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129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

24.04. - 27.04.2012, Berlin

Interdisziplinäre Versorgung des Bauchtraumas beim Polytrauma

Meeting Abstract

  • Joachim Zaage - BG-Kliniken Bergmannstrost, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Halle
  • Nadja Weigert - BG-Kliniken Bergmannstrost, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Halle
  • Ivan Marintschev - BG-Kliniken Bergmannstrost, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Halle
  • Friederike Kortüm - BG-Kliniken Bergmannstrost, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Halle

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 129. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 24.-27.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgch082

DOI: 10.3205/12dgch082, URN: urn:nbn:de:0183-12dgch0825

Published: April 23, 2012

© 2012 Zaage et al.
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Einleitung: Ein komplexes Abdominaltrauma ist meist mit anderen Verletzungen kombiniert, oft im Rahmen eines Polytraumas. Um einerseits das Gesamtverletzungsausmaß und damit die Gefährdungskategorie und andererseits die bedrohlichsten Einzelverletzungen möglichst schnell zu erfassen, ist zunächst eine rationelle Diagnostik unerlässlich. Bei den paraklinischen Untersuchungsmethoden unterschieden wir bisher zwischen Basisdiagnostik und erweiterter Diagnostik. Zur Basisdiagnostik gehörten bei uns Sonographie, Laboruntersuchungen und Nativ- Röntgenuntersuchungen. Die Computertomographie gehörte bisher zur erweiterten Diagnostik. Durch Installation eines 32- Zeilen-Multislice-CT-Gerätes in den Schockraum ist die Untersuchungszeit mit ca. 2 Minuten so kurz, dass die sogenannte „Trauma- Spirale“ bei uns zur Basisdiagnostik aufgerückt ist. Die durchschnittliche Schockraumverweildauer beträgt so nur noch 27 Minuten.

Material und Methoden: Einer unserer wichtigsten Entscheidungsalgorithmen zur Operationsindikation beruht auf der Menge freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Sonographie, CT) und der Stabilität der Herz- Kreislauf- Situation. Finden wir bei einem Patienten viel freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle bei instabiler Hämodynamik - so laparotomieren wir sofort. Andernfalls erweitern wir die Diagnostik und gehen in die Verlaufskontrolle. Eine definitive operative Versorgung erfolgt nur beim kreislaufstabilen Patienten, ansonsten verfolgen wir - im Gegensatz zur früheren „initialen Totalversorgung“ - das Prinzip „Damage Control“ mit Blutungskontrolle, Verschluss von Hohlorganläsionen (ohne Passagewiederherstellung und ohne Ableitung!), Dekontamination, “packing“ des Abdomens, provisorischem Wundverschluss, Stabilisierung auf der Intensivtherapie- Station und definitiver Versorgung erst im Rahmen einer geplanten Relaparotomie. Die Koordination der Behandlungsabläufe übernimmt der Traumaleader. Bei uns ist das der Unfallchirurg, im Ausnahmefall auch einmal der Allgemein- bzw. Viszeralchirurg mit unfallchirurgischer Erfahrung.

Ergebnisse: Von März 1996 bis Dezember 2009 haben wir nach diesem Prinzip 956 Patienten behandelt. Der durchschnittliche ISS betrug 34,5 bei einer Letalität von 10,3%. Durch Sonographie und Computertomographie als Eingangsuntersuchung lässt sich unter Beachtung der Kreislaufsituation bei komplexer Abdominalverletzung innerhalb von wenigen Minuten die Operationsindikation stellen.

Schlussfolgerung: Eine definitive Versorgung sollte nur beim kreislaufstabilen Patienten erfolgen, ansonsten ist nach unseren Ergebnissen das Prinzip der „Damage Control“ auch beim schweren stumpfen Bauchtrauma zu empfehlen.