011

© 2011 Winkler et al.
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Hintergrund: Disease Management Programme (DMPs) wie das österreichische „Therapie aktiv“ führen zu einer deutlichen Optimierung der Prozessqualität, hinsichtlich Verbesserung der Stoffwechselkontrolle bleiben die Effekte aber gering. Selbstmanagement und Peer Support gelten als vielversprechende, neue Konzepte in der Versorgung chronisch Kranker, um den ureigensten Patientenwunsch nach Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Bisher gibt es nur wenig Studienliteratur zur Effektivität dieser Vorgehensweise. Unsere Arbeitsgruppe hat als Zusatzmodul des DMP „Therapie aktiv“ das Peer Support Programm (PSP) „Aktivtreff Diabetes“ entwickelt, dessen Effektivität nun im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie überprüft wird.

Material und Methoden: 90 Allgemeinmedizinischen bzw. Internistischen Praxen im Bundesland Salzburg wurde das Programm angeboten, 1.500 ins „Therapie aktiv“ eingeschriebene Patienten sind teilnahmeberechtigt. Angemeldete Diabetiker werden Aktivtreffgruppen zugeordnet, die nach Randomisierung entweder das PSP durchführen (Intervention) oder Usual Care erhalten (Kontrolle). Je Interventionsgruppe werden zwei „Peer Supporter“ vom Arzt vorgeschlagen und nach standardisiertem Programm geschult. Die Gruppen treffen sich einmal in der Woche zur sportlichen Betätigung wie Nordic Walking o.ä. und werden regelmäßig durch Sportinstruktoren betreut. Zusätzlich werden einmal pro Monat Gesprächsrunden angeboten, um diabetesbezogene Probleme zu diskutieren. Die Gruppen werden regelmäßig durch Diabetesberater, Diätologen, Psychologen, Sportinstruktoren und Ärzte professionell unterstützt.

Als Basisdaten werden Laborwerte, anthropometrische Daten, der DMP-Dokumentationsbogen, Fragebögen zu Lebensqualität und Bewegungsverhalten herangezogen. Nach zwei Jahren erfolgen die Abschlussuntersuchungen. Primäres Zielkriterium ist eine HbA1c- Senkung. Weitere Zielkriterien: Verbessertes Diabetes-Selbstmanagement, höhere Lebensqualität, Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren, Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung, Kostensenkung in der Interventionsgruppe.

Ergebnisse: 415 Diabetiker meldeten sich für das PSP an, 20 Gruppen haben im Frühjahr 2011 gestartet. Die Basisdaten der Interventions (I)- und Kontrollgruppe (K) sind gut vergleichbar: Mittleres Alter 65,5 (I) vs. 65,2 (K), mittlerer BMI 30,3 (I) vs. 30,4 (K) kg/m², mittlerer HbA1c 7,0 (I) vs. 7,1 (K) %.

Schlussfolgerung/Implikation: Trotz steigender Kosten und Versorgungsdefiziten in der Diabetesbehandlung wurde bisher wenig in Selbsthilfeprojekte und Bewegungsprogramme für Diabetiker investiert. Das vorgeschlagene PSP verspricht effizient zur Verbesserung der Versorgung von Diabetikern und damit auch zur Kostenreduktion beizutragen. Ziel ist es, Gruppen zu initiieren, die nach Ablauf der Studie weiter bestehen bleiben. Die Studienergebnisse sollen dazu beitragen, PSPs als Standardkomponenten der Diabetikerbetreuung in Österreich zu etablieren.