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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Ganzkörper-Computertomographie in der Polytraumaversorgung – positiver Effekt auf das Überleben?

Meeting Abstract

  • corresponding author S. Huber-Wagner - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik, Campus Innenstadt
  • R. Lefering - IFOM – Institut für Forschung in der operativen Medizin, Universität Witten/Herdecke, Köln
  • M. Qvick - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik, Campus Innenstadt
  • M. Körner - Klinikum der Universität München, Insititut für Klinische Radiologie, Campus Innenstadt
  • K.-J. Pfeifer - Klinikum der Universität München, Insititut für Klinische Radiologie, Campus Innenstadt
  • M. Reiser - Klinikum der Universität München, Insititut für Klinische Radiologie, Campus Innenstadt
  • W. Mutschler - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik, Campus Innenstadt
  • K.-G. Kanz - Klinikum der Universität München, Chirurgische Klinik, Campus Innenstadt

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11183

DOI: 10.3205/09dgch401, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch4018

Published: April 23, 2009

© 2009 Huber-Wagner et al.
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Einleitung: Im Rahmen der Polytraumaversorgung wird zunehmend die Ganzkörper-Computertomographie (GKCT) mittels Mehrschicht-CT (MSCT) für die initiale Schockraumdiagnostik eingesetzt. Die GKCT zeigt deutliche Vorteile gegenüber der konventionellen Radiographie und anschliessender selektiver Organ-Computertomographie in Bezug auf den Zeitverlauf und die sichere Erkennung von Verletzungen. Ein Nachweis, ob der Einsatz des GKCT in der primären Schockraumdiagnostik einen Effekt auf das Outcome hat, liegt bisher nicht vor.

Material und Methoden: Grundlage der Auswertung bildete das Traumaregister der DGU (2002–2004). Einschlusskriterien für die prospektive Datenanalyse waren stumpfes Trauma, Primärversorgung, ISS ≥ 16 sowie auswertbare Daten in Bezug auf die Durchführung einer Ganzkörpercomputertomographie. Diese Variable wird im Traumaregister seit 2002 erfasst. Die Mortalität, die standardisierte Mortalitätsrate (SMR), der Trauma and Injury Severity Score (TRISS) sowie der Revised Injury Severity Classification Score (RISC) wurden berechnet.

Ergebnisse: Insgesamt erfüllten 4621 Patienten die Einschlusskriterien, bei 32,3% der Patienten (1494/4621) wurde ein GKCT in der initialen Schockraumversorgung durchgeführt. Das mittlere Alter des Gesamtkollektivs betrug 42,6 J ± 20,7, männlich waren 72,8%. 36,9% der Patienten waren primär bewusstlos, 21,0% befanden sich präklinisch im Schock, 15,3% bei Aufnahme im Schockraum. Der mittlere ISS betrug 29,7 ± 13,0, wobei die GKCT-Gruppe mit einem ISS von 32,4 ± 13,6 signifikant schwerer verletzt war als die Nicht-GKCT-Gruppe mit einem ISS 28,4 ± 12,4 (p < 0,001). Die Gesamtmortalitätsrate war in der GKCT-Gruppe mit 20,5% niedriger als die der Nicht-GKCT-Gruppe mit 22,1%. Die standardisierte Mortalitätsrate (beobachtete/erwartete Mortalität) war für den TRISS in der GKCT-Gruppe 0,75 (CI 95% 0,63-0,86) und in der Nicht-GKCT-Gruppe 1,02 (CI 95% 0,91–1,14) und somit für die GKCT-Gruppe signifikant niedriger. Analog dazu war die SMR für den RISC-Score in der GKCT-Gruppe 0,87 (CI 95% 0,77–0,96) und in der Nicht-GKCT-Gruppe 1,03 (CI 95% 0,96–1,11) und somit für die GKCT-Gruppe ebenfalls signifikant geringer. Die mittlere Zeit von Schockraumaufnahme bis zur Durchführung eines GKCT war mit 35,5 min (IQR 25/75: 20–41 Min.) signifikant kürzer als die bis zur Durchführung einer selektiven Organ-Computertomographie 46,6 min (IQR 25/75: 22-58 min)(p<0,001). Logistische Regressionsmodelle unter Einschluss der TRISS bzw. RISC Variablen plus des Parameters „GKCT“ zeigten einen hochsignifikanten, positiven Effekt der GKCT auf das Überleben (p < 0,001). Die zusätzliche multivariate Adjustierung für mögliche Störfaktoren wie Versorgungslevel der Kliniken (I-III), das Jahr (2002–2004) sowie für das einzelne Krankenhaus (möglicher center-effect) bestätigten o.g. Ergebnis (p ≤ 0,003). Die „number needed to scan“ (NNT/NNS) war 17 bzw. 32 basierend auf dem TRISS bzw. dem RISC.

Schlussfolgerung: Der Einsatz der Ganzkörper-Computertomographie in der initialen Schockraumversorgung führt zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit von Schwerverletzten. Dieser Effekt ist in Bezug auf den TRISS mit einer Senkung der absoluten Mortalitätsrate um 5,9% und einer Senkung der relativen Mortalitätsrate von 25% quantifizierbar, beim RISC-Score analog um 3,1% (absolut) bzw. 13% (relativ). Basierend auf den Ergebnissen dieser Untersuchung wird die Durchführung einer GKCT in der Frühphase der Polytraumaversorgung als Standarddiagnostikum empfohlen.