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60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ)

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.

13.05. - 15.05.2011, Braunschweig

Voll-automatische Quantifizierung der retikulierten Thrombozyten (immature platelet fraction) bei Neugeborenen mit Thrombozytopenie

Meeting Abstract

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  • M. Cremer - Klinik für Neonatologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • C. Bührer - Klinik für Neonatologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • C. Dame - Klinik für Neonatologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Braunschweig, 13.-15.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ndgkjPO-30

DOI: 10.3205/11ndgkj33, URN: urn:nbn:de:0183-11ndgkj339

Veröffentlicht: 2. Mai 2011

© 2011 Cremer et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die retikulierten Thrombozyten sind RNS-haltig und bilden das Analogon zu den Retikulozyten. Sie können als sogenannte immature platelet fraction (IPF) mittels Durchflusszytometrie in Blutanalyse-Automaten routinemäßig bestimmt werden. Die IPF ist geeignet, zwischen Thrombozytenverbrauch und -bildungsstörung zu unterscheiden. In der Pädiatrie sind vor allem Patienten mit hämato-onkologischen Krankheitsbildern sowie intensivpflichtige Patienten, insbesondere Neugeborene (NG), von einer Thrombozytopenie betroffen. Die IPF wurde daher in drei verschiedenen klinischen Situationen untersucht: 1) IPF zur Verlaufskontrolle bei thrombozytopenischen NG 2) IPF zur Differentialdiagnose bei neonataler early-onset Thrombozytopenie 3) IPF bei NG mit Sepsis und nekrotisierender Enterokolitis (NEC).

Material und Methode: Blutbild und IPF wurden mit dem Blutanalyseautomaten XE-2100 (Fa. Sysmex, Japan) in jeweils 300 µl EDTA-Blut bestimmt.

Patienten: Ad 1) unselektioniertes Kollektiv von NG, die auf der Intensivstation behandelt wurden. Ad 2) NG mit einer early-onset Thrombozytopenie auf Grund von intrauteriner Wachstumsretardierung oder bakterieller Infektion. Ad 3) NG mit mikrobiologisch bestätigter Sepsis oder NEC.

Ergebnisse: Ad 1) Bei 612 NG wurden 1045 IPF/Thrombozyten-Werte gemessen. Ein Anstieg der IPF ging dem Anstieg der Thrombozyten voraus. Thrombozytopenische NG mit einer IPF <8% zeigten ein 4,7fach (Konfidenzintervall=1,9–11,8) erhöhtes Risiko für einen schweren Abfall der Thrombozytenzahl am folgenden Tag. Ad 2) 857 NG wurden untersucht. Unabhängig von der Ursache der Thrombozytopenie (Wachstumsretardierung oder Infektion), war IPF niedriger (8,5±2,7/nl) bei thrombozytopenischen NG (n=682) als bei nicht-thrombozytopenischen NG (9,5±3,6/nl; p<0,05). Ad 3) 38 NG (28 mit Sepsis, 10 mit NEC) wurden vor Beginn und im Verlauf der Erkrankung untersucht. Parallel zum Abfall der Thrombozyten im Verlauf der Erkrankung fiel die IPF in beiden Gruppen signifikant.

Diskussion: Anhand von großen Patientenkollektiven konnte gezeigt werden, das IPF geeignet ist, den Verlauf bei thrombozytopenischen Patienten vorauszusagen und die Megakaryopoiese im peripheren Blut zu quantifizieren. Bei den unterschiedlichen Formen der neonatalen Thrombozytopenie liegt meist ein reduziertes IPF als Ausdruck einer verminderten Megakaryopoiese vor.

Schlussfolgerung: Die Bestimmung der IPF sollte in die Routine integriert werden, um die Verlaufsbeobachtung und die Differentialdiagnose bei thrombozytopenischer Patienten zu optimieren.