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127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

20.04. - 23.04.2010, Berlin

Das Schicksal des Sphinkters beim tiefen Rektumkarzinom

Meeting Abstract

  • Michel Adamina - Kantonsspital St.Gallen, Klinik für Chirurgie, St.Gallen, Schweiz
  • Jonah Stulberg - University Hospitals Case Medical Center, Division of Colorectal Surgery, Cleveland, OH, USA
  • Murray Krahn - Toronto General Hospital, Toronto Health Economics and Technology Assessment Collaborative, Toronto, USA
  • Bradley Champagne - University Hospitals Case Medical Center, Division of Colorectal Surgery, Cleveland, OH, USA
  • Conor Delaney - Kantonsspital St.Gallen, Klinik für Chirurgie, St.Gallen, Deutschland
  • Jochen Lange - Kantonsspital St.Gallen, Klinik für Chirurgie, St.Gallen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 20.-23.04.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgch297

DOI: 10.3205/10dgch297, URN: urn:nbn:de:0183-10dgch2973

Published: May 17, 2010

© 2010 Adamina et al.
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Einleitung: Die Vermeidung einer permanenten Kolostomie ist ein Hauptziel der Rektumchirurgie. Die intersphinktere Rektumresektion (ISR) bietet eine sphinktererhaltende Alternative gegenüber der abdominoperinealen Rektumextirpation (APE) für tiefliegende Karzinome des unteren Drittels. Bedenken über schlechtere onkologische Ergebnisse und Einbüsse in der Analkontinenz haben die Anwendung der ISR eingeschränkt. Bei fehlenden randomisierten Studien kann eine Entscheidungsanalyse die Verfahrenswahl unterstützen.

Material und Methoden: Ein Markov Modell wurde mit Daten aus dem Swedish Rectal Cancer Registry und aus einer systematischen Literaturübersicht (1990-2009) validiert. Morbidität, Letalität, Tumorprogression, Kontinenz und Lebensqualität wurden während 35 Jahren modelliert. Die Lebensqualität wurde mit QUALY (quality-adjusted life years) gemessen. Sämtliche Modellparameter wurden auf ihren Einfluss auf der Verfahrenswahl geprüft. Hauptendpunkte waren die nach Lebensqualität angeglichene Lebenserwartung und das Gesamtüberleben der Patienten nach APE und ISR.

Ergebnisse: ISR war das Verfahren der Wahl mit einem Gewinn von 1.36 QALY (ISR 8.90 QALY Vs APE 7.55 QALY) bei vergleichbarem 5-Jahr Ueberleben (ISR 70.1% Vs APE 69.4%, TNM Stadium II). Der Vorrang von ISR blieb für TNM Stadien I und III erhalten. Die APE wurde erst bevorzugt, wenn die Letalität nach ISR über 11% stieg oder die Morbidität mehr als 67% betrug, sowie wenn das Risiko einer Fernmetastasierung oder eines Lokalrezidivs über 60%, bzw. über 94% anstieg. Die Gefahr einer Inkontinenz nach ISR spielte eine geringe Rolle gegenüber der negativen Einschätzung über eine permanente Kolostomie, welche den grössten Einfluss auf die Verfahrenswahl hatte.

Schlussfolgerung: Aus der Patientensicht ist die ISR die bevorzügte Operation für ein tief liegendes Rektumkarzinom, wenn der Eingriff sicher und onkologisch machbar ist.