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29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2011)

12.01. - 15.01.2011, Grindelwald, Schweiz

Ziel- und prozessorientierte Rehabilitation bei Patienten mit Verbrennungen – Schwierigkeiten und Stolpersteine

Meeting Abstract

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  • F. Tschui - Orthopädische und Handchirurgische Rehabilitation, Rehaklinik Bellikon, Bellikon

DAV 2011. 29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Grindelwald, Schweiz, 12.-15.01.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dav66

DOI: 10.3205/11dav66, URN: urn:nbn:de:0183-11dav667

Published: June 21, 2011

© 2011 Tschui.
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Hintergrund: Die Rehaklinik Bellikon hat sich seit mehreren Jahren auf die Rehabilitation Brandverletzter spezialisiert. Sie bietet als eine von wenigen Kliniken in der Schweiz eine kompetente und zielgerichtete Nachbehandlung von schwer brandverletzten Menschen. Die Behandlung der Brandvereltzten wird entsprechend unserem differenzierten Rehabilitationskonzept je nach Art und Schwere der Verbrennungen individuell auf die Patienten abgestimmt. Unser Ziel ist es, dass der Brandverletzte alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die er in seinem persönlichen Umfeld und in seinem beruflichen Alltag braucht, möglichst schnell und umfassend wieder erlangt und bleibende Einschränkungen bestmöglichst kompensieren kann. In der Rehabilitation müssen die Patienten lernen, wieder Eigenverantwortung zu übernehmen, sich auch fremden Menschen zu zeigen und sich aktiv ins Leben zurück zu kämpfen. Die Brandverletzen werden dabei von einem erfahrenen interdisziplinären Team von Ärzten, Wundspezialisten, Physio- und Ergotherapeuten Psychiatern und Sozialberatern unterstützt und begleitet. Unser interdisziplinäres Behandlungsteam hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der ziel- und prozessorientierten Rehabilitation von Patienten mit Verbrennungen sowie den dabei beobachteten Schwierigkeiten und Stolpersteinen auseinander gesetzt. Unsere Prozesse (Behandlungspfade) und Behandlungen wurden entsprechend den Empfehlungen aus aktuellsten Studien und Inputs aus dem persönlichen Austausch mit Experten aus dem In- und Ausland systematisch optimiert und in Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich und der Rehaklinik CRR in Sion differenziert an die Bedürfnisse der Patienten angepasst.

Methoden: Unsere Prozesse setzen auf einen umfassenden und ganzheitlichen Ansatz mit einer zielgerichteten und differenzierten interdisziplinären Zusammenarbeit. In der Rehaklinik Bellikon erhalten die Patienten neben der fachkundigen Behandlung und Anleitung in den Therapien auch Unterstützung bei ihrem Weg zurück in ihr soziales und berufliches Umfeld. Die Schwerpunkte in der Rehabilitation von Verbrennungspatienten wie Patientenisolation aus infektiologischen Gründen, Wundbehandlung und stabile Hautverhältnisse, Narbenbehandlung, Hilfsmittel zur Kompressionsbehandlung, Verbesserung der Gelenksbeweglichkeit und der Mobilität, Verbesserung ADL, Allgemeine physische Belastbarkeitssteigerung, psychologisch-therapeutische Maßnahmen und Organisation Anschlusslösung sind in unserer Prozesslandschaft differenziert ausgearbeitet und dargestellt. Sie gelten als Richtlinie für unsere Maßnahmen und werden von den verschiedenen Berufsgruppen im interdisziplinären Behandlungsteam gezielt und an die jeweilige Patientensituation angepasst umgesetzt. Bei der differenzierten Ausarbeitung unserer Prozesse sind wir auf verschiedene Schlüssel- und Knackpunkte gestoßen, die wir im Rahmen unserer täglichen Arbeit bewältigen müssen und die es im Sinne der Patienten- und Zuweiserzufriedenheit sowie Wirtschaftlichkeit zu optimieren lohnt. Dies gilt zum Beispiel für die Optimierung der Kompressionsbehandlung der Narben mit Kompressionsanzügen oder Silikon, die Regelung der Ernährung inkl. Ergänzungsnahrung bei kataboler Stoffwechsellage des Gesamtorganismus, die Verbesserung der internen Koordination der Behandlungen und Therapieinhalte inkl. Dosierung (Mobilisation versus Wundheilung), die Schulung und Ausbildung des gesamten medizinischen Personals sowie die Organisation reibungsloser Abläufe inkl. Informationsfluss beim Übertritt der Patienten aus dem Akutspital, bei den Nachkontrollen aber auch bei der Vorbereitung der Nachbetreuung.

Resultate: Unsere Prozesse regeln alle wesentlichen Elemente von der Anmeldung der Patienten bis nach deren Austritt. Sie helfen uns sicher zu stellen, dass jeder Patient die richtige Leistung zum richtigen Zeitpunkt erhält und dass nichts Wichtiges vergessen geht. Sie vereinfachen durch die vorgegebe Struktur und die klaren Abläufe unsere fachliche und organisatorische Zusammenarbeit im interdisziplinären Team und lassen bewusst Raum für gezielte und individuelle Anpassungen an die jeweilige Patientensituation. Dank der ziel- und prozessorientierten Rehabilitation erreichen wir also eine übergreifende Steuerung und Koordination der Ziele und Tätigkeiten inhaltlich sowie zeitlich, was in einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsqualität und Reduktion der Aufenthaltsdauer resultiert. Die Knackpunkte in der Behandlung können dank der Prozessdarstellung für alle transparenter gemacht werden und damit gezielt angegangen werden. Wir haben verschiedene Checklisten erstellt, welche die Zusammenarbeit differenziert und grundlegend verbessern und interdisziplinär für mehr Klarheit und gegenseitiges Verständnis sorgen. Dank einer engeren Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich konnten wir den Informationsfluss bei Übertritten aus dem Akutspital und bei den Nachkontrollen optimieren und vereinfachen.

Schlussfolgerung: Trotz der erreichten Verbesserung durch die ziel- und prozessorientierte Rehabilitation Brandverletzter sowie die internen Optimierungen in der Zusammenarbeit, bleibt jeder dieser Patienten auch in Zukunft eine große Herausforderung für unser Team sowohl organisatorisch wie auch menschlich. Wir werden auch weiterhin noch einiges zu tun haben in der Optimierung der Betreuung dieser Patienten, vor allem auch bezüglich der klinikübergreifenden Versorgung.