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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Gehäuftes Auftreten von Enterovirus 71-Infektionen bei Kleinkindern in Deutschland 2010

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Sindy Böttcher - Robert-Koch-Institut, FG 15, Nationales Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren, Berlin
  • Katrin Neubauer - Robert Koch-Institut, Geschäftsstelle der Nationalen Kommission für Polioeradikation in Deutschland, Berlin
  • Sabine Diedrich - Robert-Koch-Institut, FG15, Nationales Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi12

DOI: 10.3205/12dgpi12, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi121

Published: March 22, 2012

© 2012 Böttcher et al.
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Enteroviren verursachen eine Vielzahl klinisch relevanter Erkrankungen im Kindesalter. Dazu gehören vor allem aseptische Meningitis/Enzephalitis aber auch Hauterkrankungen wie die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK). Die Übertragung erfolgt fäkal-oral bzw. durch direkten Kontakt und es kommt zu einer raschen Ausbreitung des Infektionsgeschehens. Enteroviren treten vor allem in den warmen Sommermonaten auf und sind weltweit verbreitet. Vor allem in Ostasien kommt es zu großen Epidemien mit fatalen Krankheitsverläufen. Dabei spielt vor allem der Serotyp Enterovirus 71 (EV 71) eine wichtige Rolle, der als Erreger der HFMK auch schwere Verläufe mit Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems bis hin zum Tod hervorruft. So wurden im Sommer 2010 in China mehr als 1 Mio. HFM-Erkrankungen gemeldet, mehr als 530 Kinder starben an den Komplikationen. In Deutschland wird EV 71 vorrangig bei aseptischen Meningitiden/Enzephalitiden nachgewiesen.

Material/Methoden: Im Rahmen der bundesweiten Enterovirus-Surveillance (EVSurv) wird allen pädiatrischen und neurologischen Kliniken die Möglichkeit einer kostenlosen Enterovirus-Diagnostik bei Verdacht auf aseptische Meningitis sowie akute schlaffe Lähmungen angeboten. Durch die Untersuchung von Stuhl- oder Liquorproben auf Enteroviren mittels PCR, Anzucht und Typisierung werden durch dieses System Aussagen zu zirkulierenden Enteroviren in Deutschland möglich.

Ergebnisse: Von den im Jahr 2010 als Enterovirus positiv typisierten Patientenproben (n=608) konnten 73 als EV 71 identifiziert werden (12%). In den Vorjahren wurde EV 71 nur vereinzelt nachgewiesen (n=8 in 2008, n=13 in 2009) und auch 2011 ging der Anteil der EV 71 Infektionen wieder zurück (n=15). Hauptsächlich waren Kinder unter 6 Jahren betroffen (80%) wobei der Anteil der Jungen mit 61% etwas höher als der der Mädchen war. Fatale Verläufe wurden nicht verzeichnet. Der Hauptanteil der eingesandten EV 71-positiven Proben erstreckte sich über die Monate Juni bis Oktober (85%). Insgesamt wurden 2010 70 Stuhl- (96%) sowie 3 Liquorproben (4%) positiv getestet, die Anzucht in Zellkultur war bei 58 Proben erfolgreich. Im Nationalen Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren am Robert Koch-Institut wurden 48 der insgesamt 73 Proben molekularbiologisch näher charakterisiert sowie serologisch typisiert.

Diskussion/Schlussfolgerung: Im Jahr 2010 wurde im Rahmen der EVSurv in Deutschland ein gehäuftes Auftreten von Enterovirus 71-Infektionen registriert. Auch wenn Erkrankungen durch Enteroviren in den meisten Fällen ohne Komplikationen und selbstlimitierend verlaufen, kommt es oft zu einer starken Beeinträchtigung der Patienten aufgrund der klinischen Symptome. Daher sollte eine rasche Ausbreitung durch konsequente Hygienemaßnahmen verhindert werden.