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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Kitesurfverletzungen – fragliche Sicherheit durch aktuelles Material

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Max D. Kauther - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Tanja Stawinski - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Timo Meinel - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Manuel Burggraf - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Sven Lendemans - Universitätsklinikum Essen, Westdeutsches Tumorzentrum, Klinik f. Unfall- und muskuloskelettale Tumorchirurgie, Essen, Germany
  • Christian Waydhas - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Christian Wedemeyer - Uniklinikum Essen, Klinik für Orthopädie, Essen, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI53-615

DOI: 10.3205/12dkou303, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou3036

Published: October 2, 2012

© 2012 Kauther et al.
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Fragestellung: Kitesurfen ist ein immer beliebter werdender Funsport mit vorbeschriebenen ausgeprägten Sportverletzungen (Petersen 2002, Petersen 2005, Nickel 2005). Diese Studie soll überprüfen, in wie weit das von der Surfindustrie als sicherer beworbene aktuelle Kitesurf-Material zu einer Reduktion von Verletzungen geführt hat.

Methodik: Die retrospektive epidemiologische Studie untersuchte 202 Kitesurfer mittels 6 seitigem Fragebogen. Die Patienten wurden bezüglich Verletzungsmustern, Verletzungsinzidenz, Material und Sicherheitsausrüstung, Fahr- und Sportgewohnheiten sowie spezifischen und regionalen Überlastungsschäden befragt.

Eine statistische Untersuchung erfolgte mittels Vierfeldertafel, Mann-Whitney U

Test, Wilcoxon W Testung, Pearson Correlation und ANOVA-Testung.

Ergebnisse: Von den 202 Kitesurfern waren 158 männlich und 44 weiblich mit einem durchschnittlichen Alter von 31 Jahren. Männliche Kitesurfer trainierten hoch signifikant länger (818,89 Stunden gegenüber 25,01 STunden; p<0,001). 90,1% der Kites (42,1% Bowkites, 36,1% C-Kites, 33,7% Delta-Kite, 5,4% Mattenkite) wurde ab 2007 gebaut. Eine Safetyleash wurde in 92% und eine Boardleash in 5% genutzt. Es fanden sich 773 Verletzungen, 670 unkomplizierte Schnitte, 591 Blasen/Abschürfungen und 230 Überlastungssyndrome in 141045 Trainingsstunden. Es ergab sich eine Verletzungshäufigkeit von 5,48 Verletzungen/1000 Stunden. Frauen zeigten signifikant häufiger eine Verletzung als Männer (138,95 Stunden/Verletzung gegenüber 329,21 Stunden/Verletzng; p<0,05). Häufigste Verletzungsursachen waren in 17,3% ein Sturz in flachem Wasser, ein 15,8% ein Sprungversuch, in 10,4% eine Windböe und in 9.9% Start/Landung. Häufgste Verletzungslokalisationen waren Rumpf-Thorax in 20,44%, die Schulter in 18,5% und die untere Extremität distal des Knies mit 16,3%.

In 13 Fällen wurde eine Verletzung operativ therapiert (Unterschenkelfraktur, OSG Frakturen, Claviculafraktur, Augenverletzung, Platzwunden). Polytraumatisierte Patienten und Todesfälle zeigten sich nicht. Männer suchten gegenüber Frauen signifikant häufiger einen Arzt auf (0.66 Besuche gegenüber 0,11 Besuchen; p<0,05). Kitedesign, Helm, Boardleash, Safetyleash, Kitelizenz und Spotauswahl korrelierten nicht mit der Verletzungshäufigkeit.

Schlussfolgerung: Kitesurfen muss weiterhin als Risikosport bewertet werden. Die meisten Verletzungen sind unkomplizierte Blasen und Schnitte, jedoch kommt es weiterhin vor allem im Bereich der unteren Extremität zu schwerwiegenden Traumata. Durch neueres Material zeichnete sich keine Reduktion der Verletzungshäufigkeit im Vergleich zu älteren Studien ab. Es muss aufgrund des Studiendesigns von einer noch höheren Verletzungsschwere und -häufigkeit ausgegangen werden. Bei der sportmedizinischen, präventiven Beratung ist auf die weiterhin bestehende Gefahr vor allem für die untere Extremität durch Boden- und Landkontakt sowie durch Windböen einzugehen. Ein Helm, Prall- und Schnittschutz ist trotz statistisch fehlender Verletzungsreduktion zu empfehlen.