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83. Versammlung der Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte

Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte

06.11.2010, Ludwigshafen

Infektion als Ursache eines beidseitigen akuten Winkelblockglaukoms?

Meeting Abstract

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  • A. Zimmermann - Gießen, Deutschland
  • W. Schmidt - Gießen, Deutschland
  • B. Lorenz - Gießen, Deutschland

Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte. 83. Versammlung der Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte. Ludwigshafen, 06.-06.11.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10rma36

DOI: 10.3205/10rma36, URN: urn:nbn:de:0183-10rma364

Veröffentlicht: 4. November 2010

© 2010 Zimmermann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Fallbericht über eine 57-jährige Patientin mit beidseitigem akutem Winkelblockglaukom und schlechtem Allgemeinzustand mit hämorrhagischem Fieber und erhöhten Kreatininwerten von 3,0 mg/dl (0,6–1,2 mg/dl Normbereich).

Methoden: Eingehende ophthalmologische Untersuchung mit Applanationstonometrie und Hochfrequenzsonographie.

Umfassende internistische Abklärung u.a. mit Blutbild, Bestimmung der Entzündungsparameter, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, sowie Durchführung einer Röntgen-Thorax-Untersuchung.

Ergebnisse: Der Vorderabschnittsbefund zeigte im akuten Stadium beidseitig eine bullöse Keratopathie mit peripher flacher Vorderkammer und zentral mitteltiefer Vorderkammer. Die Augeninnendruckwerte lagen rechts bei 45 mmHg und links bei 50 mmHg. Der Visus war beidseits auf korrigiert 0,1 reduziert.

Funduskopisch zeigten sich in Mydriasis am rechten Auge paramakulär oberhalb und unterhalb der Makula intraretinale Hämorrhagien.

In der Hochfrequenzsonografie zeigte sich an beiden Augen eine verklumpte und verdickte Pars plicata des Ziliarkörpers mit deutlich verengtem bis verschlossenem Kammerwinkel durch antero-laterale Rotation des Iris-Linsen-Diaphragmas.

Die Blutergebnisse zeigten eine Kreatinin-Erhöhung auf 3,0 mg/dl (0,6–1,2 mg/dl Normbereich), eine Anämie (Hämoglobin 108 g/l, Hämatokrit 0,33 l/l), verminderte Werte für Kalium, Natrium, Chlorid und Albumin. Desweiteren bestand eine Thrombozytenverminderung auf 48 giga/l (140–400 giga/l Normbereich). Die Leberenzyme waren stark erhöht (LDH 355 U/l (90–215 U/l Normbereich), GOT 83 U/l (10–35 U/l Normbereich), GPT 106 U/l (10–35 U/l Normbereich). Auch die Leukozyten waren auf 15,7 giga/l (4–11 giga/l Normbereich) und das CRP auf 86,7 mg/l (bis 1,0 mg/l Normbereich) erhöht. In der durchgeführten Röntgen-Thorax-Untersuchung zeigten sich beidseitige Pleuraergüsse.

Die speziell durchgeführte Blutuntersuchung hinsichtlich Hantaviren ergab einen positiven IgG- und IgM-Titer mit dem Nachweis einer kürzlich erfolgten Infektion mit dem Serotyp Puumala, der durch Speichel, Kot und Urin von Rötelmäusen übertragen wird.

Es erfolgte eine lokale drucksenkende, antientzündliche und pupillenverengende Therapie mit Durchführung einer Nd:YAG-Laser-Iridotomie, wodurch es nach einigen Wochen zu einer Normalisierung der Augeninnendruckwerte mit vollständiger Erholung der Sehkraft kam.

Auch der Allgemeinzustand der Patientin besserte sich unter rein symptomatischer Therapie. Es kam zur Normalisierung der Retentionsparameter, der Kreatinin-Wert lag bei 0,8 mg/dl (0,6–1,2 mg/dl Normbereich).

Schlussfolgerung: Ein beidseitiges akutes Engwinkelglaukom mit schlechtem Allgemeinzustand, hohem Fieber und beginnendem Nierenversagen sollte an eine systemische Infektion mit Hantaviren denken lassen.

Es ist keine spezielle Therapie notwendig, aber eine adäquate symptomatische Therapie ist von großer Bedeutung. Nach überstandener Infektion kann es zu einer vollständigen Erholung kommen. Maßnahmen zur Prophylaxe im Kontakt mit Mäusen und deren Ausscheidungen sollten getroffen werden.