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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Evidenz für die Praxis schaffen: eine randomisiert-kontrollierte Studie mit Therapiepraxen zur Förderung der Teilhabe von chronischen Schlaganfallpatienten

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Anne Barzel - Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Gesche Ketels - Physiotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Heike Krüger - Physiotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Nicolette Holtz - Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Hans-Otto Wagner - Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Anne Daubmann - Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Karl Wegscheider - Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
  • Martin Scherer - Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm031

DOI: 10.3205/12ebm031, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0311

Published: March 5, 2012

© 2012 Barzel et al.
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Rationale: Teilhabe, definiert als „Einbezogensein in eine Lebenssituation“ (WHO 2001), hat laut SGB IX Vorrang vor rein versorgenden Leistungen. In der vertragsärztlichen Versorgung von chronischen Schlaganfallpatienten fehlt bisher ein Therapiekonzept, das sich am Kriterium der Teilhabe orientiert. Ziel dieser Studie ist es, die Wirksamkeit einer modifizierten Form der evidenzbasierten Behandlungsmethode Constraint Induced Movement Therapy (CIMT at home) bei Patienten mit motorischen Hand- und/oder Armproblemen nach Schlaganfall im Hinblick auf die Fähigkeit zur Teilhabe an Alltagsaktivitäten im Vergleich zur konventionellen Physio- und Ergotherapie zu untersuchen.

Methode: Cluster-randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie mit Physio- und Ergotherapiepraxen (n=60) als Cluster. Die Randomisierung der Therapiepraxen erfolgt nach der Rekrutierung der Patienten (n=180) in eine Interventionsgruppe (CIMT at home) und in eine Kontrollgruppe (Therapy as usual). Verblindete Assessoren erheben die Daten vor der vierwöchigen Intervention, danach und sechs Monate später. Für den kombinierten primären Endpunkt „Partizipation“ werden zuerst die Aktivität und Partizipation der mehr betroffenen Hand/Arm (Motor Activity Log) und dann die motorische Funktion (Wolf Motor Function Test) hierarchisiert ausgewertet (Abschlusstest-Prinzip).

Ergebnis und Schlussfolgerung: Der Ansatz der Studie ist innovativ, da erstmals mit Therapiepraxen in Deutschland eine unter klinischen Bedingungen evidente Behandlungsmethode in der ambulanten Versorgung evaluiert wird. Damit leistet diese Studie einen wichtigen Beitrag zum Thema evidenzbasierte Therapie. Erweist sich „CIMT at home“ als wirksam und praktikabel, stünde in der vertragsärztlichen Versorgung künftig ein Behandlungsangebot zur Verfügung, das die Teilhabe von Schlaganfallpatienten an Alltagsaktivitäten fördert.

Klinische Relevanz: Die Studie trägt dazu bei, das zentrale und bisher fehlende Element der Teilhabe unter realen Bedingungen in der ambulanten Versorgung zu evaluieren und zu implementieren.