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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Inwiefern unterscheiden sich Menschen mit und ohne Demenz hinsichtlich Inanspruchnahmeraten und Dauer stationärer Versorgung?

Meeting Abstract

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf134

DOI: 10.3205/11dkvf134, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1349

Published: October 12, 2011

© 2011 Eisele et al.
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Hintergrund: Die Anzahl von Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, wird sich in Deutschland Schätzungen zufolge von aktuell 1 Mio. auf 2,5 Mio. im Jahr 2050 erhöhen [1, 2]. Der Versorgungsbedarf dieser Patientengruppe muss in der Planung des Gesundheitssystems berücksichtigt werden. Bisher ist es jedoch unklar, inwiefern sich eine Demenzerkrankung auf die stationäre Versorgung auswirkt. Ziel dieser Studie ist die Darstellung von Hospitalisierungsraten und Dauer stationärer Aufenthalte von Menschen mit Demenz im Vergleich zu einer nicht-dementen Kontrollgruppe.

Material und Methoden: Die Krankenkassendaten von 1.848 Menschen mit Demenz und einer nicht-dementen Kontrollgruppe (1:4 Matching nach Alter, Geschlecht, Anzahl der ambulanten Arztkontakte und Anzahl der ambulant aufgesuchten Ärzte im ersten Quartal des Beobachtungszeitraums) wurden im Hinblick auf Anzahl und Gründe stationärer Aufnahmen, Diagnosen, Liegezeiten und Entlassungsgründe innerhalb des Jahres vor und nach Erstdiagnose einer Demenz verglichen. Mittels multivariater logistischer Regression wurde untersucht, welche Faktoren mit einer Notfallaufnahme assoziiert sind.

Ergebnisse: Während 38,9% der Menschen, die eine Demenz entwickelten, im Jahr vor Diagnosestellung mindestens einen stationären Aufenthalt vorwiesen, belief sich der Anteil der Kontrollpatienten mit mindestens einem stationären Aufenthalt auf 25,6%. Im ersten Jahr nach Diagnosestellung vergrößerte sich dieser Unterschied weiter auf 44,2% versus 26,4%. Die durchschnittliche Anzahl von Leistungstagen pro Aufenthalt war bei der Demenzgruppe um 3,6 Tage vor und 1,8 Tage nach Inzidenz gegenüber der Kontrollgruppe erhöht, während der Anteil der Notfallaufnahmen sowohl im Jahr vor als auch im Jahr nach Erstdiagnose einer Demenz um 10% erhöht war. Im Regressionsmodell waren neben der Diagnose, das Alter (OR = 1,03 pro Lebensjahr; p < 0,001) und Geschlecht (OR = 1,16 für Frauen; p = 0,048) sowie die urbane Umgebung (OR = 1,18; p = 0,048) signifikant mit der Notfallaufnahme assoziiert. Unter Kontrolle dieser Einflussgrößen wies die Demenzgruppe ein gegenüber der Kontrollgruppe um 26% erhöhtes Risiko (OR = 1,26; p < 0,01) auf, als Notfall aufgenommen zu werden.

Schlussfolgerung: Die Anzahl stationärer Aufenthalte und deren Dauer sind bei Menschen mit Demenz gegenüber einer nicht-dementen Kontrollgruppe deutlich erhöht. Die häufigeren und längeren Aufenthalte von Menschen mit Demenz wurden auch in anderen europäischen Ländern gefunden. Ihre häufigeren Aufnahmen als Notfall können nur teilweise durch unterschiedliche Diagnosen in den beiden Gruppen erklärt werden. Diskussionswürdig erscheint die erhöhte Notfallrate in urbanen gegenüber ländlichen Regionen.