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14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

7. - 9. Oktober 2015, Berlin

Ausmaß der Anwendung Qualitativer Methoden in der Versorgungsforschung. Eine Überblicksarbeit.

Meeting Abstract

  • Stefan Nöst - Universitätsklinikum Heidelberg, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
  • Kayvan Bozorgmehr - Universitätsklinikum Heidelberg, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
  • Gerda Längst - Universitätsklinikum Heidelberg, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
  • Selina Böhm - Universitätsklinikum Heidelberg, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
  • Thomas Kühlein - Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Deutschland
  • Jennifer Nicolai - Universität Mannheim, Lehrstuhl für Kognitive und Differentielle Psychologie, Mannheim, Deutschland
  • Katja Götz - Universitätsklinikum Heidelberg, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
  • Stefanie Joos - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin, Tübingen, Deutschland

14. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. Berlin, 07.-09.10.2015. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2015. DocFV71

doi: 10.3205/15dkvf080, urn:nbn:de:0183-15dkvf0804

Published: September 22, 2015

© 2015 Nöst et al.
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Text

Hintergrund: Die Methoden der qualitativen Sozialforschung halten seit einigen Jahren vermehrt Einzug in die Forschungspraxis der Versorgungsforschung [1], [2]. Dies ist nicht zuletzt dem Gegenstand dieses Forschungsgebietes geschuldet: Die Versorgungsforschung gilt als letzte Stufe des Innovationstransfers von Dienstleistungen und Produkten in die Praxis der Gesundheitsversorgung [3]. Ein wesentlicher Fokus der Versorgungsforschung ist demnach die soziale Interaktion zwischen unterschiedlichen Akteuren und Institutionen zur Erbringung von Versorgungsleistungen. Als multidisziplinäre Wissenschaft untersucht die Versorgungsforschung u.a. gesellschaftliche Faktoren, organisationale Prozesse und soziales Handeln hinsichtlich des Einflusses auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung [4]. Vor dem Hintergrund dieser Gegenstandsbestimmung muss die Versorgungsforschung zur Beantwortung vieler Fragestellungen per se qualitative Methoden anwenden. Ein Zuwachs qualitativer Studien kann an den entsprechenden Publikationszahlen verdeutlicht werden. Bis auf einige Vorarbeiten [1] ist bisher wenig über die differenzierte Anwendung qualitativer Methoden in der deutschen Versorgungsforschung bekannt. Wesentliches Ziel dieses Reviews ist, einen Überblick zum Ausmaß und zur Anwendung qualitativer Methoden in Versorgungsforschungsstudien zu generieren.

Fragestellung: Welche Versorgungskontexte werden unter Berücksichtigung welcher Studiendesigns qualitativ beforscht? Welche Forschungsmethoden werden angewandt? Werden Methoden sowie Ergebnisse anhand von Qualitätskriterien kritisch reflektiert?

Methode: Eingeschlossen wurden (1) Qualitative Studien im (2) Setting Versorgungsforschung, (3) bezogen auf das deutsche Versorgungssystem, die in (4) deutscher oder englischer Sprache publiziert wurden. Durchsucht wurden die Datenbanken Medline, PubMed Central und Medpilot. Zur Identifikation relevanter Studien wurden zunächst die Titel- und Abstracts der Artikel unter Berücksichtigung von acht Ausschlusskriterien jeweils durch zwei Personen unabhängig voneinander begutachtet. Die verbleibenden Artikel wurden wiederum im Volltext auf der Basis von zwei unabhängigen Ratings begutachtet. Die Datenextraktion erfolgte inhaltsanalytisch hinsichtlich der Outcome-Kategorien: Fragestellung, Studiendesign, Rolle der Theorie, Umgang mit Hypothesen, Forschungsgegenstand, Erhebungsmethode, Auswertungsmethode, Methodische Reflexion, Ergebnisdarstellung, Verallgemeinerbarkeit.

Ergebnisse: Nach Entfernung von 58 Duplikaten wurden 1.163 Artikel in das Titel- und Abstract-Screening eingeschlossen. Nach Ausschlussprüfung wurden 250 Artikel in das Volltext-Screening übernommen. Für 10 Artikel war kein Volltext verfügbar. Nach einer Prüfung der 240 Volltexte auf Einschluss erfolgte die Datenextraktion und Synthese. Vorläufige Ergebnisse weisen auf eine relative Häufung der Erhebungsmethoden „Interview“ und „Fokusgruppe“ hin. Bei der Auswertung kommen vor allem inhaltsanalytische Verfahren zur Anwendung. Exakte Ergebnisse liegen zum Kongress vor und werden im Vortrag thematisiert.

Diskussionen: Das Review gibt einen Überblick über das Ausmaß und die Vielfalt qualitativer Forschung in der Versorgungsforschung. Erste Ergebnisse deuten auf eine Häufung einzelner Methoden hin. Dies geht mit bisherigen Erkenntnissen einher [1]. Im Zuge der fortschreitenden Datenextraktion werden allerdings noch weitere Fragen thematisiert. Insbesondere die Form der kritischen Reflexion der Methoden und Ergebnisse unter Berücksichtigung von Gütekriterien kann auf der Grundlage der noch zu generierenden Ergebnisse auf dem Kongress diskutiert werden.

Praktische Implikationen: Vor dem Hintergrund dieses Reviews kann das qualitative Methodenrepertoire der Versorgungsforschung gezielt weiterentwickelt und perspektivisch Weiterbildungsangebote abgeleitet werden. Darüber hinaus leistet das Review einen Beitrag zur Diskussion des steigenden Bedarfs und der Güte qualitativer Studien in der Versorgungsforschung.


Literatur

1.
Karbach U, Stamer M, Holmberg C, Güthlin C, Patzelt C, Meyer T. Qualitative Studien in der Versorgungsforschung–Diskussionspapier, Teil 2: Stand qualitativer Versorgungsforschung in Deutschland–ein exemplarischer Überblick. Gesundheitswesen. 2012;74:516-525.
2.
Meyer T, Karbach U, Holmberg C, Güthlin C, Patzelt C, Stamer M). Qualitative Studien in der Versorgungsforschung–Diskussionspapier, Teil 1: Gegenstandsbestimmung. Gesundheitswesen. 2012;74:510-515.
3.
Pfaff H. Versorgungsforschung – Begriffsbestimmung, Gegenstand und Aufgaben, 13-23. In: Pfaff H, Schrappe M, Lauterbach KW, Engelmann U, Halber M, Hrsg. Gesundheitsversorgung und Disease Management – Grundlagen und Anwendungen der Versorgungsforschung. Bern: Verlag Hans Huber; 2003.
4.
Lohr KN, Steinwachs DM. Health services research: an evolving definition of the field. Health Serv Res. 2002;37:15.