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30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012)

11.01. - 14.01.2012, Nassfeld, Österreich

Wundbehandlung bei Verbrennungen mit Polyhexanid-Creme 0,1% und ihre Bedeutung für die Wundheilung – Zwischenergebnisse einer klinischen prospektiven Studie

Meeting Abstract

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  • corresponding author E. Sarantopoulos - Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Offenbach
  • T. Pierson - Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Offenbach
  • H. Menke - Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Offenbach

Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. 30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012). Nassfeld, Österreich, 11.-14.01.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dav80

DOI: 10.3205/12dav80, URN: urn:nbn:de:0183-12dav808

Published: August 7, 2012

© 2012 Sarantopoulos et al.
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Einleitung: Lokale Antiseptika sind integraler Bestandteil der Oberflächenbehandlung von Verbrennungsverletzungen, wobei neben der Elimination pathogener Keime auf den Wundflächen die Reepithelisierungsrate ein entscheidender Faktor ist. Bereits in der Vergangenheit haben wir durch eine retrospektive Studie die Veränderung des Keimspektrums der Wundflächen bei Schwerbrandverletzten Patienten nach der Umstellung von Silber-Sulfadiazin-Creme (Flammazine®) auf Polyhexanid (Lavasept®-Creme) untersucht. Nachdem sich in den ersten beiden Abstrichen eine signifikant höhere Rate an sterilen Abstrichen in der Polyhexanid-Gruppe fand, stellten wir im weiteren Verlauf eine Selektion seltener Bakterienspezies, wie z.B. Stenotrophomonas, Serratia und Proteus, sowie eine deutlich erhöhten Rate an Pilzbesiedlungen auf den Wundflächen fest. Je höher die Zahl der krankmachenden Keime in der Wunde sind und je virulenter die Keime sind, desto größer ist die Gefahr einer Infektion. Polyhexanid-Creme hat sich in der Behandlung der Verbrennungswunden bewährt, jedoch halten wir es nur in den ersten sieben Tagen für uneingeschränkt empfehlenswert. Seit Oktober 2010 haben wir Polyhexanid-Konzentration in der Creme verändert (von 0,04% auf 0,1%), um eine bessere Keimeliminierung zu erreichen. Die Hypothese der aktuellen Studie war, dass hierdurch eine bessere und langfristigere Keimelimination zu erreichen ist.

Patienten undMethoden: Die Evaluation der Wirkung von Polyhexanid-Creme erfolgt durch Auswertung der Abstrichergebnisse. Mikrobiologische Abstriche der Wundflächen erfolgen bei Aufnahme des Patienten und nach Abschluss der Wundbehandlung mit Polyhexanid-Creme (Zeit 1–3–7 d). Die Einschlusskriterien der Vorgängerstudie wurden nicht verändert, so dass die Ausgangsbedingungen vergleichbar blieben. Hierzu zählen ein ABSI-Score (Abreviated Burn Severity Index) von mindestens 8 und Verbrennungswunden der Grade II-III von mindestens 20% der Körperoberfläche sowie die primäre Wundversorgung in unserem Zentrum für Schwerbrandverletzte. Alle Patienten werden ein

durchgehendes Verbandsregime haben, d.h. ein zwischenzeitlicher Wechsel auf ein anderes Oberflächentherapeutikum führt zum Ausschluss des Patienten. Der Aufbau der Verbände erfolgt mit Polyhexanid-Creme 0,1%, drei Lagen Jelonet®-Fettgaze und sterilen, trockenen Kompressen. Der Verbandwechsel wird einmal täglich durchgeführt. Parallel zu der Behandlung mit Polyhexanid-Creme 0,1% werden alle entsprechende operative Versorgungen der Verbrennungswunden durchgeführt.

Ergebnisse: In der Studie konnten in den ersten 12 Monaten 10 Patienten rekrutiert werden, die alle während des stationären Aufenthaltes langzeitig beatmet wurden. Die Liegedauer lag durchschnittlich auf 30 Tagen und die durchschnittliche VKOF war 50%. Die Evaluation der Studie nach 12 Monaten zeigt, dass die Modifikation der Konzentration von Polyhexanid-Creme (von 0,04% auf 0,1%) die komplette Eradikation von seltenen bakteriellen Spezies (z.B. Candida, Aspergillus, Proteus mirabilis, Stenotrophomonas) erreichen konnte. Die modifizierte Konzentration hat bis jetzt keine signifikante Nebenwirkungen gezeigt.

Zusammenfassung: Durch Modifikation der Konzentration von Polyhexanid-Creme (von 0,04% auf 0,1%) wird eine höhere Eradikationsrate im gesamten mikrobiellen Spektrum erzielt. Diese höhere Eradikationsrate im gesamten mikrobiellen Spektrum führt zu einer Minderung der Keimbelastung in den Verbrennungswunden. Die Minderung der Keimbelastung hat als Folge die Vermeidung von Wundinfektionen und die verbesserte Wundheilung. Damit könnte eine Verminderung der Narbenbildung während der Intensivphase erreicht werden.