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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Welche Faktoren beeinflussen die postoperative Liegezeit in der elektiven kolorektalen Chirurgie – Eine prospektive Analyse

Meeting Abstract

  • Bernhard W. Renz - Klinikum der Universität München-Campus Grosshadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, München
  • Steffi Knorpp - Klinikum der Universität München-Campus Grosshadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, München
  • Michael Simon Kasparek - Ludwig-Maximilians Universität München, Chirurgische Klinik und Poliklinik Großhadern, München
  • Karl-Walter Jauch - Universitätsklinikum der LMU München-Großhadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, München
  • Martin E. Kreis - Klinikum der Universität München-Campus Grosshadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, München
  • Mario H. Müller - Klinikum der Universität München-Campus Grosshadern, Chirurgische Klinik und Poliklinik, München

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch776

DOI: 10.3205/11dgch776, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7761

Published: May 20, 2011

© 2011 Renz et al.
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Einleitung: Durch ein umfassenderes Verständnis der postoperativ-physiologischen Vorgänge in den letzten Jahren wurde es möglich die Rekonvaleszenz nach operativen Eingriffen zu verkürzen. Ziel der vorliegenden prospektiven Verlaufsbeobachtung war die Bestimmung von Faktoren, welche die Rekonvaleszenz und damit konsekutiv die postoperative Liegezeit bei Patienten nach kolorektal-chirugischen Eingriffen beeinflussen.

Material und Methoden: In dieser Studie wurden bei 55 Patienten mit elektiven kolorektalen Eingriffen prospektiv Daten über sechs Monate erhoben. Als Grenzverweildauer wurden 15 Tage festgelegt. Anhand der Grenzverweildauer wurden die Patienten in eine Gruppe mit einer regulären postoperativen Aufenthaltsdauer (RLHS) und eine Gruppe mit verlängerter Aufenthaltsdauer (PLHS) eingeteilt. Es wurden bei allen Patienten 122 Einzelparameter analysiert und ihr prädiktiver Charakter für die postoperative Liegezeit untersucht. Zur Risikoanalyse wurden univariate Modelle verwendet.

Ergebnisse: Eine Verzögerung der Entlassung aus organisatorischen und sozialen Gründen führte zu einem signifikant längeren Krankenhausaufenthalt (P=0.010), in der RLHS Gruppe, jedoch nicht in der PLHS Gruppe. In beiden Gruppen hatte kein präoperativ erfasster Parameter eine Verlängerung der Verweildauer zur Folge. Bei den intraoperativ erhobenen Daten war ein Blutverlust von mehr als 500ml bzw. die Bluttransfusion (P=0.034), eine Noradrenalininfusionsrate von mehr als 0.5mg/h (P<0.001) und die Einlage von mehr als einer Drainage (P=0.035) signifikant häufiger in der PHLS Gruppe anzutreffen. Postoperative Komplikationen mit chirurgischem Interventionsbedarf waren ebenfalls mit einem verzögertem Entlasszeitpunkt assoziiert (P<0.001). Bei den chirurgisch nicht interventionsbedürftigen Komplikationen war ein verzögerter Kostaufbau häufiger in der PHLS- Gruppe zu finden.

Schlussfolgerung: Patienten spezifische Daten wie Komorbidität und Alter scheinen auf die postoperative Krankenhausverweildauer keinen Einfluss zu haben. Sozialfaktoren führen zu einer unnötigen Verlängerung der Liegezeit. Intraoperative Blutungskomplikationen und chirurgische Komplikationen führen jedoch zu einer signifikant längeren Liegezeit und verhindern somit die Durchführung von Fast-Track-Rehabilitationskonzepten. Weitere Anstrengungen sollten daher unternommen werden, um chirurgische Komplikationen und organisatorische Abläufe in der kolorektalen Chirurgie zu verbessern.