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GMS Medizin — Bibliothek — Information.

Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB)

ISSN 1865-066X

Josephinische Bibliothek und medizinhistorische Bestände der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien

The Josephinian Library and the medical-historic stock of the University Library of the Medical University of Vienna

Fachbeitrag

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  • corresponding author Harald Albrecht - Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Wien, Österreich
  • Bruno Bauer - Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Wien, Österreich
  • Walter Mentzel - Medizinische Universität Wien, Universitätsbibliothek, Wien, Österreich

GMS Med Bibl Inf 2012;12(1-2):Doc11

DOI: 10.3205/mbi000247, URN: urn:nbn:de:0183-mbi0002472

Published: September 6, 2012

© 2012 Albrecht et al.
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Zusammenfassung

Die Universitätsbibliothek der 2004 errichteten Medizinischen Universität Wien ist die größte medizinische Fachbibliothek in Österreich. Sie verfügt auch über bedeutende medizinhistorische Bestände, die überwiegend in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin untergebracht sind und auch eine Quelle für die Entwicklung der Literatur- und Informationsversorgung an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, an vielen Wiener Krankenhäusern sowie in medizinischen Vereinen darstellen.

Besonders bemerkenswerte Sondersammlungen sind die Josephinische Bibliothek, die Bibliothek des Neurologischen Instituts (Obersteiner-Bibliothek), die Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien und die Bibliothek der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

In Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte betreibt die Universitätsbibliothek NS-Provenienzforschung, die Blogserie „Vertrieben 1938“, den Aufbau eines biobibliografischen Portals der Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Medizinischen Schule sowie ein Exlibris-Projekt.

Um den Zugang zur medizinhistorischen Literatur zu verbessern, wurden die historischen Zettelkataloge digitalisiert und OCR-gelesen und sind nunmehr seit 2010 online recherchierbar. Ergänzend dazu beteiligt sich die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien am europäischen Kooperationsprojekt E-books On Demand (EOD).

Schlüsselwörter: Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, Medizinische Fakultät an der Universität Wien, Josephinische Bibliothek, Obersteiner-Bibliothek, Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien, Bibliothek der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Sammlung medizinischer Sonderdrucke, NS-Provenienzforschung, Blogserie „Vertrieben 1938“, Biobibliografisches Portal der Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Medizinischen Schule, Exlibris, Zettelkataloge, Digitalisierung, E-books on Demand (EOD)

Abstract

The University Library of the Medical University of Vienna, founded in 2004, is the most extensive medical library in Austria. It possesses an outstanding medical-historic stock which is basically stored in its Branch Library of Medical History. This unique stock also is a historical source itself because it represents the development of the supply of the Medical Faculty of Vienna, Viennese hospitals and medical societies with scientific literature and information during the last centuries. The brunch library contains several remarkable special-collections such as the Josephinian Library, the Library of Neurology (Obersteiner-Library), the Library of the Society of Physicians in Vienna or the Library of the Austrian Association of Oral and Maxillofacial Surgery.

In order to deal with its own history the University Library runs a provenance-research project to identify expropriated goods transferred to its stock during the Nazi-regime and restores them to their rightful owners. It also runs a weblog-series “Displaced 1938”, which is about displaced members of the Medical Faculty of Vienna during World War II. Currently it establishes a bio-bibliographical online-portal about exponents of the so called “Vienna Medical School(s)” between 1750 and 1950 as well as an online bookplate database.

To improve the access to large parts of the stock the ancient card indexes got digitalized (including OCR-reading) and have been online since 2010. Supplementary the University Library of the Medical University of Vienna engages in the European cooperation on E-books on Demand (EOD).

Keywords: University Library of the Medical University of Vienna, Branch Library of Medical History, Medical Faculty of the University of Vienna, Josephinian Library, Obersteiner Library, Library of the Society of Physicians in Vienna, Library of the Austrian Association of Oral and Maxillofacial Surgery, collection of medical reprints, provenance-research, weblog series “Displaced 1938”, bio-bibliographic online-portal: Exponents of the Vienna Medical School, bookplates, card indexes, digitalization, E-books on Demand (EOD)


1 Historische Entwicklung der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien und ihre Vorgängerinstitutionen

2004 erfolgte die Trennung der bisherigen Medizinischen Fakultät von der Universität Wien und deren Errichtung als eigenständige Medizinische Universität Wien. Der neuen Universität als Universitätsbibliothek zugeordnet wurde die vormalige Österreichische Zentralbibliothek für Medizin, die größte medizinische Fachbibliothek des Landes, deren Aufgabe es gewesen war, neben der Medizinischen Fakultät der Universität Wien auch die medizinischen Fakultäten der Universitäten Graz bzw. Innsbruck subsidiär mit medizinischer Fachinformation zu versorgen. Gemeinsam mit der Zentralbibliothek erfolgte auch die Zuordnung der bedeutendsten medizinhistorischen Spezialbibliothek, der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, an die Medizinische Universität Wien; diese Spezialbibliothek mit ihren umfangreichen heterogenen, nicht systematisch gewachsenen Beständen fungiert heute als inoffizielle Archivbibliothek für medizinhistorische Literatur in Österreich.

Die medizinische Literaturversorgung an der Universität Wien im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde von zahlreichen autonom agierenden Klinik- und Institutsbibliotheken der Universität Wien getragen. Eine wichtige Rolle spielte zum damaligen Zeitpunkt auch die Bibliothek der 1837 gegründeten Gesellschaft der Ärzte in Wien [26]; weiters für die medizinische Literaturversorgung von Bedeutung waren die Bibliotheken der medizinischen Vereine, öffentlicher Einrichtungen (etwa der Spitäler oder der Ärztekammer), sowie Privatbibliotheken von Universitätsprofessoren und niedergelassenen Ärzten.

1914 wurde das Institut für Geschichte der Medizin gegründet; seit damals erfolgten immer wieder diverse Übergaben und Schenkungen von Büchern und Zeitschriftenbänden an die damalige Institutsbibliothek [26], [29].

Eine wesentliche organisatorische Änderung, die auch eine konzeptionelle Planung der Bestandsentwicklung mit sich brachte, setzte durch das Universitätsorganisationsgesetzes (UOG 1975) ein. Dies führte zu einer Strukturbereinigung des Bibliothekswesens an der Universität Wien; sämtliche Klinik- und Institutsbibliotheken wurden der Universitätsbibliothek Wien unterstellt. Durch die Errichtung der Fakultätsbibliothek für Medizin an der Universität Wien im Jahr 1986 wurden weitere strukturelle Verbesserungen erzielt; dieser wurden sämtliche Bibliotheksbestände an dezentralen Kliniken und medizinischen Instituten der Universität Wien zugeordnet [31]. 1989 erfolgte die Inbetriebnahme des neuen Hauptstandortes der Fakultätsbibliothek im Neuen Allgemeinen Krankenhaus (Universitätskliniken) [27]; zwischen 1989 und 1994 wurden die bis dahin dislozierten Klinik- und Institutsbibliotheken am neuen Standort zusammengeführt, was ein großes Einsparungspotential bei doppelt und mehrfach bezogenen Fachzeitschriften möglich machte [10]. Eine weitere wichtige organisatorische Stärkung erfuhr die größte medizinische Spezialbibliothek des Landes mit Jahr 1994, als die bisherige Fakultätsbibliothek für Medizin von der Universität Wien herausgelöst und als Österreichische Zentralbibliothek für Medizin etabliert wurde [10], [11], [12].

Parallel zur Stärkung der größten Medizinbibliothek Österreichs erfolgte auch eine Aufwertung der dieser unterstellten Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, insbesondere durch die im Jahr 2003 vollzogene vollständige Übernahme der historischen Bestände der Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien [3]. Daneben wurden in den vergangenen Jahrzehnten weitere Spezialsammlungen als Geschenke und Dauerleihgaben übernommen [9].

Somit sind seit der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts wesentliche medizinhistorische Bestände der im 19. und 20. Jahrhundert für die medizinische Literaturversorgung in Wien bedeutendsten Standorte – Gesellschaft der Ärzte bzw. Universität Wien – im Josephinum, dem Standort der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, unter einem Dach zusammengeführt.


