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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Wissenschaftstheorie und EbM

Meeting Abstract

  • Norbert Donner-Banzhoff - Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Universität Marburg, Deutschland
  • corresponding author Tanja Krones - Institut für Biomedizinische Ethik, Universitätsspital Zürich/Universität Zürich DERM, Schweiz
  • Johann Behrens - Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale, Deutschland
  • Johannes Hauswaldt - Medizinische Hochschule,Hannover, Deutschland

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm049

DOI: 10.3205/10ebm049, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0499

Published: February 22, 2010

© 2010 Donner-Banzhoff et al.
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Die Evidenzbasierte Medizin (EbM) ist eine junge Wissenschaft. Ihre Anfänge werden zwar Ende des 18. Jahrhunderts in den ersten systematischen epidemiologischen Studien verortet. Der Aufstieg der Evidenzbasierten Medizin zum Goldstandard wissenschaftlichen und klinischen Handelns in der Medizin begann jedoch erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts; das Bild der medizinischen Leitwissenschaft EbM (“basic science of medicine“) und ihres methodologischen Programms entstand in den letzten 20 Jahren. Deren Aufstieg war und ist bekanntermassen von teils heftig geführten Diskussionen begleitet. Protagonisten sehen in der EbM ein neues Zeitalter medizinischer Aufklärung am Horizont erscheinen; andere befürchten die Entwicklung einer unmenschlichen durchrationalisierten und ökonomisierten „Kochbuch“-Medizin. Vertreter eines „rigorosen“ Ansatzes klinisch epidemiologischer quantativer Methoden (manchmal auch insgesamt durch alleinige Produktion und Verwertung „externer Evidenz“ beschrieben, die dem naturwissenschaftlichen Wissenschaftsparadigma nahe stünden) stehen Vertretern eines „pragmatischen Ansatzes“, die sich eher an qualitative Ansätze der Sozialwissenschaften anlehnen würden (manchmal auch als Ausrichtung an „interner Evidenz“ und „Intuitionen“ definiert) teils unversöhnlich ohne gegenseitiges Verstehen gegenüber (auch sichtbar in Diskussionen um Ebm „versus“ EbN, Ebm „versus“ EbHC, Versorgungsforschung „versus“ RCT, Ebm „versus“ individualisierte Medizin). Ähnliche Diskussionen finden sich zur Zeit um den noch jüngeren Terminus einer „evidence-based politics“. Was genau „Evidence based“ meint ist bislang ebenso unklar wie die empirische, normative und wissenschaftstheoretische Verortung der Annahmen, Methoden und Methodologien einer „evidenzbasierten Wissenschaft und Medizin“. Die Debatten sind keineswegs neu- die EbM entsteht nicht auf einer „Tabula rasa“, sondern beruht auf Disputen um philosophische, wissenschaftstheoretische, -praktische und ethische Dimensionen wissenschaftlichen Denkens und klinischen Handelns in Bezug auf den Menschen als Untersuchungsobjekt und Behandlungssubjekt, die die Sozial- und Naturwissenschaften und die Handlungswissenschaft Medizin im Zeitalter der Aufklärung seit jeher begleiten. Der Workshop soll die aktuelle Debatte um die EbM durch eine wissenschaftstheoretische Perspektive ergänzen, in deren Rahmen möglicherweise verstehbarer wird, welche Chancen und Grenzen den verschiedenen Annahmen, Methoden und Methodologien zugrunde liegen. So wird versucht, die impliziten Ursachen für die Dispute um Methoden, Rationalität(en) und das „Implementierungsdefizit“ der EbM zu eruieren, zu beschreiben und sowohl für die wissenschaftliche als auch klinische Praxis fruchtbar zu machen. Der Workshop beginnt mit einem Überblicksvortrag zur Wissenschaftstheorie und Praxis der EbM, welcher durch verschiedene Perspektiven (Evidence based nursing, Ebm in der Arzt-Patient-Beziehung) ergänzt wird. Wir hoffen auf eine anschliessende rege Diskussion.