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Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin München

04.05. - 06.05.2012, München

Solitäre muskuläre Zystizerkose bei einem Kleinkind

Meeting Abstract

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  • P. Koch - Gesundheit Nordhessen, Klinikum Kassel, Kinderchirurgische Klinik, Kassel, Germany
  • P. Illing - Gesundheit Nordhessen, Klinikum Kassel, Kinderchirurgische Klinik, Kassel, Germany
  • S. Ortega-Lawerenz - Gesundheit Nordhessen, Klinikum Kassel, Kinderradiologie, Kassel, Germany

Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte – Landesverband Bayern. München, 04.-06.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12sgkjP3

DOI: 10.3205/12sgkj45, URN: urn:nbn:de:0183-12sgkj450

Veröffentlicht: 11. April 2012

© 2012 Koch et al.
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Gliederung

Text

Bandwurminfektion gehören zu den weltweit häufigsten parasitären Erkrankungen. In der Literatur wird der solitäre Befall der menschlichen Muskulatur mit Zystizerken als Rarität bezeichnet. Daher wird sie in nicht endemischen Regionen differenzialdiagnostisch kaum in Erwägung gezogen.

Wir berichten über ein zweieinhalb Jahre altes Mädchen afrikanischer Herkunft, das uns mit einer seit etwa einem Monat bestehenden, nicht größenprogredienten Schwellung im Bereich der Gesäßmuskulatur vorgestellt wurde. Klinisch fand sich ein etwa fünf Zentimeter großer, verschieblicher Tumor links gluteal. Dieser war weich und indolent.

Die Sonographie und MRT-Darstellung zeigten eine zystische Raumforderung unklarer Genese. Deshalb wurde die Indikation zur Biopsie bzw. Zystenexstirpation gestellt. Histologisch konnte der Nachweis von intramuskulären parasitären Implantationen passend zum Cysticercus cellulosus erbracht werden.

Zum Ausschluss weiterer Zysten (z.B. Neurozystizerkose) erfolgten eine MR-Tomographie des Schädels, eine Abdomensonographie, eine Röntgenaufnahme des Thorax sowie Stuhluntersuchungen. Sämtliche verliefen negativ. Es handelte sich demnach um den äußerst seltenen Fall einer solitären Zystizerkose der Muskulatur bei einem Kleinkind. Ein Jahr postoperativ findet sich kein Anhalt für ein Rezidiv.

Normalerweise stellt der Mensch für den Schweinebandwurm den Endwirt dar, zum Krankheitsbild der Zystizerkose kommt es, wenn ausnahmsweise der Mensch als Zwischenwirt fungiert und Eier aufnimmt. Die frei werdenden Larven werden nach Penetration der Darmmukosa hämatogen in verschiedene Organe gestreut. Die korrekte Diagnose wird durch die oft unspezifischen Symptome erschwert und hängt von Lokalisation und Zahl der Zysten ab.

Von der Zystizerkose der Muskulatur mit einem prinzipiell gutartigen Verlauf sind zerebrale oder okuläre Verlaufsformen abzugrenzen. Pathophysiologisch liegen der Exazerbation der Erkrankung die Zerstörung der Zyste und der Tod der Larve zugrunde, die eine Entzündungsreaktion des Wirtsorganismus hervorrufen.

Sonographie und Schnittbilddiagnostik die bildgebenden Verfahren der Wahl dar. Hierbei kann der Bandwurmkopf (Scolex) als pathognomonische Struktur in der Regel dargestellt werden.

Therapie der Wahl ist bei Beschwerdesymptomatik die Zystenexstirpation. Eine antihelmetische Therapie kann notwendig werden, falls multiple Zysten vorliegen und ein chirurgisches Vorgehen unmöglich erscheint.