2 Sammlungen und medizinhistorische Bestände an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien

2.1 Josephinische Bibliothek

Das „Josephinum“ wurde 1785 von Kaiser Joseph II. (1741–1790) als Ausbildungsstätte für Militärärzte an der medizinisch-chirurgischen Joseph-Akademie eingerichtet und am 7. November 1785 eröffnet. Die Initiative dazu hatte sein Leibchirurg Giovanni Alessandro Brambilla (1728–1800) ergriffen, den der Kaiser 1779 mit der Leitung des gesamten österreichischen Militärsanitätswesens betraut hatte. Brambilla fungierte bis 1795 als Direktor des Collegiums. Für die Akademie wurde im heutigen 9. Wiener Gemeindebezirk, Währinger Straße 25, zwischen 1783–1785 ein Neubau nach Plänen des Architekten Isidor Marcellus Amandus Canevale (1730–1786) im klassizistischen Stil errichtet (Abbildung 1 [Abb. 1]).

In der historischen Josephinischen Bibliothek wurden Bestände unterschiedlicher Herkunft zusammengeführt. Erste Bände kamen aus Klosterbibliotheken, die von den Josephinischen Klosteraufhebungen betroffen waren, weitere Bücher stammten aus Privatsammlungen, etwa von Giovanni Brambilla; auch Kaiser Joseph II. selbst schenkte zahlreiche Bücher. Durch die Übernahme von Büchern aus Altbeständen von Kliniken und Instituten der Medizinischen Fakultät (u.a. I. Augenklinik) und Nachlässen wuchs dieser Bestand zu seinem heutigen Umfang an. Der erste Bibliothekar, der am „Josephinum“ wirkte, war der Militärarzt Burkart Eble (1799–1839), der von 1822 bis 1832 als Prosektor an der medizinisch-chirurgischen Akademie tätig war.

Die Josephinische Bibliothek umfasst heute einen Bestand von insgesamt 6.377 Titeln (ca. 11.500 Bände) mit Erscheinungsjahr vor 1900; inkludiert sind in diese Zahl auch 50 undatierte Werke. Chronologisch gliedert sich der Bestand in 12 Inkunabeln, 444 Werke aus dem 16. Jahrhundert, 629 Titel aus dem 17. Jahrhundert sowie 2.759 Bücher aus dem 18. Jahrhundert. Die restlichen 2.495 Titel sind überwiegend der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuzuordnen. Der sprachliche Schwerpunkt der Bibliothek besteht aus deutschsprachigen Drucken (56%). Etwa ein Drittel des Bestandes ist in lateinischer Sprache abgefasst, der Rest ist in französischer (8%), italienischer (4%) und englischer Sprache (1,5%) geschrieben. 30 Werke entfallen auf andere Sprachen, darunter befinden sich auch elf Werke auf Niederländisch [29].

Inhaltlich weist die Josephinische Bibliothek einen operativen Fachschwerpunkt auf. Neben der Chirurgie im engeren Sinn verfügt die Sammlung über einen großen Bestand an Werken der Anatomie, Augenheilkunde und Geburtshilfe. Weitere Sammelschwerpunkte waren die wichtigsten Werke aus den zur damaligen Zeit zu einer medizinischen Fakultät zählenden Fächern Mineralogie, Chemie, Botanik und Zoologie.

Die mehr als 50 Sachgruppen gliedern sich in acht Großgruppen: Allgemeines (307 Titel), Geschichtliches (303 Titel), propädeutische Fächer (523 Titel), medizinische Fächer (3.025 Titel), Pathologie (488 Titel), medizinische Bereiche (470 Titel) und militärischer Bereich (230 Titel) [29].

Erschlossen sind die Bestände der Josephinischen Bibliothek in einem handschriftlichen Inventar aus den 1960er Jahren, sowie durch einen mittlerweile auch in digitaler Form zur Verfügung stehenden Zettelkatalog.

Exemplarisch für die Sammlung herausgehoben werden sollen an dieser Stelle ein pharmakologisches und ein anatomisches Werk.

Der „Hortus Eystettenis“, ein botanisches Werk besonderer Art, im Auftrag des Eichstätter Erzbischofs Johann Konrad von Gemmingen (1561–1612) im Jahr 1613 erschienen, zeigt in 367 ganzseitigen Abbildungen (Kupferstiche höchster Qualität) 1.084 Pflanzen (Abbildung 2 [Abb. 2]). Nach heutigen Maßstäben umfasst es die Themen: Gartenbau, Botanik und Pharmakologie. In seiner Entstehungszeit war es ein fürstlicher Prachtband und befand sich sowohl künstlerisch wie auch wissenschaftlich auf der Höhe seiner Zeit. In der ersten Version wurde eine kleine, sehr wertvolle handkolorierte Auflage gedruckt, danach eine zweite, etwas günstigere nicht kolorierte 300 Stück zählende Auflage, wovon sich ein Exemplar in der „Josephinischen Bibliothek“ befindet.

„De humani corporis fabrica libri septem“ von Andreas Vesalius (1514–1564) begründete die neuzeitliche Anatomie (Abbildung 3 [Abb. 3]). Das als Lehrbuch angelegte Werk beinhaltet über 200 teils ganzseitige Abbildungen in Form von Holzschnitten. Vesalius vertritt darin entgegen der damaligen Überzeugung die Auffassung, dass nur der menschliche Körper eine zuverlässige Quelle der menschlichen Anatomie sei. Er entwickelte unter Bezugnahme auf Plinius eine Theorie der Abstammung des Menschen vom Affen. Von dem erstmals 1543 in Basel erschienen Werk besitzt die Bibliothek ein Exemplar der zweiten Auflage von 1555, die sich besonders durch die Typographie nach dem Entwurf des französischen Schriftsetzers Claude Garamonde (ca. 1490–1561) auszeichnet.

Neben der Josephinischen Bibliothek präsentiert sich auch der Josephssaal, der historische Lesesaal, als besonders attraktiver Ort im Josephinum (Abbildung 4 [Abb. 4]).

2.2 Ehemalige Bibliothek des Institutes für Geschichte der Medizin

Die heutige Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin geht auf die Gründung des ehemaligen Institutes für Geschichte der Medizin zurück. Neben der medizinhistorischen Bibliothek wurden vom Institut auch eine Handschriftensammlung, ein Bildarchiv und ein Museum errichtet, die heute der Organisationseinheit Department und Sammlungen der Medizinischen Universität Wien zugeordnet sind.

Das Institut für Geschichte der Medizin wurde im Jahr 1914 nach langjährigen Bemühungen auf Initiative des Medizinhistorikers und Neurologen Max Neuburger (1869–1955) [54] (Abbildung 5 [Abb. 5]) gegründet und gehört mit dem Institut in Leipzig (1906) zu den ältesten medizinhistorischen Einrichtungen im deutschsprachigen Raum. Neuburger, der ein Schüler des Medizinhistorikers Theodor Puschmann (1844–1899) war, baute das Institut, die Bibliothek, die Handschriftensammlung, das Bildarchiv und das Museum, als deren Leiter er bis zu seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten im März 1938 fungierte, kontinuierlich auf. Neuburger begann zunächst, nachdem er in einem Memorandum an das Ministerium für Unterricht und Kultus sein Projekt eines medico-historischen Institutes samt Museum vorgestellt hatte und mit Erlass vom 23. Juli 1906 die Bewilligung dazu bekam, mit der Sammlung medizinhistorischer Objekte und medizinischer Literatur. Zu dieser Zeit galt er bereits als einer der renommiertesten Medizinhistoriker im deutschsprachigen Raum – unter anderem als Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften“. Nachdem zwischen 1914 und 1919 die medizinhistorische Sammlung und die Bibliothek von Neuburger in einem Raum hinter dem Hörsaal der I. Medizinischen Klinik untergebracht worden war, kam es nach dem Ersten Weltkrieg (1919) durch Julius Tandler (1869–1936), den amtierenden sozialdemokratischen Unterstaatssekretär des Volksgesundheitsamtes, zur Gründung eines eigenen Institutes für Medizingeschichte am Standort des heutigen „Josephinum“, das 1920 bezogen wurde.

