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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Die Bedeutung der Kapselrekonstruktion für die primäre Hüftendoprothetik – Eine retrospektive Analyse von 1558 HTEP-Implantationen

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Torsten Prietzel - Universität Leipzig, Orthopädische Klinik und Poliklinik, Leipzig, Germany
  • Mathias Pretzsch - Universität Leipzig, Orthopädische Klinik und Poliklinik, Leipzig, Germany
  • Daniel Adler - Universität Halle, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Halle, Germany
  • Sven Panzert - Universität Leipzig, Orthopädische Klinik und Poliklinik, Leipzig, Germany
  • Martin Petermann - Parkkrankenhaus Leipzig, Leipzig, Germany
  • Mohamed Farag - Universität Leipzig, Orthopädische Klinik und Poliklinik, Leipzig, Germany
  • Georg von Salis-Soglio - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Leipzig, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI11-958

DOI: 10.3205/12dkou003, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou0037

Published: October 2, 2012

© 2012 Prietzel et al.
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Text

Fragestellung: Die Kapselrekonstruktion bei HTEP-Primärimplantation wurde von Charnley empfohlen und hat als Hauptbestandteil des EPSTR (enhanced posterior soft tissue repair) beim posterolateralen Zugang zur erheblichen Reduktion der Luxationsrate geführt. In unserer Klinik wird seit 2002 eine spezielle Technik der Kapselrekonstruktion mit Schonung des azetabulären Kapselursprunges angewendet. Mit dieser Studie soll analysiert werden, ob die Kapselrekonstruktion bei Nutzung des lateralen und anterolateralen Zuganges eine Verringerung der HTEP-Luxationsrate bewirkt und ob daraus Nachteile resultieren.

Methodik: Basierend auf der OP-Dokumentation wurden alle HTEP-Primärimplantationen im Zeitraum 11/2002 bis 8/2009 erfasst. Patienten mit Kapselrekonstruktion wurden der Studiengruppe (SG), Fälle mit Kapselresektion der Kontrollgruppe (KG) zugeordnet. Die retrospektive Analyse beinhaltete den WOMAC-Score sowie einen Fragebogen mit einfachen Fragen, u. a. nach Luxationen und Revisionsoperationen. Bei bejahender Antwort wurden die OP-Berichte sowie Epikrisen eingeholt und analysiert. Parallel dazu wurden klinikinterne Daten nach HTEP-Luxationen sowie -Revisionen recherchiert und bezüglich epidemiologischer (BMI, ASA-Klassifikation) sowie operationstechnischer Daten (Implantationstechnik, Gelenkdurchmesser etc.) ausgewertet.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: 11/2002 bis 08/2009 erfolgten 1999 HTEP-Primärimplantationen, wobei in 980 Fällen die Gelenkkapsel geschont und rekonstruiert (SG) sowie in 1019 Fällen reseziert (KG) wurde. Von 904 Patienten (92,2%) der SG und 654 Patienten (64,2%) der KG liegen zusätzlich zu den OP-Daten die beantworteten Fragebögen vor. Das mittlere Follow up betrug 28,4 (SG) bzw. 73,21 Monate (KG), minimal 12 Monate. Die epidemiologischen Daten von SG und KG zeigten keine wesentlichen Abweichungen (Alter zur OP 67,2 / 65,6 Jahre; BMI 28,2 / 27,8; ASA 2,76 / 2,85,). An der Behandlung der Studiengruppe waren 16 (SG) bzw. 21 (KG) Operateure einer Klinik beteiligt. Bezüglich der Kapselbehandlung gab es keine Patientenselektion. Zur Anwendung kamen gleiche Implantatsysteme bei überwiegend zementfreier Implantationstechnik (SG 87,2%, KG 90,5%). Die Luxationsrate betrug 0,3% in der SG im Vergleich zu 2,8% in der KG. Die Revisionsrate war mit 4,3% in der SG geringer als in der KG (6,62%). Der WOMAC-Globalindex betrug 83,1 (SG) bzw. 81,84 (KG).

Durch die Kapselrekonstruktion konnte somit die Frühluxationsrate nach HTEP-Primärimplantation über den lateralen/anterolateralen Zugang um 89,3% reduziert werden. Dies steht in Übereinstimmung mit Literaturangaben über eine Verringerung der Luxationsrate um 50 - 90% bei Kapselrekonstruktion und posterolateralem Zugang. Unabhängig vom operativen Zugang scheint die Wiederherstellung der Gelenkkapsel somit eine erhebliche Reduktion der Frühluxationsrate zu ermöglichen. Hinweise auf kapselassoziierte Beschwerden, Malposition oder Lockerung der Pfanne fanden sich nicht. Somit ist die beschriebene Kapselrekonstruktion bei HTEP-Primärimplantationen zu empfehlen.