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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Beeinflussbarkeit negativen Körperempfindens durch Narbenpflegeprodukte an großflächigen Verbrennungsnarben

Meeting Abstract

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  • corresponding author Hans Ziegenthaler - Moritz-Klinik, Reha-Zentrum für Brandverletzte, Bad Klosterlausnitz, Deutschland

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav65

DOI: 10.3205/10dav65, URN: urn:nbn:de:0183-10dav655

Published: June 30, 2010

© 2010 Ziegenthaler.
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Ziel: Narben fehlt es an körpereigenen Talkdrüsen und somit an einem physiologischen Säureschutzmantel und schützen den Fettfilm. Daher ist der Prozess der Narbenreifung von subjektiv unterschiedlich intensiv empfundenen negativen Körperempfindungen wie Jucken, Spannen, Trockenheit und Schuppen begleitet. Ziel der Untersuchung ist es, den Einfluss von Narbenpflegeprodukte in der Frühphase der Narbenreifung während der Rehabilitation in deren Wirkung und Messbarkeit zu untersuchen.

Patienten und Methoden: In einer klinischen Anwendungsbeobachtung wurden 10 Brandverletzte während einer stationären Rehabilitations¬maßnahme (5 bis 8 Wochen nach Unfallereignis) rekrutiert. Bei diesen fanden sich am Rumpf und den Extremitäten abgeheilte Narbenareale, die sowohl in Ruhe als auch in Bewegung stärker schuppten, Spannung u./o. Juckreiz auslösten.

Primär erfolgte die Narbenpflege täglich, ggf. mehrmals mit der bewährten SR Unguentum cordes. Nach Ausschluss entzündlicher Faktoren wurde bei fortbestehenden Juckreiz und Spannungsgefühl, die in ihrer Intensitätsmessung die Scala von 50% überstiegen auf Alhydran®-Creme gewechselt. Erfasst wurden zu T0, T1 (nach 14 Tagen) und T2 (weitere 14 Tage) die Beschaffenheit der Narben in Anlehnung an die Vancouver Scar Scale und eine Fotodokumentation, der Medikamentenbedarf (Anal-getika, Neuroleptika, Antihistaminika), das Schmerzempfinden (VAS) und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF 36). Zur Anwendung kam zusätzlich der bisher bei Brandverletzten nicht angewandte Pationnaire®-Questionnäre, der verschieden alltags- und schädigungsspezifische Items erfasst.

Für eine statistische Aufarbeitung der Daten war die Untersuchungsgruppe zu klein, so dass eine deskriptive und fotogestützte Ergebnisauswertung erfolgt.

Ergebnisse: In den erfassten subjektiven Kategorien, insbesondere Juckreiz und Spannungsgefühl, war eine überwiegende Verbesserung gegenüber den Ausgangswerten zu verzeichnen. Behandlungsgruppe, betrachteter Zeitraum und fehlende Randomisierung lassen jedoch derzeit keine Aussage zu, die über einen Trend in der Veränderung hinaus berichtet. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Der bisher nur im Bereich der Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates angewandte Pationnaire®-Questionnäre mit seinem zusätzlichem Haut-Modul wies dagegen überzeugende Anwendungseigenschaften im Klientel der Brandverletzten auf.

Schlussfolgerungen: Alhydran® zeigt im Trend gute Voraussetzungen, um in der Frühphase der Narbenreifung subjektiv sehr störend empfundene Empfindungen wie Juckreiz und Spannungsgefühl zu minimieren. Es handelt sich dabei um eine gut verträgliche und mit textiler Kompressionstherapie problemlos zu kombinierende Narbenpflege. Geplant wird eine klinische Studie in einer größeren randomisierten Gruppe mit einer Nachuntersuchung nach 3 Monaten, um so eine statistisch verwertbare Aussage treffen zu können.