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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Entwicklung und Implementierung einer Entscheidungshilfe (EH) zur Therapie des Bandscheibenvorfalls als komplexe Intervention im klinischen Setting

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Bettina Berger - Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, Universität Witten Herdecke, Herdecke, Deutschland
  • author Simone Steinhäuser - Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Universität Witten Herdecke, Köln, Deutschland
  • author Fülöp Scheibler - Institut für Qualität und Wirtschaftlichekit im Gesundheitswesen, Köln, Deutschland
  • author Edmund Neugebauer - Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Köln, Deutschland

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm109

DOI: 10.3205/12ebm109, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm1094

Published: March 5, 2012

© 2012 Berger et al.
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Text

Hintergrund: Eine in den letzten Jahren stark gestiegene Zahl von Bandscheibenoperationen deutet auf eine Über- bzw. Fehlversorgung hin [1]. Neuere Studien ergeben, dass sich das Patientenoutcome der konservativen und der operativen Behandlung von Band-scheibenvorfällen im Verlaufe von vier Jahren angleichen. Somit sind die Voraussetzungen für präferenzbasierte patientenseitige Entscheidungshilfen (EH) gegeben. EH sind für Bandscheiben-OPs im klinischen Bereich bisher nicht implementiert, obwohl sie geeignet sind, die Inanspruchnahme nicht notwendiger Operationen ohne negative Auswirkungen zu senken [2]. Der Implementierung von EH in klinische Abläufe stehen Barrieren wie Unvertrautheit und mangelnde finanzielle Anreize entgegen [3].

Zielsetzung: Eine EH zum Thema Bandscheibenvorfall soll entwickelt und die Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung in den klinischen Alltag sollen parallel erfasst und ggf. beeinflusst werden [4].

Methoden: 1. Mikrosystemanalyse: Förderliche bzw. hinderliche Dimensionen zweier neurochirurgischer Abteilungen (Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Klinikum Köln/Merheim) werden mittels qualitativer Methoden erfasst. 2. Modellierung und Machbarkeit: Vorhandene EH werden kritisch bewertet, nach den Kriterien der evidenzbasierten Patienteninformation überarbeitet und für den deutschsprachigen, klinischen Kontext adaptiert [5], [6]. Intervention: 45-minütige DVD wird in Vorbereitung des Entscheidungsgesprächs mit dem Arzt durch die Arzthelferin ausgehändigt. Evaluation: Akzeptanz und Machbarkeit (Verständlichkeit) der EH. Einschlusskriterien: Patienten mit mind. dreimonatigen unspezifischen Schmerzen der unteren Wirbelsäule Endpunkte: Informiertheit, Entscheidungspräferenzen 3. RCT: Erhöhung konservativer Therapieoptionen und informierte Entscheidungsfindung [7] der Patienten durch EH im Vergleich zur einfachen Patienteninformation 4. Implementierung: Begleitende Untersuchung des Implementierungsprozesses aus der Perspektive des Normalisierungsprozesses.


Literatur

1.
Ärztezeitung. 19.03.2010
2.
O'Connor AM, Bennett CL, Stacey D, Barry M, Col NF, Eden KB, Entwistle VA, Fiset V, Holmes-Rovner M, Khangura S, Llewellyn-Thomas H, Rovner D. Decision aids for people facing health treatment or screening decisions. Cochrane Database Syst Rev. 2009;(3):CD001431.
3.
Müller VE, Schmacke N, Kolip P, Berger B. Erwünscht, ungewohnt und kommunikationsbedürftig – die evidenzbasierten Patienteninformationen des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG). ZEFQ. unter Review
4.
Campbell M, Fitzpatrick R, Haines A, Kinmonth AL, Sandercock P, Spiegelhalter D, Tyrer P. Framework for design and evaluation of complex interventions to improve health. BMJ. 2000;321(7262):694-6.
5.
Bunge M, Mühlhauser I, Steckelberg A. What constitutes evidence-based patient information? Overview of discussed criteria. Patient Educ Couns. 2010;78(3):316-28.
6.
Albrecht K, Simon D, et al. How does a German audience appraise an American decision aid on early stage breast cancer? Patient Educ Couns. 2011;83(1):58-63.
7.
Michie S, Dormandy E, Marteau TM. The multi-dimensional measure of informed choice: a validation study. Patient Educ Couns. 2002;48(1):87-91.