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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Wie „leitliniennah“ ist die hausärztliche Asthma-Behandlung? Teilergebnisse der L.I.S.A.-Studie

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Nik Koneczny - Fakultät für Medizin, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Marcus Redaelli - Fakultät für Medizin, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Cornelia Schürer - Fakultät für Medizin, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Martin Butzlaff - Fakultät für Medizin, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmV3.3

DOI: 10.3205/09ebm012, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0125

Published: March 4, 2009

© 2009 Koneczny et al.
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Hintergrund

Die alleinige Erstellung und Publikation von Leitlinien reicht nicht aus, um evidenzbasierte Empfehlungen in die ärztliche Praxis zu bringen und die Patientenversorgung zu beeinflussen [1]. Am Beispiel des Indikationsgebietes Asthma soll überprüft werden, ob Haus- und Kinderärzte die Empfehlungen der NVL [2] kennen und/oder anwenden.

Methoden

44 Qualitätszirkel (QZ) in NRW nahmen an der L.I.S.A.-Studie (Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma) [3] teil. 477 Ärzte (Allgemeinmediziner: 404, Kinderärzte: 73) beantworteten vor den Interventionen (Asthma-Fortbildung, E-Learning) einen Fragebogen mit 17 Items in dem ihr Wissen über und ihr Umgang mit Asthma abgefragt wurden. Die Inhalte der Wissens- und Verhaltensfragen (Multiple-und Single-Choice, Sechsfachauswahl) basierten auf den Empfehlungen der NVL Asthma. Die Ergebnisse sollen die „Leitliniennähe“ der primärärztlichen Asthma-Diagnostik- und Therapie beschreiben. Hier werden die Ergebnisse der Allgemeinmediziner (Hausärzte) vorgestellt.

Ergebnisse

Stand Oktober 2008: Der gesamte Anteil der richtigen (leitlinienkonformen) Antworten, die vor der Fortbildungsveranstaltung gegeben wurden, liegt bei 64%. Besonders hohe „Leitlinienkonformität“ scheint in jenen diagnostischen und therapeutischen Bereichen zu bestehen, die häufig im Praxisalltag vorkommen. Ähnliches gilt auch für die Medikation laut Stufenschema (Anteil der richtigen Antworten: 77%). Abweichungen von den Aussagen der Leitlinie finden sich dagegen bei pharmakologischen Detailfragen, bei der Zuordnung der Asthma-Schweregrade (10%), der allergologischen Stufendiagnostik (46%), der Notfalltherapie (30%) und bei Inhalten der Patientenschulung (20%).

Schlussfolgerung/Implikation

Diese vorläufigen Teilergebnisse der L.I.S.A.-Studie vermitteln ein Bild der „Leitlinienkonformität“ der hausärztlichen Asthmabehandlung in den Jahren 2007 und 2008. Abweichungen von den Leitlinien-Empfehlungen finden sich vor allem in solchen Detailfragen, die möglicherweise in der hausärztlichen Praxis seltener im Zentrum des Interesses stehen. Eine zukünftige Asthma-Leitlinie sollte eine Vereinfachung der diagnostischen Kriterien der Schweregrade anstreben, damit die Umsetzung der medikamentösen Stufentherapie in der Praxis erleichtert wird.


Literatur

1.
Cabana MD et al. Why don't physicians follow clinical practice guidelines? A framework for improvement. Jama. 1999;282(15):1458-65.
2.
Nationale Versorgungs-Leitlinie Asthma. Version 2007. Verfügbar unter: http://www.versorgungsleitlinien.de External link
3.
Leitlinien-Implementierungs-Studie Asthma: L.I.S.A.-Studie der Universität Witten/Herdecke (UWH) in Kooperation mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) mit Mitteln der Förderinitiative der BÄK zur Versorgungsforschung.