Aufgrund der geringen finanziellen Unterstützung konnte Neuburger den Bestand von Beginn an nur in Eigeninitiative durch Schenkungen und Spenden sowie seine unermüdliche Sammeltätigkeit erweitern [16]. Mit 1. April 1934 wurde Neuburger aufgrund der Sparpolitik der damaligen Bundesregierung emeritiert und der Lehrstuhl für Medizingeschichte aufgelöst. Dank seines persönlichen Engagements gelang es ihm, das Institut provisorisch weiter zu führen und den Bestand zu erhalten. Seine Tätigkeit fand unmittelbar nach dem „Anschluss“ im März 1938 ein Ende. Max Neuburger wurde offiziell mit 22. April 1938 aus „rassischen“ Gründen vom Institut vertrieben und floh Ende August 1939 nach England. Er gilt heute als ein wesentlicher Initiator der kulturhistorischen und sozialhistorischen Forschung innerhalb der Medizingeschichte [23].

Sein Nachfolger wurde der Medizinhistoriker und Nationalsozialist Fritz Lejeune (1892–1966), der zwischen 1940 und bis zu seiner Flucht im April 1945 als Leiter des Institutes wirkte. In dieser Zeit erfuhr die Bibliothek eine umfangreiche Vergrößerung durch die großzügige Dotierung, die das Institut von den Nationalsozialisten zugewiesen bekam. Nach der Befreiung im April 1945 wurde das Institut zunächst provisorisch von Prof. Leopold Schönbauer (1888–1963), dem Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und Vorstand der I. chirurgischen Klinik, bis 1960 geleitet. Von 1960 bis 1979 wirkte die Medizinhistorikerin und Altphilologin Doz. Erna Lesky (1911–1986) (Abbildung 6 [Abb. 6]) als Leiterin am Institut für Geschichte der Medizin. Durch sie erfolgte eine Neueinrichtung und Umgestaltung des Museums; sie initiierte auch erstmals eine systematische Katalogisierung und Inventarisierung der Bibliothek, des Bildarchivs und der Archivaliensammlung.

In ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit widmete sie sich vor allem der Geschichte der „Wiener medizinischen Schule“ im 19. Jahrhundert [34].

Gegenwärtig bilden die Bestände der ehemaligen medizinisch-chirurgischen Josephsakademie (ehemaligen militärärztlichen Akademie) sowie des ehemals hier ansässigen Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums, zusammen mit der von Neuburger aufgebauten Institutsbibliothek den medizinhistorischen Bibliothekskern der heutigen Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

2.3 Bestände der ehemaligen dislozierten medizinischen Institute und Universitätskliniken der damaligen Universität Wien

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich parallel zu der rasant verlaufenden wissenschaftlichen Entwicklung der einzelnen medizinischen Wissenschaftsdisziplinen [34] eine breitgefächerte medizinische Bibliothekslandschaft in Wien herausgebildet [13].

Eine wesentliche Gruppe umfasste Klinik- und Institutsbibliotheken an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Diese Bibliotheken wurden meist unmittelbar mit der Gründung dieser Einrichtungen aufgebaut. Sie entstanden in der Regel aus der Initiative der Klinik- und Institutsleiter und deren kontinuierlichen Sammel- und Spendentätigkeiten. Der Umfang dieser Bibliotheken divergierte beträchtlich [17]. Die meisten blieben in ihrer Bestandsgröße unter 5.000 Bänden, nur wenige, wie die Bibliothek des Neurologischen Institutes, hatten einen größeren Umfang [51]. Insgesamt betrieben medizinische Bibliotheken mit wenigen Ausnahmen, wie die der Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien, keine eigene organisierte Bibliotheksverwaltung, sondern wurden vom medizinisch-wissenschaftlichen Personal an den Kliniken und Instituten mitbetrieben bzw. wurden von den Klinik- und Institutsvorständen selbst verwaltet und bestanden in der Regel als wissenschaftliche Handapparate: sogenannte „Ärztebibliotheken“.

Ein Teil der historischen Instituts- und Klinikbestände wurde bereits bibliothekarisch erschlossen und in die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin eingebracht (Tabelle 1 [Tab. 1]).

2.4 Bestände von außeruniversitären Einrichtungen, aus Wiener Krankenanstalten und von Privaten

Außerhalb der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Wien wurden medizinische Bibliotheken von Forschungs-, Standes- und Interessensorganisationen unterhalten, die sich zumeist als Vereine konstituiert hatten und Resultat der heterogenen Entwicklungslinien der medizinischen Fachdisziplinen waren. Viele dieser Vereine und Organisationen beendeten ihre Tätigkeit schon in den 1920er und 1930er Jahren. Spätestens nach dem „Anschluss“ 1938 und durch den von der NS-Wissenschaftspolitik initiierten Kahlschlag in diesem Bereich, wurden sie aufgelöst oder zwangsliquidiert. Heute finden sich ihre Bibliotheken rudimentär in den Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin. Sie sind die letzten Zeugen einer vielfältigen medizinischen Bibliothekslandschaft, wie sie für Wien vor 1945 charakteristisch gewesen ist.

Eine weitere Gruppe bildeten medizinische Bibliotheken an den Wiener Krankenanstalten. Auch davon sind meist nur mehr Restbestände an der Zweigbibliothek erhalten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Bücher aus einer besonders traditionsreichen medizinischen Bibliothek, der Bibliothek des „Ärztlichen Lesezimmers des Allgemeinen Krankenhauses Wien“, die im Oktober 1939 unmittelbar mit den durch die Nationalsozialisten durchgeführten Zentralisierungsmaßnahmen aufgelöst worden ist. Um 1900 war diese älteste Spitalsbibliothek Wiens mit 22.000 Bucheinheiten und Zeitschriften auch die größte „Ärztebibliothek“ an einem Wiener Krankenhaus [45].

Einen weiteren wertvollen Bücherbestand bildete die ehemalige Bibliothek des „Wiener Medizinischen Doctoren-Kollegiums“, das bis 1938 im „Josephinum“ untergebracht war. Dieses Kollegium existierte seit der Gründung der Medizinischen Fakultät Wien im Jahr 1389 und wurde erst im „Revolutionsjahr“ 1848 in ein Professoren- und ein Doctoren-Kollegium geteilt. Das Kollegium widmete sich neben der ärztlichen Fortbildung vor allem caritativen Zwecken und dem Erhalt von Wohlfahrtsorganisationen.

Seit der Ära Erna Lesky werden laufend größere Buchkontingente von außeruniversitären Einrichtungen, aus Wiener Krankenanstalten sowie von Privaten in die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin abgegeben; während bei der Erfassung dieser Bestände bei früheren Übernahmen die Provenienzen im Katalog nicht registriert wurden, wird bei den jüngst bearbeiteten Übernahmen ein entsprechender Vermerk im Online-Katalog angebracht (Tabelle 2 [Tab. 2]).

2.5 Obersteiner-Bibliothek

Der am 13. November 1847 geborene Heinrich Obersteiner (Abbildung 7 [Abb. 7]) stammte aus einer angesehenen großbürgerlichen Wiener Ärztefamilie. Das Interesse von Obersteiner an Medizin wurde schon früh durch das Engagement und die Tätigkeit seines Vaters auf das Gebiet der Medizin, vornehmlich auf das der Nervenheilkunde, gelenkt. Sein Vater Heinrich Obersteiner sen. übernahm 1860 zusammen mit dem als Begründer des klinisch-psychiatrischen Universitätsunterrichtes geltenden Maximilian Leidesdorf die Leitung der 1819 errichteten Döblinger Privatheilanstalt für Geisteskranke.

Neben den zwei in Wien bereits existierenden staatlichen Pflegestätten für Psychiatrie und Neurologie wurde 1882 auf anhaltendes Betreiben von Obersteiner das „Institut für Anatomie und Physiologie des zentralen Nervensystems“ gegründet, das 1900 auf Initiative von Obersteiner in Neurologisches Institut umbenannt wurde. Dieses Institut galt weltweit als erste wissenschaftliche Einrichtung für Hirnforschung und wirkte vorbildgebend auf zahlreiche sich später im Ausland etablierende vergleichbare Forschungsstätten. Die wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte dieses Instituts lagen auf der morphologischen Hirnforschung und der normalen, vergleichenden und pathologischen Anatomie sowie der Physiologie des Nervensystems. Darüber hinaus wurde die von Obersteiner angestrebte Idee der postpromotionellen Ausbildung hier verwirklicht.

