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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

"Linked Evidence" – Wann lassen sich aus der Verknüpfung der Ergebnisse von Therapie- und Diagnostikstudien Hinweise auf den Patientennutzen diagnostischer Verfahren gewinnen?

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Michaela Eikermann - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Katharina Biester - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Guido Skipka - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Susanne Schramm - Institut für Sozialmedizin UKSH, Lübeck, Deutschland
  • author Dalila Boulkhemair - Institut für Sozialmedizin UKSH, Lübeck, Deutschland
  • author Ulrich Grouven - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Ulrich Gehrmann - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Torsten Schäfer - Scharbeutz, Deutschland
  • author Alric Rüther - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Michael Kulig - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland
  • author Dagmar Lühmann - Institut für Sozialmedizin UKSH, Lübeck, Deutschland
  • author Stefan Lange - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln, Deutschland

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmV4.1

DOI: 10.3205/09ebm016, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0166

Published: March 4, 2009

© 2009 Eikermann et al.
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Text

Hintergrund

Zur Prüfung diagnostischer Verfahren gehört die Bewertung der aus dem Testergebnis resultierenden therapeutischen Konsequenzen bis hin zum Patientennutzen [1]. Wenn keine direkte Evidenz zu einem Diagnose-Therapie-Algorithmus aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) verfügbar ist, können ggf. durch die Methode der „Linked Evidence“ (LE) aus randomisierten Therapiestudien indirekt Hinweise auf den Nutzen einer diagnostischen Maßnahme abgeleitet werden [2].

Zur Durchführung der LE im eigentlichen Sinne ist das Vorhandensein eines Referenzstandards (RS) notwendig, über den Ergebnisse aus Therapie- und Diagnosestudien verknüpft werden. Dieser ist nicht immer verfügbar. Ziel ist daher, die Umsetzung der LE in Konstellationen mit bzw. ohne verfügbarem RS sowie die Identifizierung und Spezifizierung von notwendigen Operationalisierungen.

Methoden

Die Methode der LE wurde in einem Projekt des IQWiG (Diagnose kindliches Asthma [3]) bereits angewendet. Für ein weiteres Projekt (Osteodensitometrie [4]) ist dies geplant.

Ergebnisse

Für die Diagnose der Osteoporose (nach WHO-Kriterien) gilt die Dual-Energy X-Ray Absorptiometry (DXA) als RS. Hier lässt sich der Ansatz der LE im eigentlichen Sinne anwenden.

Da für die Diagnose des kindlichen Asthmas kein RS existiert, wurde die Methode, basierend auf den Kriterien der LE, modifiziert: Verknüpft wurde nicht über den RS, sondern über den Indextest. Womöglich kann ein Indextest so als RS identifiziert und etabliert werden.

Es wurden methodische Herausforderungen identifiziert, die generell vorab zu berücksichtigen sind, z. B.:

  • Kriterien zur Vergleichbarkeit von Populationen
  • Gewichtung der diagnostischen Gütekriterien.

Abhängig von der Verfügbarkeit eines RS ergeben sich jedoch Unterschiede in Bezug auf die Generalisierbarkeit der abgeleiteten Hinweise auf den Patientennutzen.

Schlussfolgerung/Implikation

Die Frage nach dem Patientennutzen ist ein entscheidender Schritt bei der Evaluation diagnostischer Maßnahmen. Liefern RCTs zu einem Diagnose-Therapie-Algorithmus keine direkte Evidenz, kann sich mit der Methode der LE der Antwort angenähert werden. Da diese Methodik zur Nutzenbewertung international jedoch noch wenig angewandt wird, müssen weitere Erfahrungen gesammelt werden, insbesondere um die Validität der LE zu belegen.


Literatur

1.
Fryback DG, Thornbury JR. The efficacy of diagnostic imaging. Med Decis Making. 1991;11:88-94.
2.
Medical Services Advisory Committee. Guidelines for the assessment of diagnostic technologies. Canberra: MSAC; 2005.
3.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Wissenschaftliche Bewertung verschiedener Untersuchungsmethoden zur Diagnosestellung eines Asthma bronchiale bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren: Vorbericht; Auftrag V06-02C – Teil 2.
4.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Osteodensitometrie bei primärer und sekundärer Osteoporse: Berichtsplan 2.0; Auftrag D07-01.