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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Toxizitätsprofil der neoadjuvanten multimodalen Therapie des lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinoms – Auswirkungen einer prätherapeutischen Stomaanlage

Meeting Abstract

  • Lena-Christin Conradi - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Göttingen
  • Hendrik A Wolff - Universitätsmedizin Göttingen, Strahlentherapie und Radioonkologie, Göttingen
  • Markus Schirmer - Universitätsmedizin Göttingen, Klinische Pharmakologie, Göttingen
  • Tim Beissbarth - Universitätsmedizin Göttingen, Medizinische Statistik, Göttingen
  • Klaus Jung - Universitätsmedizin Göttingen, Medizinische Statistik, Göttingen
  • Thilo Sprenger - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Göttingen
  • Kia Homayounfar - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Göttingen
  • Heinz Becker - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Göttingen
  • Hans Christiansen - Universitätsmedizin Göttingen, Strahlentherapie und Radioonkologie, Göttingen
  • Torsten Liersch - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Göttingen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch777

DOI: 10.3205/11dgch777, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7775

Published: May 20, 2011

© 2011 Conradi et al.
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Text

Einleitung: Ein (sub)total stenosierendes Tumorwachstum lokal fortgeschrittener Rektumkarzinome bei Diagnosestellung führt häufig dazu, dass Patienten bei (Sub)Ileus-Symptomatik nicht einer neoadjuvanten multimodalen Therapie zugeführt, sondern primär operiert werden. Auch die Entwicklung einer (Sub)Ileus-Symptomatik durch eine Radiochemotherapie-induzierten Tumorschwellung zu Beginn der Therapie stellt ein relavantes Problem in der Durchführung multimodaler Therapiekonzepte dar.

frühzeitige Indikation zur Stuhldeviation kann die gefürchtete Stenose-bedingte Tumorperforation verhindern. Die Auswirkung des Stomas auf die Therapie-assoziierte Toxizität ist dabei unklar und sollte mit dieser Analyse untersucht werden.

Material und Methoden: 196 Patienten mit einem cUICC-II/-III-Karzinom wurden in Studien der German Rectal-Cancer-Study-Group mit einer neoadjuvanten Radiochemotherapie (RCT) (50,4Gy+5-FU n=115; 50,4Gy+5-FU+Oxaliplatin n=81) gefolgt von qualitätskontrollierter Rektumresektion mit totaler mesorektaler Exzision (TME) behandelt. Die Indikation zur Stuhldeviation wurde bei zu erwartender Stenosierung frühzeitig im interdiziplinären GI-Tumorboard gestellt. 20,9% der Patienten (n=41) erhielten ein prätherapeutisches Stoma. Die Akuttoxizität unter der Therapie wurde kontinuierlich erfasst.

Ergebnisse: Nach großzügiger Indikationsstellung zur Stomaanlage konnten im untersuchten Patientenkollektiv folgende Raten komplett applizierter multimodaler Therapie erzielt werden: Unter Standrad-RCT konnte die Strahlendosis von 50,4Gy in 99% appliziert werden, die 5-FU-Gaben in 96% der Fälle. Die geplante Radiatio in Kombination mit 5-FU und Oxaliplatin konnte bei 95% der Patienten wie vorgesehen gegeben werden, die Kombinationschemotherapie bei 84% der Patienten.

Die Rate an kompletten Tumorremissionen lag bei 13,6% (n=11; 5-FU+Oxaliplatin) bzw. 11.3% (n=13; 5-FU). Unter der Therapie mit 5-FU und Oxaliplatin wurde eine etwas erhöhte Akuttoxizitätsrate im Vergleich zu Patienten unter 5-FU (p=0.009) beobachtet. Während jedoch Patienten mit einem prätherapeutisch angelegten Stoma (n=41; 20,9%) keine erhöhten Toxizitätsraten zeigten (12% vs. 14%), konnten Frauen mit einem vergleichsweise niedrigen BMI (<22kg/m2) als Risikogruppe für das Auftreten akuter Organtoxizitäten identifiziert werden (p=0.001).

Schlussfolgerung: Die durchgeführte Analyse zeigt, dass Patienten mit einem hohen Risiko für einen (Sub-)Ileus unter der präoperativen RCT durch die Stomaanlage in einem multimodalen Konzept therapiert werden können und dabei keine erhöhten Toxizitätsraten zeigen.