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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Häufigkeit und Intensität der ambulanten Inanspruchnahme im Spiegel großer Bevölkerungsumfragen. Sind die Ergebnisse vergleichbar?

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Enno Swart - Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf113

DOI: 10.3205/11dkvf113, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1131

Published: October 12, 2011

© 2011 Swart.
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Hintergrund: In den letzten zwei Jahrzehnten sind vielfach große bevölkerungsrepräsentative Surveys durchgeführt worden, die neben Fragen zur Gesundheit und ihren Determinanten auch die Häufigkeit und Intensität der ambulanten Inanspruchnahme erhoben haben. Danach wurde ebenfalls im Rahmen des sozioökonomischen Panels (SOEP) und des Bertelsmann-Gesundheitsmonitors gefragt. In diesem Beitrag wird untersucht, inwieweit die Instrumente und damit die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen vergleichbar sind.

Material und Methoden: Es werden die Fragen zur ambulanten Inanspruchnahme in den public use files des Ost-West-Surveys 1991 (OW91), des Bundesgesundheitssurveys 1998 (BGS98), des telefonischen Gesundheitsurveys 2003 (Tel03) und des Surveys ‚Gesundheit in Deutschland aktuell’ 2009 (GEDA09) genutzt. Hinzu kommen Daten der 26 Wellen des SOEP (1984-2009) und des Bertelsmann-Gesundheitsmonitors (2001-2009).

Ergebnisse: Im Ost-West-Survey und dem Bundesgesundheitssurvey differenzieren die Fragen nach der ambulanten Inanspruchnahme nach Facharztgruppen. Die 4-Wochen Behandlungsprävalenz bei Allgemeinärzten im OW91 beträgt 29%, die 12-Monatsprävalenz im BGS98 69%; im OW91 wird nach der Zahl der Arztkontakte gefragt (durchschnittlich 1,8 für Befragte mit Kontakt zum Allgemeinmediziner), beim BGS98 liegen die Angaben nur klassifiziert vor. Der Tel03 fragt nach der Behandlungsprävalenz im letzten Quartal bei niedergelassenen Ärzten insgesamt (63%) und der Zahl der Hausarztkontakte in den letzten zwölf Monaten (88% mindestens 1x, durchschnittlich 4,6x, Spanne 1-92). Im GEDA2009 berichten 88% der Befragten über mindestens einen Arztkontakt in den letzten zwölf Monaten und über durchschnittlich 6,1 Kontakte bei allen Vertragsärzten. Im SOEP2009 ergibt sich eine 3-Monats-Behandlungsprävalenz bei allen Facharztgruppen von 28% bei durchschnittlich 3,6 Kontakten (der Befragten mit mindestens einem Kontakt), im Gesundheitsmonitor eine 12-Monats-Allgemeinmedizin-Behandlungsprävalenz von 82% bei durchschnittlich 5,0 Kontakten. Der Gesundheitsmonitor differenziert nach weiteren vier Facharztgruppen, beim OW91 und dem BGS98 ist die Frage nach der Intensität der Inanspruchnahme nach mehr als zehn Facharztgruppen gegliedert. Die Analysen können nach Geschlecht, Altersgruppen, sozioökonomischen Variablen und zum Teil nach Anlass des Kontakts differenziert werden.

Schlussfolgerung: Die Surveys des RKI, das SOEP und des Bertelsmann-Gesundheitsmonitors unterscheiden sich nicht nur in ihren Zielgruppen, sondern auch in den Fragen zur ambulanten Inanspruchnahme bzgl. des betrachteten Intervalls, der Differenzierung nach Facharztgruppen und der Formulierung der Fragen incl. der Erläuterungen (etwa zur Berücksichtigung nicht-persönlicher Kontakte) und der Antwortkategorien. Die Ergebnisse sind daher – anders als bei Fragen zu Krankenhausaufenthalten – auch für die Kontakte zu Haus- und Allgemeinärzten nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar. Eine externe Validierung mit Ergebnissen von GKV-Sekundärdatenanalysen bietet sich an.


Literatur

1.
Bergmann E, Kamtsiuris P. Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Das Gesundheitswesen. 1999;61(Sonderheft 2):S138-S144.
2.
Bergmann E, Kalcklösch M, Tiemann F. Inanspruchnahme des Gesundheitswesens. Erste Ergebnisse des telefonischen Gesundheitssurveys 2003. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz. 2005;48:1365-73.
3.
Winkelhake O, Mielck A, John J. Einkommen, Gesundheit und Inanspruchnahme des Gesundheitswesens in Deutschland 1992. Sozial- und Präventivmedizin. 1997;42(1):3-10.