gms | German Medical Science

27. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2009)

14.01. bis 17.01.2009, Leogang, Österreich

Einfluss stationären Rehabilitation auf die defizitäre Ausdauerleistungsfähigkeit schwer Brandverletzter

Meeting Abstract

  • author H. Ziegenthaler - Moritz-Klinik, Neurologische und orthopädisch-traumatologische Fachklinik für Rehabilitation, Zentrum für Brandverletztenrehabilitation, Bad Klosterlausnitz
  • K. Erler - Moritz-Klinik, Neurologische und orthopädisch-traumatologische Fachklinik für Rehabilitation, Zentrum für Brandverletztenrehabilitation, Bad Klosterlausnitz
  • P. Gabler - Moritz-Klinik, Neurologische und orthopädisch-traumatologische Fachklinik für Rehabilitation, Zentrum für Brandverletztenrehabilitation, Bad Klosterlausnitz
  • L. Brückner - Moritz-Klinik, Neurologische und orthopädisch-traumatologische Fachklinik für Rehabilitation, Zentrum für Brandverletztenrehabilitation, Bad Klosterlausnitz

DAV 2009. 27. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Leogang, Österreich, 14.-17.01.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dav68

DOI: 10.3205/09dav68, URN: urn:nbn:de:0183-09dav684

Published: March 19, 2009

© 2009 Ziegenthaler et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Fragestellung: Im Gegensatz zur Beeinflussung der postmorbiden Lebensqualität durch Narbenbildung und psychosoziale Auswirkungen ist für Brandverletzte in der Literatur deren reduzierte körperliche Belastungsfähigkeit kaum belegt.

Ziel der Studie war es, dieses Defizit aufzuzeigen und zu prüfen, ob ein Ausdauertraining bereits in einer ersten Rehabilitationsmaßnahme mit Erfolg durchführbar ist. Geeignete Trainingsmittel und -methoden sowie Kriterien für deren Einsatz im klinischen Alltag waren zu definieren.

Methodik: Rekrutiert wurden 32 Brandverletzte während einer stationäre Rehabilitationsmaßnahme (17 bis 267 Tagen nach Unfallereignis). Versuchsgruppe (n=20) und Kontrollgruppe (n=12) unterschieden sich in Geschlechtsverteilung, Alter, BMI, betroffener Körperoberfläche, Reha-Dauer und Intervall nach dem Unfall nicht signifikant. Beide Gruppen durchliefen ein standardisieret Rehabilitationsprogramm, die Versuchsgruppe zusätzlich ein Ausdauertraining bis 5x/Woche.

Einverständnis, belastbare Haut- und Narbenverhältnisse sowie Belastbarkeit über 2 Minuten mit mindestens 25 Watt waren Voraussetzungen für Aufnahme in der Versuchsgruppe.

Erfasst wurden kardiopulmonale Funktionswerte (Spirometrie, Belastungs-EKG am Anfang und am Ende), die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF 36), der Anstrengungsgrad im Ausdauertraining (Borg-Skala) und der dabei empfundene Schmerz (VAS).

Als Trainingsmittel standen Motomed, Fahrradergometer, Laufband, Nordic Walking und Aquajogging je nach primären Belastbarkeit als Dauer- oder Intervallmethode zur Auswahl.

Die statistische Aufarbeitung der Daten erfolgt im SPSS 13.0 für Windows mit parameterfreien Testverfahren (Wilcoxon- und Mann-Withney-U-Test).

Ergebnisse: In der frühen Rehabilitationsphase tolerieren Brandverletzte körperliche Belastung durch begrenzte Kardiopulmonale Belastbarkeit oder muskuläre Ermüdung nicht ausreichend lange.

Nur 15 % der Versuchsgruppe bzw. 10 % der Kontrollgruppe erreichen die Sollwertangaben für gesunde Personen beim Belastungs-EKG.

Am Ende der Studie ergab sich in der Versuchsgruppe (95%) nach durchschnittlich 14,3 ± 8,4 Trainingseinheiten eine Leistungssteigerung um 27,8 ± 11,8%.

Somit erreichten 35% der Versuchsgruppe Normwerte gleichaltriger Gesunder. Trotz Signifikanz in der Steigerung der Wattzahl bezogen auf das Körpergewicht in beiden Gruppen, war diese nur bei 75% der Kontrollgruppe feststellbar. Unter kontinuierlicher individueller Anpassung der Leistungsparameter waren Laufband- und Fahrradergometertraining in der Dauermethode besonders geeignet. Schmerz oder beeinträchtigte Lungenfunktion zeigten bezüglich des Ausdauertrainings eine nur geringe Wertigkeit.

Schlussfolgerungen: Unter Berücksichtigung der individuellen Narbenverhältnisse und Anpassung der Leistungsparameter ist ein standardisiertes Training bei Brandverletzten in der frühen Rehabilitationsphase möglich und muss integraler Bestandteil des Therapieprogramms sein. Neben strukturellen Voraussetzungen bedarf es der Unterstützung auf der motivationaler Ebene. Eine im Ganzen nur zögerliche Erholung der Ausdauerleistung erfordert in der weiteren ambulanten Versorgung spezielle Trainingsangebote, um Ausdauerdefizite zu verringern.