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Wissenschaft – eine Säule der Hebammenarbeit: 1. Internationale Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (DGHWi)

Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V.

23.09.2011, Hildesheim

Informationsquellen und Vertrauen der Mütter/Eltern in der Beratung zur Beikosternährung

Meeting Abstract

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  • Lea Beckmann - Universität Halle-Wittenberg, Deutschland
  • Gertrud M. Ayerle - Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

Wissenschaft – eine Säule der Hebammenarbeit. 1. Internationale Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft. Hildesheim, 23.-23.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dghwi11

DOI: 10.3205/11dghwi11, URN: urn:nbn:de:0183-11dghwi110

Published: September 15, 2011

© 2011 Beckmann et al.
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Hintergrund: Die aktuelle Empfehlung relevanter Fachorganisationen und Institutionen in Deutschland lautet, dass Beikost frühestens nach dem vollendeten vierten Lebensmonat und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats eingeführt werden soll. Als Quelle der Information wird in der Literatur an erster Stelle die Ärztin/der Arzt genannt, gefolgt von schriftlichen Veröffentlichungen.

Fragestellung: In welchem Lebensalter der Kinder beginnen die befragten Eltern mit der Beikosteinführung? Gibt es erkennbare Einflussfaktoren auf das Ernährungsverhalten? Wer berät die Mütter/Eltern zur Beikosternährung? Wem schenken die Mütter/Eltern ihr Vertrauen? Hat die Schulbildung der Eltern Einfluss auf das Ernährungsverhalten?

Methode: Mittels eines halb-standardisierten Fragebogens wurde von April bis Juni 2010 eine anonyme schriftliche Befragung von 100 Müttern/Eltern mit Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und einem Jahr in der Stadt München durchgeführt. Die Teilnehmerinnen/Teilnehmer wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 7 kinderärztlichen Praxen rekrutiert und um deren Einwilligung gebeten. Zur Überprüfung von Unterschieden zwischen ausgewählten Subgruppen wurde der Chi²-Test (p<0,05) gewählt.

Ergebnisse: Eine Mehrheit der befragten Eltern (90%) hatten mit der Beikosternährung, wie empfohlen, nach dem vollendeten vierten Lebensmonat begonnen. Am häufigsten wurde die eigene Familie als Beratungsquelle angegeben. Unter den professionellen Ratgeberinnen und Ratgebern wurden an erster Stelle der Kinderärztin/dem Kinderarzt vertraut. Kinder, deren Eltern am meisten den eigenen Familienangehörigen vertrauten, bekamen signifikant häufiger zuckerhaltige Nahrungsmittel angeboten als Kinder der Eltern, die dem Fachpersonal das größte Vertrauen schenkten. Von den befragten Müttern/ Eltern hatten ein Zehntel ihren Kindern Lebensmittel zu einem Zeitpunkt gegeben, zu dem aus gesundheitlichen Gründen dringend abgeraten wird: Beikost vor dem vollendeten vierten Lebensmonat (10%) und Honig im ersten Lebensjahr (11%).

Diskussion: Junge Familien werden – auch ungefragt – vor und nach der Geburt zum Thema Beikosternährung beraten. Bereits vor der Geburt der Kinder beriet die eigene Familie in dieser Befragung 45,1% der Teilnehmerinnen. Nach der Geburt stieg die Prozentzahl auf 63,3%. Damit hatte die Familie in dieser Befragung den größten Anteil der (auch ungebetenen) Beratung. In der bundesweiten „Su-Se“ Studie stand die Kinderärztin/der Kinderarzt an erster Stelle, jedoch wurde hier nur nach der angeforderten Beratung gefragt.

Empfehlung: Es gibt einen Beratungsbedarf für Mütter aus allen sozialen Schichten zur Säuglingsernährung, der von allen betroffenen Berufsgruppen abgedeckt werden könnte. Hier gilt es, auch ohne Beratungsanfrage seitens der Mütter/Eltern zur Beikosternährung beratend tätig zu werden, um gegebenenfalls dem Familienwissen etwas entgegenzusetzen. Es ist wichtig, den Müttern/Eltern durch die übereinstimmende Beratung aller beteiligten Fachpersonen Sicherheit im eigenen Handeln zu vermitteln.