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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland: bundesweite Prognose von Patientenzahlen

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Anna-Juliana Butzek - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
  • author Ulrike Siewert - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
  • author Anne-Katrin Schulz - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
  • author Claudia Berlin - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
  • author Wolfgang Hoffmann - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland
  • author Konstanze Fendrich - Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Greifswald, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf231

DOI: 10.3205/11dkvf231, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2311

Published: October 12, 2011

© 2011 Butzek et al.
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Hintergrund: Versorgungsepidemiologische Studien der letzten 5 Jahre konnten zeigen, dass bei Konzepten der Arztzahlplanung die Änderung der Bevölkerungsstruktur im demographischen Wandel mit den daraus resultierenden Änderungen der Patientenzahlen mit berücksichtigt werden muss [1], [2]. Aktuell wird nun die Frage diskutiert, wie eine optimale Verteilung vorhandener und zukünftiger medizinischer Versorgungseinrichtungen in der Fläche erreicht werden kann. Dazu ist es notwendig, Regionen mit erhöhtem oder vermindertem Versorgungsbedarf erkennen zu können. Ziel dieser Studie ist es daher, deutschlandweit auf Landkreisebene Prognosen des zukünftigen medizinischen Versorgungsbedarfs sowie der ambulanten Versorgungskapazitäten zu erstellen.

Material und Methoden: Bevölkerungsdaten (Basisjahr 2008) und -prognosen (bis 2030) auf Landkreisebene wurden geschlechtsspezifisch und in 1-Jahres-Altersgruppen von den Statistischen Ämtern der Bundesländer angefordert. Krankheitsspezifische Inzidenzen und Prävalenzen häufiger altersassoziierter Erkrankungen wurden aus populationsbezogenen Studien und epidemiologischen Krebsregistern geschlechtsspezifisch für 5-Jahres Altersgruppen berechnet. Die geschlechts- und altersspezifischen Inzidenz- und Prävalenzdaten wurden anschließend mit den Daten zur Bevölkerungsstruktur auf Landkreisebene zusammengeführt, um die aktuell in der Bevölkerung vorhandene krankheitsspezifische Fallzahl abzuschätzen. Die Hochrechnung der zu erwartenden Fallzahlen auf Basis der Bevölkerungsprognosen für 2020 und 2030 erfolgte in analoger Weise für alle Landkreise. Die Hochrechnungen der Fallzahlen erfolgten geschlechts- und altersgruppenspezifisch.

Ergebnisse: Die Änderung der Fallzahlen im zeitlichen Verlauf unterscheidet sich nach Erkrankung, Geschlecht und Region deutlich. Bezogen auf die drei häufigsten Krebslokalisationen (Brust bzw. Prostata, Darm, Lunge) ist bei Frauen für Darmkrebs mit der höchsten (2030: +11,4% bis +41,1%), für Brustkrebs mit der geringsten Fallzahlzunahme zu rechnen (2030: –3,5% bis +17,1%). Bei Männern wird ein ungefähr gleich starker Anstieg der drei betrachteten Lokalisationen (Darm-, Lungen- und Prostatakrebs) erwartet. Der Vergleich zwischen Männern und Frauen zeigt, dass die Fallzahlzunahmen bei Darm- und Lungenkrebs bei Männern in den meisten Landkreisen größer sind als bei Frauen.

Die Fallzahlanstiege der betrachteten Krebslokalisationen werden im Jahr 2030 in den Landkreisen Bayerns, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns relativ hoch sein, in Sachsen, Thüringen und im Saarland deutlich geringer. Die Ergebnisse der deutschlandweiten Fallzahlprognosen häufiger altersassoziierter Erkrankungen werden detailliert in Kartenform dargestellt.

Schlussfolgerung: Die im Rahmen des Projektes entstehende Datenbasis zu Fallzahlen, Inanspruchnahme und Arztzahlen auf Landkreisebene erweitert die bisher für die Bedarfsplanung genutzte Datenbasis und ermöglicht auf regionaler Ebene eine effizientere und präzisere Planung von zukünftig notwendigen Kapazitäten im medizinischen Versorgungssystem. Auf regionaler Ebene trägt die Datenbasis dazu bei, zukünftig entstehenden Versorgungslücken rechtzeitig, z.B. durch eine Reallokation von Ressourcen oder den Einsatz neuartiger Versorgungsmodelle (z.B. Delegationsmodelle, Telemedizin) entgegenzuwirken.

Die Studie wurde durch die Bundesärztekammer finanziell gefördert.


Literatur

1.
Siewert U, Fendrich K, Doblhammer-Reiter G, Scholz RD, Schuff-Werner P, Hoffmann W. Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demografischen Wandels in Mecklenburg-Vorpommern: Hochrechnung der Fallzahlen altersassoziierter Erkrankungen bis 2020 auf der Basis der Study of Health in Pomerania (SHIP). Deutsches Ärzteblatt. 2010; 107(18):328-334.
2.
Fendrich K, Hoffmann W. More than just aging societies: the demographic change has an impact on actual numbers of patients. Journal of public health. 2007; 15(5):345-351.