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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Wie entstehen Essstörungen? Krankheitsattribution von Betroffenen, Angehörigen und Behandler und die Frage nach der Schuld

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Hartmut Imgart - Parkland-Klinik, Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Bad Wildungen-Reinhardshausen, Deutschland
  • Annika Grieneisen - Parkland-Klinik, Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Bad Wildungen-Reinhardshausen, Deutschland
  • Cassandra Klug
  • Katharina Beier
  • Günter Reich

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess047

DOI: 10.3205/12dgess047, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0474

Published: February 8, 2012

© 2012 Imgart et al.
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Die Ätiologie von Essstörungen ist Gegenstand reger Forschungstätigkeit. Bisher durchgesetzt haben sich multifaktorielle Genesemodelle, die unter anderem auch familiäre Faktoren berücksichtigen. Die Genesemodelle sind in einem stetigen Wandel, in letzter Zeit geraten besonders biologische Faktoren ins Blickfeld. Die Rezeption von wissenschaftlichen Genesemodellen durch Betroffene, Angehörige und Behandler sind bisher noch wenig untersucht.

In einer Pilotstudie haben wir 110 Teilnehmer von Multifamilienseminaren nach ihrem persönlichen Genesemodell von Essstörungen befragt. Die Multifamilientherapie wird im Rahmen einer stationären Therapie essgestörter Jugendlicher durchgeführt. Eltern, betroffene Jugendliche und behandelnde Therapeuten wurden getrennt befragt. Zusätzlich wurden 80 Behandlerinnen und Behandler von Essstörungen befragt, die Mitglied im Bundesfachverband für Essstörungen sind. Befragungsinstrument ist der Aachener Fragebogen zu Krankheitsattribution, der durch weitere Fragen ergänzt wurde. In allen befragten Gruppen wurden, verglichen mit den aktuellen wissenschaftlichen Genesemodellen, die familiären Faktoren überschätzt und die biologischen Faktoren unterschätzt. Alle Gruppen sehen als wichtigsten Genesefaktor familiäre Faktoren (Probleme) an. Auch die globale Frage nach dem prozentuellen Anteil der Schuld wird in allen Befragten Gruppen als sehr hoch eingeschätzt (bis zu 70%). Im Vergleich der Gruppen sehen Behandler familiäre Genesefaktoren am höchsten an.

Dieses ist für die Praxis insofern relevant, da bei den betroffenen Familien häufig eine Schuldthematik bezüglich der Ursache der Essstörung besteht. Eine Fixierung auf die familiären Schuldthemen verhindert jedoch die Nutzung der Familie als Ressource in der Therapie von Essstörungen und sollte im Praxisalltag mehr Beachtung finden.