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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma – Kommen die Inhalte bei den Patienten unterschiedlich an? – Fragebogenstudien zum Vergleich von gesetzlich und privat Versicherten in Deutschland

Meeting Abstract

  • author Susanne Löscher - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Cornelia Schürer - Abteilung für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
  • corresponding author presenting/speaker Bettina Bücker - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Katharina Schaper - Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie (IMBE), Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Frank Krummenauer - Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie (IMBE), Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Antje Krieger - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author Nik Koneczny - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland
  • author H.-Harald Abholz - Abteilung für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
  • author Stefan Wilm - Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke, Witten, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf160

DOI: 10.3205/11dkvf160, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1603

Published: October 12, 2011

© 2011 Löscher et al.
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Text

Hintergrund: Die NVL Asthma wurde 2005 erstmalig veröffentlicht. Ein Jahr später wurde ein Disease-Management-Programm (DMP) Asthma initiiert. 2009 zeigte eine Befragung privat versicherter Patienten (PKV) zum selbstberichteten Handeln im Hinblick auf den (leitliniengerechten) Umgang mit ihrer Asthmaerkrankung, dass sie sich nur teilweise leitlinienkonform verhalten. Die Wiederholung der Befragung bei gesetzlich Versicherten (GKV) mit und ohne DMP-Teilnahme ergab, dass sich DMP-Teilnehmer bei Prozessparametern wie der Teilnahme an einer Schulung häufiger leitliniengerecht verhalten als Nichtteilnehmer; bezüglich der Asthmakontrolle ergab sich zwischen diesen beiden Gruppen jedoch kein signifikanter Unterschied.

In der vorliegenden Untersuchung werden die Resultate der Befragung der privat Versicherten mit denen der gesetzlich Versicherten verglichen.

Material und Methoden: Auswertung von 764 (PKV) und 1322 (GKV) Fragebögen. In der Gruppe der GKV befanden sich, stratifiziert entsprechend der DMP-Asthma-Teilnahme-Quote der betreffenden Krankenkasse, 16,8% DMP-Teilnehmer. Primäre Hypothese war dabei, dass Einschränkungen im Alltag durch Asthma und der Gebrauch des Notfallsprays bei PKV im Vergleich zu GKV unterschiedlich häufig sind. Sekundäre Hypothesen bezogen sich auf Einnahme eines inhalativen Kortikoids, Besitz eines Notfallplans, Schulungsteilnahme, Einsatz des Peak-Flow-Meters (PFM) und Häufigkeit von Arztbesuchen im Gruppenvergleich.

Die deskriptive Auswertung der kategorialen Items erfolgte mittels Kreuztabellen und entsprechenden Prozentzahlen. Die primären (zum multiplen Niveau 5%) und sekundären Hypothesen wurden mittels Fisher- bzw. Chi²-Test geprüft.

Ergebnisse: Bei Einschränkungen im Alltag fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen GKV und PKV (p(F)=0,537). Das Notfallspray wurde von den GKV häufiger täglich benutzt als von den PKV (19,1% vs 16,6%), die PKV nahmen es häufiger nur bei akuter Luftnot (63,7% vs 59,2%, p(Chi²)=0,031). Bei den sekundären Hypothesen fanden sich signifikante Unterschiede bei der täglichen Nutzung eines kortisonhaltigen Sprays (PKV 55,3% vs GKV 47,6%, p(Chi²)=0,000). Keinen Notfallplan hatten 88,1% der GKV und 81,1% der PKV (p(F)=0,000). Hinsichtlich des Besuchs einer Schulung und im Gebrauch eines PFM bestanden zwischen beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede. GKV gingen häufiger als PKV zum Haus- (≥1x/Quartal 51,4% vs 32,3% p(F)=0,000) und zum Facharzt (≥1x/Quartal 31,0% vs 18,5%, p(F)=0,000).

Schlussfolgerung: Der Behandlungserfolg (gemessen an Einschränkungen im Alltag) ist bei gesetzlich und privat Versicherten gleich, allerdings machten mehr GKV täglich Gebrauch von ihrem Notfallspray. PKV hingegen benutzten öfter und damit leitliniengerecht täglich ein inhalatives Kortikoid. Die Frequenz des Arztbesuchs korreliert nicht mit dem Behandlungserfolg: PKV gehen seltener zum Haus- oder Facharzt als GKV, was auch u.a. durch das aufwändigere Kostenerstattungsverfahren bzw. Selbstbeteiligungsregelungen bei den PKV begründet sein könnte.