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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Transplantation von Nieren anti-HCV positiver Organspender – ein Weg zur Erweiterung des Organspenderpools?

Meeting Abstract

  • corresponding author K.M. Nowak - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
  • A. Paul - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
  • O. Witzke - Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten
  • F. Pietruck - Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten
  • M. Fiedler - Institut für Virologie
  • J. Treckmann - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11236

DOI: 10.3205/09dgch611, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch6118

Published: April 23, 2009

© 2009 Nowak et al.
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Einleitung: Eine Strategie zur Erweiterung des Spenderpools ist die Transplantation von Nieren von Spendern mit chronischen Infektionskrankheiten, wie der Hepatitis C. Bei circa 5% der Organspender in Europa findet sich im Screening ein positiver HCV-AK Suchtest. Nur wenige Zentren in der Eurotransplant Region haben in ihrem Zentrumsprofil die Akzeptanz anti- HCV positiver Organe eingeschlossen. Das Outcome von Empfängern nachTransplantation von HCV-AK positiven Organen ist Gegenstand dieser Studie.

Material und Methoden: Zwischen September 2002 und Mai 2007 wurden 50 Empfänger (25 weiblich, 25 männlich) mit Organen von 34 HCV-AK positiven postmortalen Organspendern jeweils nach Aufklärung und schriftlicher Einwilligung transplantiert. Serumproben der Organspender wurden einer differenzierten Diagnostik der Hepatitis C zugeführt. Es wurde der DDS für jedes Organ berechnet, um darzustellen ob es sich um marginale Organspender handelt.28 Empfänger hatten eine chronische Hepatitis C-Infektion, 22 Empfänger hatten keine Infektion. 21 der 22 HCV-AK negativen Empfänger wurden mit HCV-AK positiven Nieren transplantiert, wenn sich keine Virus-RNA imSpenderserum nachweisen ließ. Ein Empfänger wurde mit einer Niere transplantiert, in deren Spenderserum sich Virus-RNA nachweisen ließ. Daten zur Nierenfunktion, zur Leberfunktion sowie zum Auftreten bzw. zum Verlauf der Hepatitis C wurden analysiert.

Ergebnisse: Bei der Test-Wiederholung der Organspenderseren mittels PCR zeigten nur 29% der Spender einen positiven Test für HCV-RNA. Das Ein-Jahres-Transplantatüberleben betrug 90%, das Ein-Jahres-Patientenüberleben betrug 96%. Ein Patient (zum Zeitpunkt der Transplantation 70 Jahre alt) zeigte eine Neuinfektionmit Hepatitis C bei exzellenter Nierenfunktion (Spender 23 Jahre) ohne Verschlechterung der Leberfunktion. Dieübrigen 21 Empfänger zeigten keine Serokonversion. Die Empfänger mit einer chronischen Hepatitis C hatten eine deutliche Verkürzung der Wartezeit (36,09 vs. 63,27 Monate, p < 0,05). Eine weitere deutliche Verkürzung der Wartezeit ist möglich. 35 Organe gehören zu den DDS Kategorien A und B und sind als besonders gute Transplantate einzustufen.

Schlussfolgerung: Die Akzeptanz von HCV-AK positiven Nieren erweitert den Organspenderpool und ist sicher für Empfänger mit chronischer Hepatitis C bei deutlicher Verkürzung der Wartezeit. Auch Empfänger ohne Hepatitis C können mit im Screening HCV-AK positiven Organen sicher transplantiert werden, wenn sich keine RNA nachweisen lässt. In selektionierten Fällen kann die bewusste Infektion des Empfängers mit einer Hepatitis C diskutiert werden.Besonders in den DDS Kategorien von nicht marginalen Organspendern ist die differenzierte Hepatitis C Diagnostik ein wichtiges diagnostisches Werkzeug, welches die Transplantationsentscheidung beeinflusst.