Nachdem er im Jahre 1919 emeritierte, folgte ihm sein Schüler und Assistent Otto Marburg (1874–1948) als Leiter des Institutes nach, das dieser bis zu seiner Flucht vor dem Nationalsozialismus in die USA im Jahre 1938 führte. Heinrich Obersteiner verstarb am 19. November 1922 im Alter von 75 Jahren in Wien [29].

Seit 1892 erfolgte von ihm die Herausgabe der Publikationsreihe „Arbeiten aus dem Neurologischen Institute an der Universität Wien“, die es bis zu seinem Ausscheiden aus dem Institut im Jahre 1919 auf insgesamt 22 Bände brachte, und welche die meisten und bedeutendsten Forschungen des neurologischen Institutes enthalten.

Obersteiner war Zeit seines Lebens Sammler einschlägiger neurologischer und psychiatrischer Bücher, die er selbst bibliothekarisch bearbeitete. Bereits 1905 übergab Heinrich Obersteiner seine Bibliothek in Form einer Stiftung dem Neurologischen Institut; die Bibliothek wurde danach von ihm selbst am Institut kontinuierlich erweitert und bibliothekarisch verwaltet; bei seinem Ausscheiden aus dem Institut im Jahr 1919 umfasste diese einzigartige Spezialbibliothek an die 40.000 Bände. Mit diesem Bestand zählte sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den größten medizinischen Instituts- bzw. Klinikbibliotheken an der Universität Wien [51].

Obersteiner gliederte diesen Bestand, der bereits um 1900 als einzigartige Fachbibliothek internationale Bekanntheit erlangt hatte, nach formalen Kriterien in sieben Gruppen:

A-Bücher: Gruppe der alten Bücher; von Obersteiner wurden 237 Bände vom 16. bis 19. Jahrhundert in diese Gruppe aufgenommen;

B-Bücher: bibliografische Hilfsmittel, gedruckte Kataloge, biografische Lexika über berühmte Ärzte;

C-Bücher: Monografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts;

D-Bücher: deutschsprachige Dissertationen;

E-Bücher: Separata, eingeordnet in Buchatlanten;

F-Bücher: französische Dissertationen;

G: von Obersteiner nicht besetzt;

H-Bücher: Zeitschriften.

Innerhalb der Gruppen wurden die Bücher Numerus Currens aufgestellt; die H-Signaturen ließ Obersteiner zum Teil vom Buchbinder in die Buchrücken einprägen. Ein Großteil der Bücher besitzt Eigentumsvermerke, die Obersteiner bis zu seinem Tod selbst handschriftlich eingetragen hat; zum Teil ist der Bestand auch mit einem Exlibris versehen, das Obersteiner anfertigen ließ.

Obersteiner führte auch die Kataloge selbst. Neben einem vier Bände umfassenden handgeschriebenen Autorenkatalog schuf er einen handgeschriebenen Zettelkatalog, in dem die Katalogzettel – nach Fachgruppen geordnet – den entsprechenden Leitkarten, auf denen Schlagwörter aufgetragen waren, nachgereiht wurden [10].

Aufgrund dieses persönlichen Bezugs von Heinrich Obersteiner stellen die historischen Zettelkataloge der „Obersteiner-Bibliothek“ eine wertvolle historische Quelle dar; die Qualität der Karteikarten und die zahlreichen handschriftlichen Eintragungen verhinderten bisher allerdings deren Digitalisierung bzw. OCR-Lesen. Weil diese Bestände aufgrund eines größeren Bauprojektes von ihrem historischen Standort am ehemaligen Neurologischen Institut abtransportiert werden mussten, wurden sie vorübergehend in ein Depot eingebracht und sind derzeit nicht benutzbar.

2.6 Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien

1837 gründeten Wissenschafter der Medizinischen Fakultät Wien und Ärzte des Wiener Allgemeinen Krankenhauses auf Vereinsbasis die „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ (GdÄW). 1840 erfolgte die Einrichtung einer Bibliothek, die somit zu den ältesten medizinischen Bibliotheken im deutschen Sprachraum gehört [44]. Eingerichtet wurde auch ein Lesezimmer („Leseverein“) (Abbildung 8 [Abb. 8]), und noch im Gründungsjahr erfolgte die Bestellung eines Bibliothekars. Die „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ war nicht nur ein Zentrum des wissenschaftlichen Lebens, sondern unterhielt auch enge Kontakte zu europäischen medizinischen Einrichtungen, die sich auch in der Bibliothekspolitik niederschlugen.

Die Erwerbungen der Bibliothek wurden von Beginn an weitestgehend durch Schenkungen und Spenden organisiert. Schon 1842/43 kam es zu Bücherspenden durch die Hofbibliothek und Fürst Klemens Metternich (1773–1859). In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Bibliotheksbestand vor allem durch Schenkungen der Mitglieder der Gesellschaft der Ärzte, wie vom Chirurgen und Präsidenten der Gesellschaft Theodor Billroth (1829–1894) oder vom Pathologen Hans Chirari (1851–1916) aus Prag, aber auch aus zahlreichen ausländischen Organisationen, oder Spitälern. Wesentlich zur Bestandsvergrößerung trugen auch Nachlässe bei, wie jene des Dermatologen Eduard Spiegler (1860–1908), des Gynäkologen Rudolf Chrobak (1843–1910) oder des Pharmakologen Heinrich Paschkis (1849–1923). Zuwächse kamen vor allem ab 1900 auch von Kliniken und Instituten des Allgemeinen Krankenhauses in Wien.

Die Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte umfasste 1888 bereits mehr als 11.000 Werke. In diesem Jahr wurden auch die bisherigen Publikationsorgane der Gesellschaft, die „Jahrbücher der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien“ und der „Anzeiger der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien“ durch die „Wiener klinische Wochenschrift“ abgelöst, die nunmehr von der Gesellschaft und der Medizinischen Fakultät der Universität Wien gemeinsam herausgegeben wurde, womit sich auch die enge Verbindung zwischen der Gesellschaft und der Fakultät manifestierte. Der heutige Sitz der Gesellschaft in Wien 9, Frankgasse 8, wurde erst am 27. Oktober 1893 bezogen. Seit 1919 wurde das Gebäude „Billrothhaus“ benannt.

Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es der Gesellschaft der Ärzte rasch an ihre internationalen Kontakte anzuschließen und – nicht zuletzt durch die Kontakte ihrer Mitglieder – den Mangel an finanziellen Ressourcen durch Bücherspenden aus dem Ausland auszugleichen. Bestandserweiterungen erfolgten durch Spenden eines Komitees von Ärzten in Uruguay, der London University oder der Rockefeller Foundation.

1923 wurde nach dem Tod des bisherigen Bibliothekars Paschkis, Isidor Fischer (1868–1943) (Abbildung 9 [Abb. 9]) zum 1. Bibliothekar gewählt. Fischer konnte 1931 einen Kontakt zum „Bücherausschuss der Deutschen Notgemeinschaft“, aus der 1935 die „Reichsaustauschstelle Berlin“ hervorging, sowie zur „Senckenbergischen Bibliothek in Frankfurt“ mit dem Ziel herstellen, Bücheraustausch zu betreiben.

Nach dem „Anschluss“ kam es bedingt durch die Austrittswelle der jüdischen Mitglieder zu einer de facto Selbstauflösung der Gesellschaft. Unter den Emigranten war auch Isidor Fischer [53], der langjährige Bibliothekar und Dozent für Geschichte der Medizin, dessen am 29. März 1938 fertiggestelltes und bis heute als Standardwerk geltendes Buch zur Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien – ohne seinen Autorennamen zu erwähnen – noch 1938 vom Springer-Verlag veröffentlicht worden war [20].

