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Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin München

04.05. - 06.05.2012, München

Stationäre Behandlung von Jugendlichen mit akuter Alkoholintoxikation: Die Spitze des Eisbergs?

Meeting Abstract

  • L. Kraus - IFT Institut für Therapieforschung, München, Germany; Centre for Social Research on Alcohol and Drugs (SoRAD), Stockholm University, Stockholm, Sweden
  • T.V. Hannemann - IFT Institut für Therapieforschung, München, Germany
  • A. Pabst - IFT Institut für Therapieforschung, München, Germany
  • S. Müller - IFT Institut für Therapieforschung, München, Germany
  • F. Kronthaler - Condrobs, München, Germany
  • A. Grübl - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Schwabing, Städtisches Klinikum München GmbH, München, Germany
  • M. Stürmer - Bayerische Akademie für Suchtfragen BAS, München, Germany
  • J. Wolstein - Otto-Friedrich Universität, Bamberg, Germany

Süddeutsche Tage der Kinder- und Jugendmedizin. 61. Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte – Landesverband Bayern. München, 04.-06.05.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12sgkjFV19

DOI: 10.3205/12sgkj19, URN: urn:nbn:de:0183-12sgkj198

Veröffentlicht: 11. April 2012

© 2012 Kraus et al.
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Gliederung

Text

Ziel: Das Statistische Bundesamt berichtet über eine steigende Zahl 10- bis 20-Jähriger, die wegen akuter Alkoholintoxikation (ICD-10 F10.0) im Krankenhaus behandelt werden: Im Jahr 2000 waren es 9.500, im Jahr 2009 26.400. Hinsichtlich welcher Faktoren unterscheiden sich diese Jugendlichen von Jugendlichen der Allgemeinbevölkerung? Lassen sich Risikofaktoren für wiederholte Akutbehandlungen identifizieren?

Methode: Die Analysestichprobe umfasst 482 Jugendliche, die zwischen 2008 und 2010 in Bayern wegen einer Alkoholintoxikation in ein Krankenhaus eingeliefert und im Rahmen des Projekts „Hart am Limit HaLT“ befragt wurden. Als Vergleichsstichprobe wurden N=1.994 bayerische Schüler/innen aus der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) herangezogen.

Ergebnisse: In der Analysestichprobe konnten Geschlechtsunterschiede beobachtet werden hinsichtlich Alter und Schulbildung, sowie Motivation, sich zu betrinken, nicht jedoch hinsichtlich Blutalkoholkonzentration bei Einlieferung, Trinksituation und -ort, sozialem Druck zum Trinken, Wissen um die toxische Wirkung von Alkohol und Vorerfahrung zu medizinischer Behandlung wegen Alkoholintoxikation. Stichprobenvergleich: Personen der Krankenhausstichprobe waren jünger und hatten ein höheres Bildungsniveau als die Schüler/innen der Allgemeinbevölkerungsstichprobe (AB-Stichprobe). Die beiden Stichproben unterscheiden sich in ihrem habituellen Alkohol- und Drogenkonsum. Schüler/innen der KH-Stichprobe tranken im Vergleich zur AB-Stichprobe seltener Alkohol (2,8 vs. 5,0 Tage in den letzten 30 Tagen), konsumierten aber größere Mengen an einer Trinkgelegenheit (36,4g vs. 22,3g Reinalkohol pro Trinktag).

Schlussfolgerung: Die Jugendlichen der KH-Stichprobe weisen im Vergleich mit der AB-Stichprobe eine niedrigere Prävalenz des Konsums illegaler Drogen auf und scheinen geringeres deviantes Verhalten zu zeigen. Sie scheinen seltener Alkohol zu trinken, an diesen seltenen Trinkgelegenheiten jedoch deutlich mehr, was auf eine geringe Alkoholtoleranz der Jugendlichen der KH-Stichprobe hinweist. Eine alkoholbedingte Krankenhauseinweisung ist kein hinreichender Indikator für die Identifikation von Jugendlichen mit auffälligem habituellen Konsumverhalten; das Risiko einer Einweisung scheint vom Trinkkontext und Begleitumständen abzuhängen. Dennoch ist eine Subgruppe von Jugendlichen mit erhöhtem Risikopotential zu identifizieren, für die gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen bereitgestellt werden sollten.