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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Epidemiologie und Unfallursache von Frakturen im Kindesalter

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Robert Eberl - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz, Austria
  • Peter Ferlic - Medizinische Universität Graz, Univ. Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz, Austria
  • Georg Singer - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz, Austria
  • Stefan Dampf - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz, Austria
  • Johannes Schalamon - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Graz, Austria

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI24-1432

DOI: 10.3205/12dkou091, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou0915

Published: October 2, 2012

© 2012 Eberl et al.
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Fragestellung: Ein großer Teil kindlicher Verletzungen ist traumatisch bedingt, wobei 10 bis 25% der Unfälle im Kindesalter zu einer Fraktur führen. Ziel dieser Studie war es die Häufigkeit diverser Frakturen sowie den Verletzungsmechanismus in unterschiedlichen Altersgruppen, sowie die Geschlechterverteilung zu evaluieren.

Methodik: Es erfolgte eine prospektive Evaluierung aller Patienten, welche innerhalb von 2 Jahren auf Grund eines Unfalles an unserer Klinik behandelt wurden. Die Patienten wurden in 4 Gruppen gegliedert: Kinder jünger als 1 Jahr, Vorschüler (1-6 Jahre), Schüler bis zur Pubertät (6-14 Jahre) und Jugendliche über 14 Jahre.

Ergebnisse: 3.339 Patienten mit 3421 Frakturen wurden in diese Studie eingeschlossen. Männliche Patienten waren häufiger betroffen (61,3%, Durchschnittsalter: 9,8 Jahre), wobei sich bei Mädchen (38,7%, Durchschnittsalter: 8,2 Jahre) im Durchschnitt ein jüngeres Alter fand. Eine Zunahme der Frakturinzidenz zeigte sich bei Mädchen bis zu einem Gipfel im Alter von 11 Jahren bzw. 12 Jahren bei Buben. Zu einem Großteil der Frakturen kam es im Rahmen von Unfällen in Sportstätten (34,7%), gefolgt von Verletzungen zu Hause (17,6%). Verkehrsunfälle fanden sich in 10,7%. Häufigste Unfallursachen waren ein Sturz in der Ebene (41,9%), ein Sturz aus unter 3m Höhe (23,2%) und Zusammenstöße mit anderen Personen oder Objekten (18,2%). Frakturen in Zusammenhang mit Gewalttaten fanden sich bei 7,3% der Mädchen und 9,2% der Buben. Die meisten Frakturen traten am distalen Radius auf (15,3%), gefolgt Frakturen der Finger (14%) und des distalen Unterarms (8%). Insgesamt war die obere Extremität in 60%, die untere in 25,5% der Fälle betroffen. 44 Kinder (1,3%) unter einem Jahr erlitten eine Fraktur, wobei sich 65,9% Schädelfrakturen fanden. Die Inzidenz von Schädelbrüchen nahm mit dem Alter rasch ab, wobei 80% aller Schädelfrakturen bei Kindern bis zum Alter von 4 Jahren auftraten.

Schlussfolgerungen: Unfälle stellen eine häufigsten Todesursachen im Kindesalter dar. Oft kommt es aufgrund von Unfällen zu Frakturen. Männliche Patienten sind im Kindesalter häufiger von Frakturen betroffen, wobei mit einem Gipfel der Inzidenz um das 11 bis 12 Lebensjahr gerechnet werden muss. Da Schädelfrakturen am häufigsten bis zu einem Alter von 4 Jahren auftreten, was mit der kindlichen Anatomie bzw. Proportionen in Verbindung gebracht wird, scheint eine routinemäßige radiologische Bildgebung nach Schädeltrauma bis zu diesem Alter sinnvoll. Eine große Zahl kindlicher Frakturen ist mit Sportverletzungen vergesellschaftet, wobei in unserer Region meist Fußballspielen und Skifahren ursächlich sind. Die Resultate aus dieser Arbeit könnten hilfreich sein, Strategien zur Verletzungsprävention zu entwickeln, wobei eine Risikoreduktion durch das Tragen von Schutzausrüstungen erreicht werden könnte.