Nach der Vertreibung Fischers übernahm Adolf Irtel (1867–1947), schon bisher Vermögensverwalter der Gesellschaft, die Geschäfte als Bibliothekar. Irtl wurde darüber hinaus vom Gauobmann des NS-Ärztebundes (Gau Wien) provisorisch zum kommissarischen Leiter der Gesellschaft ernannt. Nachdem die Gesellschaft samt der Bibliothek der Reichsärztekammer übertragen worden war, und schließlich liquidiert worden war, wurde die Bibliothek nunmehr von Irtl verwaltet und zwischen 1938 und 1945 als „Wiener Medizinische Bibliothek Billrothaus“ weitergeführt. Die Bibliothek war damit die einzige außeruniversitäre medizinische Bibliothek, die nicht von einer Auflösung oder Zusammenführung betroffen war. Dieser Umstand, der den Fortbestand der Bibliothek sicherte, lag in der Wertschätzung, die die Bibliothek bei den Nationalsozialisten genoss. Neben der wissenschaftlichen Bedeutung des Bibliotheksbestandes war vor allem der materielle Wert der Bibliothek der bestimmende Grund sie in ihrer Form zu erhalten. Bei der durch die Nationalsozialisten unternommenen Vermögensschätzung der Bibliothek am 31. März 1938 wurde das Haus der Gesellschaft auf S 90.000,–, jener der Bibliothek auf S 250.000,– Versicherungssumme geschätzt und als größte deutsche medizinische Bibliothek „von unschätzbarem Wert“ dargestellt [50].

Nach der Befreiung Österreichs kam es auf Initiative des Kulturamtes der Stadt Wien im Juni 1945 zur provisorischen Wiedererrichtung der Gesellschaft der Ärzte und nach dem Inkrafttreten des „Vereins-Organisationsgesetzes“ (StGBl. Nr. 102/1945 Verfassungsgesetz vom 31. Juli 1945 über vereinsrechtliche Maßnahmen – Vereins-Reorganisationsgesetz) am 13. Juni 1946 zur Aufnahme der Vereinstätigkeit samt der nunmehr wieder in die Gesellschaft integrierten Bibliothek.

Erst im Jahr 1949 – nach der Freigabe durch die amerikanische Besatzungsmacht – kam das Eigentum der Gesellschaft der Ärzte durch eine gerichtliche Verfügung wieder in ihren Besitz, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt das Billrothaus noch grundbuchlich der Reichsärztekammer zugeordnet war und damit als „Deutsches Eigentum“ gegolten hat. Nach 1945 versuchte die Gesellschaft wieder an ihre internationalen Kontakte anzuknüpfen, wovon wiederum die Bibliothek profitierte; davon finden sich noch heute Spuren im Bibliotheksbestand. Wie nach 1918 kamen auch nach 1945 zahlreiche Bucherwerbungen durch Spenden aus dem Ausland zustande. Darunter Spenden von der Allied Commission of Austria (British Element), aus der Schweiz, von der UNRRA, WHO und ausländischen Universitätsbibliotheken [46].

Bedeutende Teile der Bibliothek der „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ wurden in zwei Dauerleihgaben – 1976 bzw. 2003 – an die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin transferiert. Der Großteil der Werke konzentriert sich zwar auf das 19. und frühe 20. Jahrhundert, trotzdem befinden sich bemerkenswerte Bestände aus dem 17., vor allem aber aus dem 18. Jahrhundert darunter.

Die Dauerleihgabe aus dem Jahr 1976 umfasst etwa 30.000 Bände [30]. Über 10.000 Bände wurden als Dubletten zu den bereits vorhandenen Beständen der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin identifiziert und separat aufgestellt. Dazu ist ein eigener Nominalkatalog in Form eines Zettelkataloges in der Bibliothek vorhanden. Die restlichen etwa 20.000 Bände wurden sowohl in die Bestände der Zweigbibliothek als auch in ihre Kataloge eingearbeitet. In den Zettelkatalogen ist dieser erste Teil der Dauerleihgabe der „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ nicht mehr erkennbar. Allerdings kann dieser Bestand in den handschriftlichen Inventarbüchern noch ermittelt werden.

2003 kamen weitere 26.000 medizinhistorische Monographien der Bibliothek der „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ an die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin [3]. Diese Dauerleihgabe wurde nicht in den vorhandenen Bestand integriert, sondern separat aufgestellt. Zusätzlich kamen auch etwa 300 historische medizinische Zeitschriften an die Zweigbibliothek, die zur Gänze in den bereits vorhandenen Zeitschriftenbestand eingearbeitet worden sind. Die Besonderheit dieses Bestandes liegt darin, dass er die medizinische Entwicklung in den Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie dokumentiert.

Gemeinsam mit den 26.000 medizinhistorischen Monographien wurde auch der alte Zettelkatalog der „Gesellschaft der Ärzte in Wien“ an die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien übergeben; dieser ist mittlerweile auch in digitaler Form zugänglich.

2.7 Max und Margareta Wolf Bibliothek

Der am 1. Juni 1892 in Wiener Neustadt geborene Max Wolf (Abbildung 10 [Abb. 10]) arbeitete nach dem Studium der Medizin als Dermatologe in seiner Privatpraxis. 1927 heiratete er Margareta Langer (1902–2002). Nach dem „Anschluss“ im März 1938 flohen Max und Margareta Wolf auf Grund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus Wien über Jugoslawien in die USA. 1940 bekam Max Wolf eine Ärztezulassung und eröffnete in New York eine Privatpraxis für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Max Wolf starb am 25. August 1990 in New York.

Er vermachte seine wertvolle Bibliothek dem damaligen „Institut für Geschichte der Medizin“. Durch die Bemühungen seiner Witwe Margareta Wolf und durch Vermittlung des damaligen Institutsvorstands Karl Holubar wurde Wolfs Bibliothek 1995 an das Josephinum nach Wien transferiert, wo sie als Sondersammlung aufgestellt worden ist.

Die Wolf-Bibliothek umfasst insgesamt etwa 1.400 dermato-histologische Werke bzw. 2.000 Bände. Der Großteil des Bestandes entfällt auf Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, er enthält aber auch wertvolle Rara (7 Signaturen aus dem 16. Jahrhundert, 31 Signaturen aus dem 17. Jahrhundert, 116 Titel aus dem 18. Jahrhundert) [22]. Dieser Sonderbestand ist formal und inhaltlich erschlossen und im Online-Katalog der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien erfasst.

2.8 Nitze-Leiter-Museum für Endoskopie – Reuter Bibliothek

1996 wurde ein Endoskopie-Museum im Josephinum eröffnet. Dieses geht auf eine Dauerleihgabe des Stuttgarter Urologen Prof. Hans-J. Reuter (1923–2003) zurück [49]. Heute betreibt die „Internationale Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie“, benannt nach den beiden Pionieren der Endoskopie Maximilian Nitze (1848–1906) und Joseph Leiter (1830–1892), die Erhaltung und den Ausbau dieser Sondersammlung. Angeschlossen an diese Spezialsammlung ist auch eine Bibliothek – die „Reuter-Bibliothek“ [48]. Sie umfasst 1.241 Signaturen, die im Online-Katalog der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien nachgewiesen und recherchierbar sind.

2.9 Bibliothek der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

1999 wurde die Bibliothek (ca. 1.900 Bände) der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK) als Dauerleihgabe an die Zweigbibliothek für Zahnmedizin übernommen. Die ÖGZMK wurde 1861 als Verein gegründet und verfolgt das Ziel, seinen Mitgliedern Fort- und Weiterbildung anzubieten. Zu diesem Zweck wurde auch eine Bibliothek aufgebaut.

Während die Zeitschriften der ÖGZMK mit dem historischen Zeitschriftenbestand der Universitätsklinik zusammengeführt worden sind, ist der Monografienbestand der ÖGZMK, darunter interessante historische Titel, Numerus Currens separat und gemäß Erwerbungsdatum aufgestellt; nachgewiesen ist dieser Bestand sowohl in einem Autorenkatalog in Zettelform als auch im Online-Katalog der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien.

2.10 Sammlungen von Separata

Eine wichtige Facette der Bestände der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin bilden die wertvollen Separata, die jeweils bemerkenswerte – und in ihrer Zusammenstellung einzigartige – Hilfsmittel für die medizinhistorische Forschung bilden.

Separata der Gesellschaft der Ärzte in Wien

Die Sammlung „Separata Medizingeschichte 1860–1935“ beherbergt Separatdrucke aus medizinischen Fachzeitschriften und Sammelwerken, die zwischen 1860 und 1935 publiziert worden sind. Diese einzigartige Sammlung medizinhistorischer Spezialliteratur wurde ursprünglich von der Gesellschaft der Ärzte erstellt und ist heute als Dauerleihgabe in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin untergebracht und hier zugänglich. Die Separata-Sammlung weist ungefähr 51.000 Sonderdrucke auf.

