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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Management der Geweberegeneration als Kernkompetenz Chirurgischer Wundbehandlung

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10847

DOI: 10.3205/09dgch067, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch0679

Published: April 23, 2009

© 2009 Pourhassan.
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Einleitung: Schwer und sekundär heilende Wunden sind gekennzeichnet durch einen gestörten Ablauf der Wundheilung. Diese Wunden verbleiben meistens in der inflammatorischen Phase und das Mikromilieu zeichnet sich aus durch geringe Konzentrationen an aktiven Wachstumsfaktoren, einem hohen Gehalt an Proteasen, einem hohen Anteil von pro-inflammatorischen Zytokinen und durch eine erhöhte bakterielle Kontamination, die zusätzlich zu einer Verstärkung des inflammatorischen Wundstatus führt. Zu den schwer heilenden Wunden gehören neben der arteriellen Gangrän und dem diabetischen Fußsyndrom venöse Ulzera, gemischt venös-arterielle Ulzera, sowie traumatische und sekundär heilende chirurgische Wunden. Die neuesten, von der Wound Healing Society weltweit empfohlenen Richtlinien zur Behandlung von chronischen Wunden basieren auf einer Anwendung der feuchten Wundversorgung und der Konzepte TIME und Wound Bed Preparation WBP. Das Ziel von WBP ist die Bildung eines qualitativ hochwertigen Granulationsgewebes als Basis für einen vollständigen Wundverschluss durch Berücksichtigung aller, die Wundheilung hemmenden, Faktoren. Es umfasst Debridement, Herstellung eines bakteriellen Gleichgewichtes und die angemessene Behandlung des Wundexudats.

Material und Methoden: Im Rahmen einer multizentrischen Anwendungsbeobachtung (11/2007–01/2008) wurde das Zielkonzept Clean & Close als Therapie für die Behandlung von 76 Patienten mit chronischen Wunden, davon 42 venöse Ulzera, 20 venös-arterielle Ulzera und 14 sekundär heilende Wunden, über einen Zeitraum von 6 Wochen in 10 verschiedenen chirurgischen Praxen angewendet. Die Reduktion des inflammatorischen Wundstatus und die Qualität des neu gebildeten Gewebes galten als Untersuchungskriterien zur Bewertung des Therapieerfolgs. Der Wundstatus und die Qualität des Granulationsgewebes wurden durch Anwendung des Wollina et al (2005) Scores bestimmt. Alle Ergebnisse wurden in detaillierter Form dokumentiert.

Ergebnisse: Bereits in den ersten vier Wochen der Therapie mit dem Zielkonzept Clean & Close zeigte sich eine deutliche Verbesserung des Wundstatus, mit Reduktion der Wundfläche und Bildung von neuem, qualitativ hochwertigem Granulationsgewebe in allen 76 Wunden. Bei den 42 venösen Ulzerationen zeigt das Granulationsgewebe eine hohe belastbare Qualität, geeignet für die anschließende plastische Deckung. Die Ergebnisse wurden untermauert durch eindrucksvolle klinische Bilder. Die Clean & Close Therapie wurde von allen teilnehmenden Ärzten als wirksam und weiter empfehlenswert bewertet. Außerdem beurteilten die Patienten selbst ihre Lebensqualität als überdurchschnittlich besser.

Schlussfolgerung: Chronische Wunden beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten. Das Clean & Close Konzept stellt das Gleichgewicht im Wundmilieu wiederher. Es verbesserte die Qualität des neugebildeten Gewebes durch Kontrolle der Proteasen und Modulation der Entzündungsreaktion. Die Behandlung chronischer Wunden stellt eine chirurgische Kernkompetenz dar.