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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Frei flottierender Cavathrombus bei septischer Ovarialvenenthrombose

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Kühnl - Klinik für Gefäßchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • A. Assadian - Klinik für Gefäßchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • C. Reeps - Klinik für Gefäßchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • K.T.M. Schneider - Frauenklinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • M. Stangl - Chirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • H. Berger - Abteilung Interventionelle Radiologie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland
  • H.-H. Eckstein - Klinik für Gefäßchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11377

DOI: 10.3205/09dgch212, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch2129

Published: April 23, 2009

© 2009 Kühnl et al.
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Text

Einleitung: Ovarialvenenthrombosen treten bei zirka 1–2% der Kaiserschnittgeburten auf. Als Ursache wird neben der schwangerschaftsbedingten, thrombophilen Gerinnungssituation die akute Strömungsverlangsamung in den Ovarialvenen unmittelbar nach Geburt angesehen. Eine Ausdehnung des Thrombus in die Vena cava oder eine Lungenembolie treten in oben genanntem Patientengut in zirka 13% auf.

Fallbericht: Eine 37-jährige Frau (Gravida 2, Para 1) mit Geminischwangerschaft wurde aufgrund vorzeitiger Wehen eingewiesen. Es erfolgte zunächst eine Tokolyse, jedoch musste in der 34. SSW aufgrund einer Amnionhöhleninfektion eine Sectio notfallmäßig durchgeführt werden. Am vierten postpartalen Tag kam es bei initial unauffälligem Wochenbettverlauf zu rechtsseitigen Unterbauchschmerzen begleitet von hohem Fieber. Das umgehend durchgeführte CT zeigte keine relevanten Pathologien. Bei Persistenz der Beschwerden wurde nach 3 Tagen erneut ein CT durchgeführt, das eine rechtsseitige Ovarialvenenthrombose ohne cavale Beteiligung zeigte. Eine kalkulierte antibiotische Therapie begleitet von einer Vollheparinisierung führte zu einer schnellen Beschwerdebesserung. Nach 3 Tagen erfolgte eine duplexsonographische Kontrolle, die einen langgestreckten, schwanzförmigen, frei flottierenden Thrombus in der Vena cava zeigte. Der Thrombus haftete lediglich an der Einmündungsstelle der rechten Ovarialvene und dehnte sich cranial bis zur Einmündung der Lebervenen aus. Sein Durchmesser betrug auf Höhe der Nierenvenen 10 mm. Aufgrund der sehr langgestreckten Form des Thrombus und der nur kleinen Anhaftungsfläche wurde die Indikation zur operativen Thrombektomie gestellt. Der Zugang erfolgte über eine mediane Laparotomie gefolgt von einer Abpräparation der Leber vom Zwerchfell und Klemmung der Vena cava inferior. Der Thrombus konnte problemlos und rasch über eine Inzision der Vena cava inferior zwischen rechter Nieren- und Ovarialvene geborgen werden. In der postoperativen CT-Untersuchung zeigte sich lediglich der Verdacht auf eine kleine Lungenembolie einer Subsegmentarterie.

Ergebnisse: Die Patientin erholte sich rasch von der Operation und konnte am zehnten postoperativen Tag nach Hause entlassen werden. Nach Ausschluss einer Thrombophilie wurde eine orale Antikoagulation für sechs Monate empfohlen. Im Follow-up ging es Mutter und Kind sehr gut.

Schlussfolgerung: Eine Ovarialvenenthrombose mit Ausdehnung bis auf Höhe der Lebervenenmündung ist eine extrem seltene Komplikation nach Sectio. Das Auftreten von rechtsseitigen Unterbauchschmerzen und Fieber im Wochenbett sollte den Verdacht auf eine Ovarialvenenthrombose lenken. Im vorliegenden Fall hat sich der Cavathrombus entweder unter voller Antikoaglulation innerhalb von drei Tagen entwickelt oder ist der initialen CT Diagnostik entgangen. Deshalb ist die Duplexsonographie begleitend zur, oder in Anbetracht der Strahlenbelastung, anstelle der CT Diagnostik stets sinnvoll und empfehlenswert.