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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Risikofaktoren für die Coxarthrose. Ergebnisse eins systematischen Literatur-Reviews und Meta-Analyse aus Längsschnittuntersuchungen

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Gunter Spahn - Praxisklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Eisenach, Eisenach, Germany
  • Michael Kaiser - Praxisklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Eisenach, Eisenach, Germany
  • Rainer Schiele - Institut f. Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Jena, Germany
  • Gunther O. Hofmann - Universitätsklinikum Jena, BG Klinken Bergmannstrost Halle, Kliniken für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Jena, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI23-1232

DOI: 10.3205/12dkou084, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou0842

Published: October 2, 2012

© 2012 Spahn et al.
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Text

Fragestellung: Vor dem Hintergrund der geplanten Berufskrankheit Coxarthrose (bislang wie BK) sollten aus bisherigen Längsschnittuntersuchungen Risikofaktoren für die Coxarthrose ermittelt werden.

Methodik: Zum Stichtag 15.02.2011 wurden die Datenbanken PubMed, EMBASE, Cochrane und web-of-sciencedurchsucht (8.442 Treffer). Nach title-abstract-review durch 2 Reviewer wurden 117 potenziell in Frage kommende Arbeiten einer Volltextlesung unterzogen, von denen 27 Arbeiten Eingang in die Meta-Analyse fanden. Dargestellt werden die Effektstärken OR (odds-ratio) und RR (rate-ratio).

Ergebnisse: Die rohe Inzidenz der Coxarthrose in allen Arbeiten betrug 13,0 / 10.000 Personenjahre.

Frauen hatten ein geringfügig erhöhtes relatives Risiko eine Coxarthrose zu erleiden: OR= 1,2 (CI95% 1,1-1,4) bzw. RR 1,1 (CI95% 1,1-1,3). In allen Studien war dagegen das Alter ein signifikanter Risikofaktor. Zwischen dem 50. und 80 Lebensjahr steigt die Inzidenzrate der Coxarthrose um das fast 8-fache (RR=7,8; CI 95% 3,0 - 20,1) an.

Übergewicht (OR=1,6; CI95% 1,3 - 2,1) bzw. Adipositas (OR=2,0; CI95% 1,5 - 2,7) stellen ebenfalls signifikante Risikofaktoren dar.

Insgesamt 4 Studien befassten sich mit dem Zusammenhang zwischen inzidenter Coxarthrose und beruflicher Belastung. Zwei Studien verglichen das relative Risiko einer Coxarthose in Bezug auf die berufliche Belastung. Tendenziell (p=0.552) bedingen danach schwere berufliche Belastung ein leicht höheres Arthoserisiko (OR=1,8; CI95% 0,7 - 5,1), verglichen mit leichter Tätigkeit. Järvholm et al. untersuchten in 2 unabhängigen Studien die Arthroseinzidenz bei verschiedenen Bauberufen oder Probanden mit chronischer beruflicher Vibrationsbelastung und leichter Tätigkeit (Vorarbeiter, Bürotätigkeit). Auch dabei hatten die ausschließlich männlichen Berufstätigen mit schwerer beruflicher Belastung nur ein tendenziell höheres Coxarthrose-Risko (RR=1,2 (CI95% 0,08 - 1,6); p=0,523).

Verglichen mit Kontrollgruppen hatten diejenigen Patienten mit leichter oder moderater Sportaktivität (OR=0,7; CI95% 0,6 - 0,9) ein tendenziell niedrigeres relatives Arthroserisiko als Patienten mit hohem sportlichen Level (OR=1,1; CI 95% 0,7 - 1,5), p=0,358.

In verschiedenen Einzel-Publikationen wurden zudem weitere potenzielle Risikofaktoren beschrieben: Trauma, Hüftdysplasie, Beinverkürzung, Hypertonie, und Niereninsuffiziens, Alkohol-und Kaffekonsum und Nichtrauchen.

Schlussfolgerungen: Als signifikante Risikofaktoren konnten steigendes Lebensalter, vor allem bei Frauen, Übergewicht und Adipositas sowie eine Reihe anderer potenzieller Faktoren ermittelt werden. Physische Belastung in Beruf und Sport sind dagegen nur tendenziell mit einer erhöhten Arthroserate assoziiert. Da die bislang vorliegenden epidemiologischen Studien eine erhebliche Heterogenität im Design haben, sind für verlässliche Aussagen (Coxarthrose als BK, Belastungs-konformes Schadensbild, sichere konkurrierende Faktoren) jedoch in Zukunft weitere prospektive Studien dringend erforderlich.