Erschlossen sind die Bestände in einem Nominalkatalog „Separata Medizingeschichte 1860–1935“, der gemäß den „Preußischen Instruktionen“ erstellt worden ist. Dieses ursprünglich nur als Zettelkatalog zur Verfügung stehende Nachweisinstrument wurde gescannt und OCR-gelesen, sodass Recherchen nunmehr auch online durchgeführt werden können.

Separata von Heinrich Gross

Seit 2010 ist auch die Separata-Sammlung von Heinrich Gross (1915–2005), die bis dahin im Altbestand der Psychiatrischen Ärztebibliothek im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartnerhöhe Otto-Wagner-Spital untergebracht gewesen ist, in der Zweigbibliothek der Geschichte der Medizin im Josephinum. Gross war von Anfang 1940 bis 1943, unterbrochen durch Wehrmachtseinsatz, Anstaltsarzt in der Pflegeanstalt Ybbs und ab November 1940 an der Wiener Jugendfürsorgeanstalt (später: Heilpädagogische Klinik, noch später Nervenklinik für Kinder) „am Spiegelgrund“ auf dem Gelände der Anstalt „am Steinhof“. Gross war hier ab 1944 an der Ermordung von Kindern beteiligt. Nach dem Krieg arbeitete Gross ab 1955 als Primarius „am Spiegelgrund“ (heute „Baumgartner Höhe“). Gross setzte seine Forschungen an den teilweise aus der NS-Zeit stammenden Kinderhirnen in der Zweiten Republik fort und fungierte bis 1998 als Gerichtsgutachter [18], [21].

Die 6.699 Separata zählende Sammlung wurde von Heinrich Gross während seiner beruflichen Laufbahn angelegt. Der Bestand wurde in der Bibliothek als eigener Korpus erhalten und aufgestellt, wurde aber noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Erschlossen sind die Separata durch einen Nominal- und einen Schlagwortkatalog; zusätzlich sind auch noch die ersten acht handschriftlichen Inventare der Sammlung in der Bibliothek erhalten, die etwa die Hälfte des Bestandes abdecken.


3 Forschungsprojekte zur Beforschung der medizinhistorischen Bestände

3.1 NS-Provenienzforschung

Seit 2007 betreibt die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien ein NS-Provenienzforschungsprojekt mit der Zielsetzung, NS-Raubgut in ihren Beständen zu identifizieren und den Opfern bzw. deren rechtmäßigen Erben zu restituieren (http://ub.meduniwien.ac.at/provenienzforschung/). Begonnen wurde mit den zirka 250.000 Bücher umfassenden historischen Beständen der Universitätsbibliothek und der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin. Dazu werden die Bibliothekbestände am Regal vollständig per Autopsie überprüft. Zur Identifizierung des Raubgutes werden alle bedenklich erscheinenden Erwerbungen samt den Identifikationsmerkmalen in einer Datenbank erfasst. Bisher wurden 3.411 Bücher (2.789 Signaturen) unter Verdacht gestellt, aus nationalsozialistischen Raubaktionen zu stammen. Insgesamt konnten bereits mehr als dreißig Restitutionsfälle eruiert werden.

In vier Fällen wurden mit Unterstützung des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus die ursprünglichen Besitzer bzw. deren Erben ausfindig gemacht und die Restitutionen durchgeführt.

Die erste Restitution durch die Medizinische Universität Wien konnte im „Fall Rothberger“ durchgeführt werden. Carl Julius Rothberger (1871–1945), der ehemals als Universitätsprofessor im Personalstand der Medizinischen Fakultät der Universität Wien gestanden ist, musste bedingt durch seine Vertreibung [52] seine Bücher am Institut zurücklassen [40]. Am 30. September 2010 konnten im Rahmen eines Festaktes unter Beisein des Rektors der Medizinischen Universität Wien, Wolfgang Schütz und der Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich, Hannah Lessing, Rothbergers Bücher an seine heute in New Jersey lebende Tochter Berta Gutmann übergeben werden [5].

2011 wurde ein Buch aus der 1933 von den Nationalsozialisten geraubten Gewerkschaftsbibliothek „Sassenbach“ an die Bibliothek der Friedrich Ebert-Stiftung restituiert [41] (Abbildung 11 [Abb. 11]).

2012 wurden Bücher des vertriebenen und ebenso wie Rothberger ehemals im Personalstand der Medizinischen Fakultät der Universität Wien bzw. dem Wiener Spital Lainz stehenden Mediziners Prof. Alfred Arnstein (1886–1972) [39] sowie Bücher aus der Privatbibliothek von Raoul Fernand Jellinek-Mercedes (1883–1939) [42] restituiert (Abbildung 12 [Abb. 12]).

Für das laufende Jahr 2012 sind drei weitere Restitutionen in Vorbereitung.

Seit Beginn des Projektes war es der Bibliotheksleitung ein wichtiges Anliegen, die Nachhaltigkeit der Ergebnisse der Provenienzforschung in Form eines „Virtuellen Denkmals“ auf der Website der Bibliothek zu gewährleisten sowie im Onlinekatalog mit Links zu den Provenienzmerkmalen für eine interessierte und breitere Öffentlichkeit sichtbar zu machen, um die Erinnerung an die Geschichte des Raubes und der Opfer zu ermöglichen [14].

Eine weitere unmittelbare Folge des Projektes war die Eingliederung der Provenienzforschung in die laufende Bibliotheksarbeit. Nunmehr werden alle Schenkungen, Nachlässe, Übernahmen gesamter medizinischer Bibliotheken u.a. auf ihre „Unbedenklichkeit“ überprüft.

Zwischenergebnisse des NS-Provenienzforschungsprojektes der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien werden laufend auf nationalen und internationalen wissenschaftlichen Tagungen vorgestellt und in Fachpublikationen veröffentlicht [43], [37], [38]. Nach Abschluss des NS-Provenienzforschungsprojektes ist die Publikation eines umfassenden Endberichts geplant.

3.2 Blogserie „Vertrieben 1938“

2008, im „Gedenkjahr“ 1938–2008, wurde ergänzend zum gerade erst anlaufenden NS-Provenienzforschungsprojekt die Sonder-Blogserie „Vertrieben 1938“ erstellt [6], [7], [4].

Zwischen März und November 2008 wurde täglich einer der 176 von der Medizinischen Fakultät der Universität Wien vertriebenen Professoren und Dozenten im Van Swieten Blog, dem von der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien betriebenen Weblogs (http://ub.meduniwien.ac.at/blog/), in Form eines Blogbeitrages in Erinnerung gerufen.

Die einzelnen Beiträge, die nach wie vor online zugänglich sind, beinhalten gescannte Biografien aus einer Dissertation [15], die ins Bibliotheksrepositorium eingestellt worden sind, direkte Links zu den im OPAC nachgewiesenen und an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin vorhandenen Publikationen der 1938 von der Universität Wien entlassenen Hochschullehrer, Hinweise auf Bilder und Dokumente aus dem Bildarchiv und der Handschriftensammlung der Medizinischen Universität Wien sowie Links zu relevanten und im Internet frei zugänglichen Online-Dokumenten mit Informationen über die vertriebenen Professoren und Dozenten (http://ub.meduniwien.ac.at/blog/?cat=41).

Ein wichtiges Ziel der Sonder-Blogserie „Vertrieben 1938“ war es, sich nicht nur punktuell und anlassbezogen – zum Gedenkjahr 2008 – mit der Thematik der Vertreibung von Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien im Jahr 1938 auseinander zu setzen, sondern zeitgemäß auf Basis von Web 2.0-Tools die Informationen bereitzustellen.

Ergänzend zur Weblogaktion wurde zwischen Dezember 2008 und Juni 2009 auf Basis der Ergebnisse des Weblogprojektes eine Ausstellung, bestehend aus mehr als 300 Laufmeter Bild- und Textmaterial, im Lesesaal der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien gestaltet.

Die Schwerpunktsetzung der bibliothekarischen Auseinandersetzung mit der Vertreibung zahlreicher Professoren und Dozenten auf die virtuelle Ebene findet nach wie vor – Monat für Monat – eine Bestätigung durch eine ausgezeichnete Nutzung der entsprechenden online gestellten Informationen. Während die reale Ausstellung längst beendet worden ist, sind die Blogbeiträge nach wie vor online zugänglich und weisen unverändert enorm hohe Zugriffszahlen auf (Abbildung 13 [Abb. 13]).

