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51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

07.10.- 09.10.2010, Nürnberg

Defektversorgung im Daumen- und Fingerbereich mithilfe von homodigitalen Lappenplastiken: „Das Konzept der Lappenfamilien“

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker A.A. Altintas - Universitätsklinikum Essen, Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, Essen, Deutschland
  • Robert Hierner

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Nürnberg, 07.-09.10.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgh27

DOI: 10.3205/10dgh27, URN: urn:nbn:de:0183-10dgh277

Published: September 16, 2010

© 2010 Altintas et al.
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Fragestellung: Basierend auf einer profunden Kenntnis der Vaskularisation im Daumen- und Fingerbereich ist es möglich, eine Vielzahl von homodigitalen Lappenplastiken zu beschreiben. Zur besseren didaktischen Darstellung hat sich das „Konzept der Lappenreihen“ bewährt. Unter einer Lappenreihe werden alle Lappenplastiken zusammengefasst, die vom selben Spendergebiet – palmare, dorsale oder laterale Fingerhaut – durch Ausweitung der Präparation (back-cut, mikrochirurgische Präparation des Gefäß-Nervenbündels) gehoben werden können um einen immer größeren Defekt zu decken.

Methodik: Für den klinischen Gebrauch haben sich folgende Lappenreihen bewährt: Im Daumenbereich die Dehnungslappenreihe (Tranquilli-Lealy-Moberg-Epping), die palmare Transpositionslappenreihe (Hueston-O`Brien) und die dorsale Transpositionslappenreihe (Hueston-Brunelli). Im Langfingerbereich die bilaterale Dehnungslappenreihe (Tranquilli-Lealy-Snow-Atasoy), die unilaterale Dehnungslappenreihe (Geissendörfer/Kutler-Venkataswami-Foucher), die palmare Transpositionslappenreihe (Hueston), die dorsale Transpositionslappenreihe (Hueston-Büchler) und die laterale Transpositionslappenreieh (Colson-Elliot-Oberlin).

Ergebnisse: Bei dem Einsatz der homodigitalen Lappenplastiken sind deren Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwegen; die homogiditalen Lappenplastiken bieten die größte Ähnlichkeit hinsichtlich Textur und Sensibilität („Gleiches mit Gleichem“): Es wird kein weiteres Spendergebiet benötigt, eine Immobilisation der Hand ist nur sehr kurz oder gar nicht notwendig. Als Nachteile sind anzuführen, daß nur eine limitierte Lappengröße gehoben werden kann, ein zusätzlicher iatrogener Defekt bei einem schon geschädigten Finger gesetzt wird und bei traumatisch bedingten Defekten, eine Beeinträchtigung der Vaskularisation mit erhöhter Komplikationsrate besteht. Homodigitale Lappenplastiken sind vor allem indiziert bei Endglieddefekten bis Zone 3 (Dehnungslappenreihe) und bei Grund- und Mittelglieddefekten <50% der Oberfläche der funktionellen Hauteinheit (Transpositionslappenreihe).

Schlussfolgerung: Unter strenger Indikationstellung sind die homodigitalen Lappenplastiken eine ausgezeichnete Therapiemethode zur Defektdeckung. Für den individuellen Fall muß immer der Benefit im Empfängergebiet mit der Morbidität im Spendergebiet abgewogen werden. Bei kompletten palmaren und dorsalen Endglieddefekten und Defekten im Mittel- und Grundgliedbereich >50% der funktionellen Hauteinheit sollten Lappenplastiken aus der Mittelhandbereich (DMCA) oder einem benachbarten Finger (Cross-finger) verwendet werden.