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53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

11.10. - 13.10.2012, Lübeck

Verletzungen durch Schuss oder Explosion an der Hand: Eigene Erfahrungen und Prinzipien der Versorgung

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Erwin Kollig - Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Abteilung XIV Unfallchirurgie und Orthopädie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Koblenz, Deutschland
  • Axel Franke
  • Arnulf Wilms
  • Dan Bieler
  • Matthias Johann
  • Sebastian Hentsch

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Lübeck, 11.-13.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgh31

DOI: 10.3205/12dgh31, URN: urn:nbn:de:0183-12dgh314

Published: October 9, 2012

© 2012 Kollig et al.
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Fragestellung: Schuss- und Explosionsverletzungen der Hand beanspruchen das handchirurgische Wissen und Können in besonderem Maße. Sie stellen wegen der speziellen Verletzungsmorphologie eine erhebliche Bedrohung für die funktionelle Integrität der Hand dar. Häufig resultieren Funktionseinbußen, die mit einer bleibenden Einschränkung der Erwerbsfähigkeit bzw. Invalidität einhergehen. Schussverletzungen der Hand gelten in Mitteleuropa als Raritäten. Explosionsverletzungen der Hand werden vergleichsweise häufiger beo-bachtet. Sie sind hierzulande in der Regel auf den unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern zurückzu-führen. Hinsichtlich Kinetik, Auswirkungen und Vorgehen weisen diese Traumaentitäten Besonderheiten auf, die hinsichtlich der therapeutischen Konsequenzen eine eigene Betrachtung erfordert.

Methodik: Überregionales Traumazentrum, Retrospektive Erhebung und Re-evaluation eigener Fälle zwischen 2005 und 2011, fallbasierte Analyse der Verletzungsentstehung, Versorgung und erreichbarer Behandlungsergebnisse

Ergebnisse: In den Jahren 2005 bis 2011 haben wir insgesamt 85 Schussverletzungen bei 64 Patienten operativ versorgt. In dieser Gruppe war in 25 Fällen (39%) die obere Extremität mitbetroffen, davon bei 8 (13%) nur die Hand. Dies belegt die allgemein geringe Inzidenz dieser Verletzungsentität. Darüber hinaus versorgten wir zahlreiche Fälle mit direkter oder indirekter Schädigung der Hand durch Sprengmittel oder Blast-Injury.

Schlussfolgerung: Die Behandlung von Hochenergieverletzungen an der Hand durch Schuss oder Explo-sion ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die unfall- und handchirurgische Erfahrung erfordert. Für das funktionelle Endergebnis und die rekonstruktiven Möglichkeiten ist das Weichteilmanagement entscheidend. Die Ziele der Erstversorgung sind die Erkennung und Behandlung einer Ischämie, die schonende Reposition und Retentionen von Fragmenten mittels einfachster Verfahren, das sparsame Debridement avitaler Strukturen und die atraumatische Spülung zur Infektionsprophylaxe. Ein Primärverschluss von Schusswunden ist obsolet. Bei ausge-dehnten Verletzungen ist der zu erwartende funktionelle Restwert der Hand ausschlaggebend für die therapeu-tischen Bemühungen. Grundsätzlich steht zunächst die Rekonstruktion der Weichteile mit tragfähigem Gewebe im Vordergrund, dann die Versorgung der Frakturen bzw. die Rekonstruktion der knöchernen Strukturen und dann die schrittweise Wiederherstellung der Leitungsstrukturen.