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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Diabetes-Modell im Schwein durch Pankreatektomie und stabile Langzeitführung der diabetischen Stoffwechsellage mit Insulinpumpe/-sensor

Meeting Abstract

  • Stefan Ludwig - Universitätsklinikum Dresden, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Dresden
  • Dierk Schreiter - linik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum C.G. Carus, Chirurgische Intensivstation, Dresden
  • Anja Steffen - Universitätsklinikum Dresden, Medizinische Klinik III, Dresden
  • Hans-Detlev Saeger - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Dresden

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch024

DOI: 10.3205/11dgch024, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch0247

Published: May 20, 2011

© 2011 Ludwig et al.
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Einleitung: Die Verfügbarkeit eines zuverlässigen Diabetesmodells im Großtier ist eine entscheidende Voraussetzung für die Durchführung präklinischer Transplantationsstudien. Das vorliegende Modell wurde in Vorbereitung auf die subkutane Implantation von makroenkapsulierten Pankreasinseln etabliert.

Material und Methoden: An 3 Göttinger Minischweinen (25kg) wurde in Intubationsnarkose über eine Medianlaparotomie eine totale Pankreatektomie durchgeführt. Der Pankreasschwanz wurde vom Querkolon scharf abgetrennt und bis zur Mittellinie retroperitoneal freigelegt. Der Pankreaskopf wurde vom Duodenum getrennt, wobei die Erhaltung der A. pancreaticoduodenalis essentiell ist. Der Pankreasgang wurde präpariert und durchtrennt. Eine Rekonstruktion des Hauptgallenganges ist aufgrund der Anatomie des Schweins nicht erforderlich. Das Duodenum, welches im Rahmen der Präparation vollständig ausgelöst wird, erfordert zwingend eine Pexie am Retroperitoneum zur Vermeidung innerer Hernien.

Zur Blutentnahme erfolgte die offen chirurgische Anlage eines getunnelten 3-lumigen zentralen Venenkatheters in die Vena jugularis interna.

Zur postoperative Evaluation der diabetischen Stoffwechsellage wurden engmaschige Blutzucker/-Ketonkörpermessungen durchgeführt. Am 5. postoperativen Tag erfolgte ein intravenöser Glukosetoleranztest (IVGTT) mit Bestimmung von Blutglukose, Insulin und C-Peptid.

Bereits perioperativ wurden die Minischweine mit einer subkutanen Insulinpumpe sowie einem Glukose-Sensor versorgt.

Ergebnisse: Unter suffizienter Analgesie, Volumengabe und Antibiotika-Prophylaxe erholten sich die Tiere problemlos vom perioperativen Stress. Unmittelbar nach Beendigung des Eingriffs zeigten die Tiere steigende Blutzuckerwerte, die unter schrittweiser Anpassung der subkutanen Insulintherapie kontrolliert werden konnten. Im durchgeführten Glukosetoleranztest zeigte sich ein negatives C-Peptid als Indikator für die komplette Resektion und eine daraus resultierende vollständige Insulindefizienz.

Die exokrine Pankreasinsuffizienz ist bei der Fütterung mit fettarmer pelletierter Nahrung nicht relevant.

Die Insulintherapie konnte durch Anpassung der Basalrate und nahrungsbezogener Bolusgaben stabilisert werden. Im postoperativen Verlauf von 15, 7 und 6 Wochen kam es zu keinerlei relevanten infektiösen oder metabolischen Komplikationen.

Schlussfolgerung: Die chirurgische Pankreatektomie stellt eine zuverlässige Methode zur Induktion eines Diabetes mellitus dar. Der Eingriff ist technisch gut und reproduzierbar durchführbar und resultiert in einer stabilen diabetischen Stoffwechsellage. Unter Verwendung von Glukosesensor und Insulinpumpe können die diabetischen Tiere auch über einen längeren Zeitraum vorgehalten werden.