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EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Evidence-Based Medicine (EBM) versus Philosophy-Based Medicine (PBM)

Meeting Abstract

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  • corresponding author Barbara Maier - Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm047

DOI: 10.3205/10ebm047, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0479

Published: February 22, 2010

© 2010 Maier.
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Hintergrund: Worauf basiert Medizin? Auf Evidenz: Evidence-based Medicine.

Aber auch klinische Erfahrung basiert auf augenscheinlicher Einsicht.

Es gibt Spannungen zwischen EBM und klinischer Erfahrung, zwischen quantifizierenden und qualitativen Dimensionen, obgleich beide einander bedingen.

Ist EBM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?

Methode: Die Evidenz beantwortet die Frage, wie wir etwas wissen. Das beantwortet eine Philosophie der Medizin. Sie ist die Prüfung von Konzepten und Methoden in den verschiedenen Disziplinen. Man kann medizinische und wissenschaftliche Begriffe nicht einfach verwenden ohne sie zuerst analysiert und definiert zu haben.

Welches Konzept von Evidenz liegt vor, in welchem Kontext, unter welchen Bedingungen? Sprachphilosophische Analyse beschreibt Evidence-based Medicine als Philosophy-based Medicine und als Language-based Medicine: einer auf Sprache beruhenden Medizin = Arzt-Patient-Beziehung.

Ergebnisse: EBM ist Statistics-Based Medicine. Die EBM Evidenz ist eine statistische.

Hat Sprache epistemologischen Vorrang? Es müssen alle Feststellungen in der Wissenschaft in Form von Sprache getroffen werden. Deshalb ist eine Sprachanalyse von wesentlichen Begriffen der EBM notwendig und erweist sie nicht selten als „open context terms“.

Mit einem kritischen Bewusstsein dafür lassen sich beide Dimensionen EBM wie klinische Erfahrung dialektisch verknüpfen. EBM untersucht viele Fälle oberflächlich und stereotyp. Wenn wir quantifizieren, entfernen wir typischerweise alle Qualitäten, alle Eigenschaften des Individuums. Wichtig in der Medizin ist nicht bloß das Durchschnittliche, sondern auch die extreme Bandbreite von Möglichkeiten. Der Unterschied besteht in quantitativer und qualitativer Forschung.

Wir können einen Fall durch eine Theorie testen und die Theorie durch einen Fall testen. Ein statistisches Resultat, das für eine große Gruppe gilt, mag für das Individuum nicht gelten, in der Tat kann das Gruppenergebnis für das Individuum das Gegenteil bedeuten.

„Ärzte sind nicht in quantifizierbare Wissenschaft involviert, sondern in rationale interpretative Praxis.“ (Montgomery 2006:6)

Schlussfolgerung: EBM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?

Der individuelle Fall ist nicht bloß ein anekdotischer, sondern gibt uns etwas von der zuverlässigsten Evidenz gibt, die wir haben können. Der Vernunft und Entscheidungskraft des arbeitenden Arztes muss vertraut werden und sie kann schließlich nicht durch Mathematik, Statistik, fixierte Regeln oder Prinzipien ersetzt werden, wenngleich sie als Leitlinien, Orientierungshilfen,… verwendet werden sollten.

Dieser Beitrag ist ein Versuch, das Konzept von EBM mit Vor- wie Nachteilen in einen kritischen Dialog einzubinden: Rational Medicine.

Erst eine PBM kann einen kritischen Umgang mit EBM gewährleisten.