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30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012)

11.01. - 14.01.2012, Nassfeld, Österreich

Gut versorgt in der Spezialklinik – warum rufen Familien mit brandverletzten Kindern bei Paulinchen an?

Meeting Abstract

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  • corresponding author A. Gottwald - Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V., Segeberger Chaussee 35, 22850 Norderstedt

Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. 30. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2012). Nassfeld, Österreich, 11.-14.01.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dav59

DOI: 10.3205/12dav59, URN: urn:nbn:de:0183-12dav590

Published: August 7, 2012

© 2012 Gottwald.
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Seit 1993 berät Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V. Familien nach thermischen Unfällen ihrer Kinder. Die Beratung ist weitgehend telefonisch, jedoch werden zunehmend auch Anfragen per Email an den Verein gerichtet. Seit 2003 bietet Paulinchen e.V. eine kostenlose Hotline an, die rund um die Uhr erreichbar ist.

Mit welchen Fragestellungen wenden sich Familien mit brandverletzten Kindern an Paulinchen e.V.? Warum rufen die Familien überhaupt an, wo doch die meisten von ihnen gut versorgt im Schwerbrandverletzten Zentrum sind? Kann man aus den Anfragen etwas für die Behandlung, die Versorgungskette und den Follow-Up ablesen?

Familien rufen zu ganz bestimmten Zeitpunkten während der Behandlungsphase gehäuft an, direkt nach dem Unfall, bei Verlegung auf die Normalstation, bei Klinikentlassung, in der Rehabilitationszeit und manchmal noch Jahre nach dem Unfall.

Insgesamt wurden 149 Anrufe aus dem Jahre 2010 ausgewertet, davon waren 51 Erstkontakte und 98 Wiederholungsanrufer. Alle Anrufer waren betroffene Familien, die in Spezialkliniken versorgt wurden und deren Kinder 2010 oder 2009 einen Unfall mit thermischen Verletzungen erlitten hatten.

86% der Erstanrufer sprachen über die Situation (Behandlungsmethode, Kommunikation, Psych. Betreuung) in der Klinik, jedoch nur 19% der Wiederholungsanrufer. Fragen zur Haut- und Narbenpflege waren mit 33% bei beiden Gruppen gleich. 47% der Erstanrufer machten sich Sorgen über eine mögliche Narbenbildung, während das nur bei 23,5% der Wiederholungsanrufer Thema war. Fast 60% der Erstkontakte fragten nach der psychischen Aufarbeitung eines solchen Unfalls durch das verletzte Kind, während das bei nur 20% der Wiederholungsanrufer zur Sprache kam. 18% der Erstanrufer sprachen über Schuldgefühle, während das nur 7% der Wiederholungsanrufer thematisierten. 59% der Erstanrufer und 45% der Wiederholungsanrufer hatten Fragen zur Kompression.

Wenn man sich die Fragestellungen der Eltern genauer ansieht, erkennt man, dass es in jeder Phase nicht nur Anrufe gibt, die aus Mangel an Information entstehen, sondern die sich aus tiefer Verunsicherung der Familien ergeben, z.B. ob sie in der richtigen Klinik sind, wie es weitergehen wird oder wie sie mit dem schwerverletzten Kind umgehen sollen. Daraus lassen sich Engpässe in der Versorgungskette erkennen.

Zu diskutieren ist, was man in der Klinikphase noch verbessern könnte, ob man den Follow-Up anders, vielleicht verbindlicher für die Betroffenen organisieren sollte und ob es sinnvoll wäre, den Eltern bei Klinikentlassung einen möglichst verbindlichen Weiterbehandlungsplan an die Hand zu geben, der ihnen aufzeigt, was alles getan werden muss, um eine bestmögliche Heilung der Verletzung des Kindes zu erreichen.