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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Dekubitusrisikoeinschätzung – mit Skala oder ohne Skala? Skalengestützte Risikoeinschätzung im Vergleich zur alleinigen klinischen Einschätzung der Pflegekräfte

Meeting Abstract

  • author presenting/speaker Sylvia Mallison - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
  • author Laura Kremer - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
  • author Anne Junghans - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
  • corresponding author Katrin Balzer - Institut für Sozialmedizin, Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
  • author Martin Scherer - Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm066

DOI: 10.3205/12ebm066, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0664

Published: March 5, 2012

© 2012 Mallison et al.
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Text

Hintergrund und Fragestellung: Dekubitusgefährdete Patienten in der Traumatologie scheinen unzureichend prophylaktisch versorgt zu werden [1]. Unklar ist, ob die Nutzung einer Risikoskala für die Risikoeinschätzung die prophylaktische Versorgung verbessert [2]. In dieser Studie wurde daher untersucht, wie sich die Anwendung einer Risikoskala (hier Bradenskala = BS) auf den Einsatz von Präventionsmaßnahmen bei dekubitusgefährdeten Patienten auswirkt.

Material und Methoden: Es wurde eine quasi-experimentelle Studie mit zwei traumatologischen Stationen eines Universitätsklinikums durchgeführt. In der Interventionsgruppe (IG = Station A) wandten die Pflegenden über 6 Monate regelmäßig die BS an. In der Kontrollgruppe (KG = Station B) dokumentierten die Pflegenden über 3 Monate ihre klinische Einschätzung anhand einer vierstufigen Globalskala; danach nutzten sie für 3 Monate auch die BS. In beiden Gruppen erfolgte zuvor eine Baseline-Erhebung plus Schulung zur Dekubitusprophylaxe. Eingeschlossen wurden Patienten ≥18 Jahre, dekubitusfrei bei Aufnahme, erwartete Verweildauer ≥5 Tage. Primärer Endpunkt war die Anwendung adäquater Präventionsmaßnahmen bei Patienten mit hohem Dekubitusrisiko. Sekundärer Endpunkt war die Dekubitusinzidenz Grad ≥2.

Ergebnisse: In der Interventionsphase wiesen 231 von 362 eingeschlossenen Patienten mindestens zeitweise ein hohes Dekubitusrisiko auf. In der IG erhielten 27 (27%) dieser Patienten eine adäquate Prävention, verglichen mit 19 (25%) in der KG (adjustierte OR 1,2, 95%, KI 0,6–2,4). In der KG sank der Anteil adäquat versorgter Patienten bei BS-Anwendung auf 9 (17%) (adjustierte OR 0,44, 95% KI 0,2–1,3). Die Dekubitusinzidenz unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.

Schlussfolgerung: Die regelmäßige Anwendung der BS scheint nicht zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Prävention zu führen. Dies deckt sich mit jüngeren internationalen Befunden [3] und stützt aktuelle nationale Empfehlungen zur Dekubitusrisikoeinschätzung [4].


Literatur

1.
Baumgarten M, Margolis D, Orwig D, Hawkes W, Rich S, Langenberg P et al. Use of pressure-redistributing support surfaces among elderly hip fracture patients across the continuum of care: adherence to pressure ulcer prevention guidelines. Gerontologist 2010; 50(2):253-62.
2.
Kottner J, Balzer K. Do pressure ulcer risk assessment scales improve clinical practice? J Multidiscip Healthc. 2010; 3:103-11.
3.
Webster J, Coleman K, Mudge A, Marquart L, Gardner G, Stankiewicz M, et al. Pressure ulcers: effectiveness of risk-assessment tools. A randomised controlled trial (the ULCER trial). Qual Saf Health Care. 2011; 20(4):297-306.
4.
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), ed. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege - 1. Aktualisierung 2010. Schriftenreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege. Osnabrück: Fachhochschule Osnabrück; 2010.