Im Beobachtungszeitrum – 11. März 2008 bis 1. Juli 2012 – wurden insgesamt 468.728 Zugriffe auf die einzelnen Blogbeiträge der Sonder-Blogserie „Vertrieben 1938“ registriert. Somit erzielte bisher jeder der 176 Blogbeiträge durchschnittlich mehr als 2.600 Aufrufe.

Bemerkenswert sind die enorm hohen Zugriffe auf einzelne Blogbeiträge in bestimmten Zeitphasen. So verzeichnete der Blogbeitrag über Anna Spiegel-Adolf (1893–1983), nach der im Juni 2010 ein Forschungsgebäude der Medizinischen Universität Wien benannt worden ist, zwischen Dezember 2009 und Dezember 2010 1.394 Zugriffe; der Blogbeitrag über Hans Hoff (1897–1969) zählte zwischen Jänner 2011 und Juni 2012 – im Februar 2012 wurde die umstrittene Malaria-Therapie an der Klinik Hoff zu einem großen Medienthema – 1.566 Zugriffe. Dies beweist, dass die Sonder-Blogserie gezielt und anlassbezogen als Informationsquelle aufgerufen wird.

Den nachhaltigen Wert der Sonder-Blogserie „Vertrieben 1938“ stellt auch die ungebrochene Nutzung der Beiträge eindrucksvoll unter Beweis. Die Blogbeiträge wurden zwischen März und Dezember 2008, dem Jahr der Freischaltung der 176 Blogbeiträge, 90.806-mal aufgerufen (monatlich ca. 9.000 Zugriffe). In den Jahren 2009 und 2010 wurden insgesamt 245.726 Zugriffe (monatlich ca. 10.000 Zugriffe); 2011 und im ersten Halbjahr 2012 wurden 132.196 Zugriffe registriert. Das bedeutet, dass auch im dritten bzw. vierten Jahr nach Freischaltung der Sonder-Blogserie „Vertrieben 1938“ die Blogbeiträge monatlich mehr als 7.000 Zugriffe verzeichnen.

3.3 Symposium „Brüche in der Entwicklung medizinischer Bibliotheken in Wien während des NS-Regimes“

Am 22. Februar 2011 fand an der Universität Wien ein Workshop zum Thema „Wissenschaftliche Bibliotheken im Umbruch 1938/1945“ statt, an dem sich die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien mit einem Beitrag über die Brüche, denen medizinische Bibliotheken während der 1930er und 1940er Jahren ausgesetzt waren, teilgenommen hat [36]. Die Medizinische Fakultät der Universität Wien hatte vor und nach dem „Anschluss“ im März 1938 eine exponierte Stellung an der Universität Wien. Darüber hinaus war sie – wie sonst keine andere Fakultät an der Universität in Wien – innerhalb kürzester Zeit so massiven Veränderungsprozessen unterworfen, die sich vor allem in einer überaus großen Entlassungs- und Vertreibungswelle von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden an der Medizinischen Fakultät niederschlug [19], [24], [25], aber auch massive Auswirkungen auf die medizinische Bibliothekslandschaft in Wien mit sich brachte.

3.4 Aufbau eines biobibliografischen Portals der Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Medizinischen Schule

Aufgrund des wertvollen kulturellen Erbes, das sowohl in der Universitätsbibliothek als auch in den Sammlungen der Medizinischen Universität Wien vorhanden ist und welches die Entwicklung und die Bedeutung der Wiener Medizinischen Schule repräsentiert, wird derzeit eine umfassende biobibliografische Datenbank erstellt, in der sämtliche Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Medizinischen Schule erfasst werden. Von der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien wurde 2010/11 ein Vorprojekt mit der Zielsetzung in Auftrag gegeben, für ein biobibliografisches Portal eine Datenbank zu erstellen; diese Datenbank umfasst bisher 1.776 Ärzte, die an der Wiener Medizinischen Fakultät der Universität Wien zwischen der Mitte des 18. und der Mitte des 20. Jahrhunderts tätig waren (http://ub.meduniwien.ac.at/BG/content/start.php) [1].

In das biobibliografische Portal eingearbeitet wurden bereits die Basisdaten zu den Personen (Zuname, Vorname, Geburtstag, Geburtsort, Sterbetag, Sterbeort, Informationen zum wissenschaftlichen Werdegang, Studium, Promotion, Fachdisziplinen, Institutionen des wissenschaftlichen Wirkens, Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Vereinen, u.a.); diese sollen künftig um weitere Kriterien erweitert sowie mit lokalen Ressourcen der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, insbesondere mit den Informationen der Blogserie „Vertrieben 1938“ verknüpft werden. Geplant ist auch die Integration von Links zu vorstrukturierten Abfragen in Bibliothekskatalogen, zu relevanten Archivmaterialien der Medizinischen Universität Wien sowie auch zu externen Online-Nachweisen medizinhistorischer Quellen. Die bibliografische Arbeit wird ihren Schwerpunkt in der die Herstellung der Nachweise von Publikationen (Monografien), Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, die Herausgeberschaften von wissenschaftlichen Publikationsreihen u.a. bilden.

In weiterer Folge soll auch medizinhistorisches Material aus der Universitätsbibliothek bzw. den Sammlungen – Bücher, Archivalien, Bilder – digitalisiert und in das Portal der Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Medizinischen Schule eingebracht werden (Abbildung 14 [Abb. 14]).

Geplant ist auch die Integration frei zugänglicher Online-Dokumente sowie bereits digitalisierter Quellen der Universitätsbibliothek (Bücher, Archivalien, Bilder).

3.5 Exlibris-Projekt

Derzeit wird ein Konzept für den Aufbau einer Exlibris-Sammlung (Exlibris, Etiketten, Besitzstempel, handschriftliche Notizen) bzw. einer dazu erforderlichen Datenbank erarbeitet. Im Mittelpunkt stehen neben den bereits im Rahmen des NS-Forschungsprojektes identifizierten Besitznachweisen zunächst die Exlibris und handschriftlichen Eintragungen aus den Büchern der „Josephinischen Bibliothek“. Nach der Digitalisierung und Archivierung der Exlibris soll diese Sammlung künftig auch webbasiert abrufbar sein. Geplant ist neben der Visualisierung der Exlibris und der damit verbundenen Recherchen zur Identifizierung der Vorbesitzer bzw. den Provenienzen, die Erfassung von Informationen zu den Drucktechniken, der Motive und der Namen der Künstler. Die Angaben sollen zusätzlich auch nach Provenienzgruppen (z.B. Universitätsangehörige der ehemaligen Medizinischen Fakultät der Universität Wien, Privatpersonen aus dem In- und Ausland, Buchhandlungen und Antiquariate, Bibliotheken aus dem In- und Ausland, NS-Raubgut) abrufbar sein. Das geplante Exlibris-Projekt und die darin vorgesehene Tiefenerschließung sollen dazu beitragen, die bisher in weiten Teilen noch unbekannte Geschichte der heterogenen Bestände der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin zu rekonstruieren (Abbildung 15 [Abb. 15]).


4 Maßnahmen zur Verbesserung der Zugänglichkeit zur medizinhistorischen Literatur der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien

In den letzten Jahren wurden von der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien einige Maßnahmen zur Verbesserung der Zugänglichkeit zu den medizinhistorischen Beständen und zur optimalen Unterstützung weiterer medizinhistorischer Forschungen gesetzt.

