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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Ketogene Diät verlangsamt das Tumorwachstum in Nacktmäusen mit humanen Magenkarzinomen

Meeting Abstract

  • corresponding author B. Illert - Chirurgische Klinik 1 der Universität Würzburg
  • U. Kämmerer - Frauenklinik der Universität Würzburg
  • B. Mühling - Abteilung für Experimentelle Chirurgie der Universität Würzburg
  • A. Thiede - Chirurgische Klinik 1 der Universität Würzburg
  • J. Coy - Tavartis GmbH Würzburg
  • C. Otto - Abteilung für Experimentelle Chirurgie der Universität Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10839

DOI: 10.3205/09dgch349, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch3497

Published: April 23, 2009

© 2009 Illert et al.
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Einleitung: Zu den wesentlichen metabolischen Veränderungen in Krebszellen gehört ein drastischer Anstieg der aeroben Glycolyse. Durch eine extrem kohlenhydratarme und stark fettreiche (ketogene) Diät soll das Wachstum von humanen Tumorzellen in Nacktmäusen verlangsamt werden und somit als therapeutische Option bei Tumorpatienten überprüft werden.

Material und Methoden: 18 Tiere in zwei Gruppen à neun Mäusen wurden untersucht. Tumorwachstum in den Mäusen wurde durch subcutane Injektion der Magenkarzinomzelllinie 23132/87 induziert (je 5x106 Zellen s.c. in beide Flanken). Die ketogene Diät mit einem Energiegehalt von 15,4 kJ/g enthielt 2 g/Kg Kohlenhydrate, 355 g/Kg Fette, 130 g/Kg Protein und 148 g/Kg Ballaststoffe. Das Standardfutter mit einem Energiegehalt von 12,8 kJ/g enthielt 364 g/Kg Kohlenhydrate, 70 g/kg Fette, 238 g/kg Protein und 173g/kg Ballaststoffe. Nach Induktion des Tumorwachstums erfolgte die Randomisierung der Tiere in die Verum- oder Kontrollgruppe. Futter stand für alle Tiere ad libitum zur Verfügung.

Ergebnisse: Beide Diäten wurden von den Tieren problemlos angenommen. Die Körpergewichte der Tiere in beiden Gruppen zeigte keine signifikanten Unterschiede: Das Ausgangsgewicht in der Verumgruppe betrug 29 ± 1,8g (Endgewicht 28,9 ± 1,8g) und bei den Tieren der Kontrollgruppe 29,6 ± 1,1g zu Beginn und 29,5 ± 0,9g am Ende des Experiments. Die Plasmaglucosespiegel wurden durch die Diät nicht signifikant beeinflusst (6,3 ± 3,9 mmol/l in der Verumgruppe versus 5,1 ± 2,7 mmol/L in der Kontrollgruppe). Im Gegensatz dazu waren die Spiegel von β-hydroxybutryrat im Blut in der Verumgruppe doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe (1,3 ± 0,5 mmol/l versus 0,6 ± 0,1 mmol/l; p < 0,001). Die Tiere in der Kontrollguppe erreichten das Tumorzielvolumen von 600 mm3 in 23,3 ± 4,2 Tagen (2/9 Tieren in den Tagen 16–20, 7/9 Tieren in den Tagen 21–28), während die Tiere der Verumgruppe das Tumorzielvolumen erst nach 33,3 ± 7,8 Tagen erreichten (3/9 Tieren in den Tagen 20–27, 6/9 Tieren in den Tagen 33–44; p=0,021).

Schlussfolgerung: Die ketogene Diät führte zu einer deutlichen Verlangsamung des Tumorwachstums durch Reduktion der Plasmaglucosespiegel und Anstieg von Ketonkörpern. Diese Form der antitumorösen Diät kann möglicherweise durch simultane Applikation von Inhibitoren der Glykolyse und des Pentosephosphatweges noch gesteigert werden und als therapeutische Option bei Tumorpatienten genutzt werden.