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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Flankenhernie der Bauchwand – ist die präperitoneale Netzposition das Verfahren der Wahl?

Meeting Abstract

  • Anjali Röth - Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Aachen
  • Patrick Hamid Alizai - Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Aachen
  • Andreas Prescher - Universitätsklinikum Aachen, Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie, Aachen
  • Christian Klink - Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Aachen
  • Ulf Peter Neumann - Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Aachen
  • Joachim Conze - Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Aachen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch514

DOI: 10.3205/12dgch514, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch5144

Published: April 23, 2012

© 2012 Röth et al.
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Text

Einleitung: Die intermuskuläre Netzaugmentation bei Hernien unmittelbar lateral der Rektusscheide ist ein elegantes Verfahren, welchem die Prinzipien der retromuskulären Netzaugmentation zugrunde liegen. Die extraperitoneale Netzpositionierung schützt vor netzassozierten Komplikationen wie Adhäsionen und Fisteln. Die Bedeckung der Netzimplantate mit gesundem Muskel wirkt als Infektionsprophylaxe. Bei der Flankenhernie, die vor allem nach urologischen, gefäßchirurgischen oder neurochirurgischen Eingriffen auftritt, wird die geforderte Netzunterfütterung von mindestens 5 cm in alle Richtungen durch die knöcherne Begrenzung nach kaudal im Bereich der Crista iliaca und kranial durch den Rippenbogen eingeschränkt. In der Literatur findet sich bislang keine Lösung für diese komplizierten Hernien.

Material und Methoden: Um eine geeignete Methode, die den standardisierten Prinzipien der extraperitonealen Netzaugmentation entspricht, zu finden, wurden anatomische Untersuchungen an Frischleichen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien wurden anschließend bei 10 Patienten mit Flankenhernien klinisch evaluiert.

Ergebnisse: Die anatomischen Präparationen belegten, dass die drei lateralen Bauchwandmuskeln alle an der Crista iliaca ansetzen und somit eine intermuskuläre Unterfütterung des Netzes hinter die Beckenschaufel unmöglich ist. Der präperitoneale Raum liess sich hingegen problemlos unabhängig von den knöchernen Strukturen darstellen, so dass hier ein ausreichend großes Netzlager präpariert werden konnte. In der klinischen Situation konnte bei Patienten mit Flankenhernien diese präperitoneale Netzpositionierung als Augmentation erfolgreich umgesetzt werden. Durch die Netzposition entsteht eine natürliche Fixation des Netzes, einerseits durch den intraabdominellen Druck, anderseits durch den Verschluss der Muskulatur und Faszie über dem Netz als entsprechendes Widerlager. Dies macht die Fixation an knöchernen Strukturen mittels Tacks oder Knochenanker überflüssig, wodurch dem Patienten fixationsassozierte, akute und chronische Schmerzen sowie mögliche Entzündungen, z.B. die Ostiitis pubis, erspart bleiben können.

Schlussfolgerung: Die präperitoneale Netzpositionierung ist in unserer Klinik bei der Versorgung von Flankenhernien das Verfahren der Wahl. Sie ermöglicht eine ausreichende Netzunterfütterung über den Defekt und seine knöchernen Begrenzungen hinaus, so dass die Prinzipien der offenen, extraperitonealen Netzaugmentation berücksichtigt werden können.