4.1 Digitalisierung der Zettelkataloge

Bis 2009 war der Nachweis für sämtliche Monografien, Zeitschriften und Separata der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin, die vor 1990 erworben worden sind, ausschließlich in diversen Zettelkatalogen möglich. Im Rahmen eines 2009/10 durchgeführten Kooperationsprojektes mit der Abteilung für Digitalisierung der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol erfolgten die Digitalisierung und das OCR-Lesen von sechs Zettelkatalogen. Die Katalogisate stehen nunmehr im Internet zur Verfügung, wobei auch eine Volltextsuche in den Metadaten möglich ist [2]. Folgende Zettelkataloge wurden im Rahmen des Projektes online gestellt:

  • Nominalkatalog „Josephinischen Bibliothek“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1020): Dieser Katalog weist ca. 11.500 Bände mit Erscheinungsjahr zwischen 1500 und 1900 nach. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der Chirurgie; umfangreich sind auch die Bestände in den Bereichen Anatomie, Augenheilkunde und Geburtshilfe, sowie in den zur damaligen Zeit zu einer medizinischen Fakultät zählenden Fächer der Mineralogie, Chemie, Botanik und Zoologie.
  • Nominalkatalog „Medizinhistorische Literatur 1850–1989“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1027): Dieser Katalog weist ca. 100.000 bibliografische Einheiten mit Erscheinungsjahr zwischen 1850 und 1989 nach; er erschließt den größten Bestand an medizinhistorischer Quellen- und Fachliteratur, der an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin untergebracht ist. Verzeichnet sind nicht nur Monografien und Zeitschriften, sondern auch Sonderdrucke und vereinzelt unselbständig erschienen Werke nach Sachtiteln.
  • Schlagwortkatalog „Medizinhistorische Literatur 1850–1989“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1028): Dieser Katalog bildet mit seiner Schwerpunktsetzung auf der inhaltlichen Erschließung eine optimale Ergänzung des Nominalkataloges „Medizinhistorische Literatur 1850–1989“ (siehe oben!).
  • Nominalkatalog „Medizinhistorische Dissertationen 1700–1850“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1023): Dieser Katalog weist ca. 5.000 medizinhistorische Dissertationen aus den Jahren 1700 bis 1850 nach; ein Teil dieser Dissertationen ist in lateinischer Sprache verfasst.
  • Nominalkatalog „Separata Medizingeschichte 1860–1935“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1024): Dieser Katalog weist ca. 51.000 Separata aus medizinischen Fachzeitschriften und Sammlungen nach, die zwischen 1860 und 1935 publiziert worden sind. Diese einzigartige Sammlung medizinhistorischer Spezialliteratur wurde ursprünglich von der Gesellschaft der Ärzte erstellt und ist heute als Dauerleihgabe in der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin untergebracht.
  • Nominalkatalog „Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien“ (http://webapp.uibk.ac.at/alo_cat/collection.jsp?id=1030): Dieser Katalog weist die von der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin in zwei Etappen (1976 bzw. 2003) als Dauerleihgabe übernommene Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien nach und verzeichnet Monografien und Zeitschriftenbestände.

4.2 Digitalisierungsservice E-books On Demand

Die Digitalisierung der Zettelkataloge und das OCR-Lesen der Digitalisate ermöglichten der Universitätsbibliothek seit 2010 eine Beteiligung am internationalen Kooperationsprojekt E-books On Demand (EOD). EOD bietet Interessenten die Möglichkeit, die Digitalisierung von gedruckten, urheberrechtsfreien (70 Jahre nach dem Tod des Autors) Büchern aus den Beständen der beteiligten Bibliotheken in Auftrag zu geben, sofern der konservatorische Zustand eine Digitalisierung erlaubt. Die Bücher werden mit hoher Auflösung gescannt und die Scans werden durch ein Verfahren der automatischen Texterkennung durchsuchbar gemacht; dadurch werden eine Recherche im Volltext des elektronischen Buches nach beliebigen Stichwörtern sowie die Übernahme von einzelnen Textpassagen mittels Copy and Paste in beliebige Programme möglich. Das EOD-Service kann gegen eine Bearbeitungsgebühr von 10 Euro pro Buch sowie einem Seitenpreis von 0,16 Euro genutzt werden (http://books2ebooks.eu/de). Mit Print On Demand (POD), bei dem – für eine geringe Gebühr – von jedem E-Book ein Faksimile angefordert werden kann, wurde ein weiteres Service für medizinhistorische Werke etabliert (Abbildung 16 [Abb. 16]).


5 Resümee

Auch wenn die Errichtung der Medizinischen Universität Wien erst 2004 erfolgt ist, so verfügt die größte medizinische Universität des Landes durch die Medizinische Fakultät der Universität Wien als Vorgängerinstitution über eine bemerkenswerte jahrhundertlange Tradition. Die wertvollen medizinhistorischen Bestände, die sich heute an der Universitätsbibliothek bzw. deren Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin befinden, bilden einen wesentlichen Teil des aus dieser langen Vergangenheit resultierenden einzigartigen kulturellen Erbes. Der wissenschaftlichen Bedeutung dieser Bestände entsprechend sieht es die Universitätsbibliothek, bestärkt durch die bisherigen Forschungsergebnisse der NS-Provenienzforschung und der damit einhergehenden Bestandsanalyse, sowie den neuen Services, die durch die Digitalisierung der Zettelkataloge möglich wurden, als Auftrag und Verpflichtung, dieses Erbe noch sichtbarer zu machen, weiterzuführen und in seinem historischen Kontext darzustellen. Diese Einschätzung findet auch im aktuellen Entwicklungsplan der Medizinischen Universität Wien seine Bestätigung, in dem zwei der sieben Entwicklungsziele der Universitätsbibliothek die medizinhistorischen Bestände betreffen; die Ziele lauten:

„Sicherung und Entwicklung der medizinhistorischen Bestände und Weiterentwicklung der Digitalisierungs- und Archivierungsstrategie, insbesondere durch Beteiligung an nationalen und internationalen Projekten (EOD, Europeana);

Fortführung des Projektes Provenienzforschung, das dem Ziel dient, jene Bücher in den Beständen der Universitätsbibliothek, die während der NS-Diktatur ihren ursprünglichen BesitzerInnen geraubt wurden und an die Bibliothek gelangt sind zu identifizieren und an die ursprünglichen BesitzerInnen bzw. deren ErbInnen zu restituieren.“ [35].


Anmerkung

Interessenkonflikte

Die Autoren erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

1.
Albrecht H, Maier C, Waldboth S, Zach L. Physicus: Biobibliografisches Portal der Vertreter und Vertreterinnen der Wiener Medizinische(n) Schule(n). Projektarbeit im Rahmen des Interuniversitären Universitätslehrgangs „Library and Information Studies (MSc)“ 2010/2011 an der Österreichischen Nationalbibliothek. Wien: ÖNB; 2011. Verfügbar unter: http://ub.meduniwien.ac.at/BG/content/start.php External link
2.
Bauer B, Formanek D, Miehl M. Virtuelle Lehrbuchsammlung und eBooks on Demand als Facetten der Hybridbibliothek: zwei innovative Services der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. GMS Med Bibl Inf. 2010;10(3):Doc25. DOI: 10.3205/mbi000208 External link
3.
Bauer B, Gschwandtner M. Dauerleihgabe von 26.000 medizinhistorischen Monographien der Gesellschaft der Ärzte in Wien und die Bibliothek des Instituts für Geschichte der Medizin. Biblos. 2004;53(1):162.
4.
Bauer B, Hartl M. Ausstellung „Vertrieben 1938“ an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. Porträts und Biografien entlassener Professoren und Dozenten der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Mitteilungen der VÖB. 2009;62(1):69-71.
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6.
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10.
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11.
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Bauer B. Medizinische Bibliotheken an österreichischen Universitäten. AGMB aktuell: Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen. 2008;8:6-11. Verfügbar unter: http://www.agmb.de/mbi/8/mb8.pdf External link
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15.
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17.
Bohatta J, Holzmann M. Adreßbuch der Bibliotheken der Österreichisch-ungarischen Monarchie. Wien: Fromme; 1900. (Schriften des „Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen“; 943).
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20.
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Häupl W. Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Gedenkdokumentation für die Opfer der NS-Kindereuthanasie in Wien. Wien: Böhlau; 2006.
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Holubar K. Max und Margareta Wolf-Bibliothek für Geschichte der Dermatologie. In: Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien. Wien: Institut für Geschichte der Medizin; 1999. S. 25.
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Hubenstorf M. Eine „Wiener Schule“ der Medizingeschichte? – Max Neuburger und die vergessene deutschsprachige Medizingeschichte. In: Hubenstorf M, Hrsg. Medizingeschichte und Gesellschaftskritik (Festschrift für Gerhard Baader). Husum: Matthiesen; 1997. S. 246-89.
24.
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25.
Hubenstorf M. Österreichische Ärzte-Emigration. In: Stadler F, Hrsg. Vertriebene Vernunft I: Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930–1940. Münster: LIT-Verlag; 2004. S. 359-415. (Emigration – Exil – Kontinuität; Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung; 1).
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