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60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (NDGKJ)

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.

13.05. - 15.05.2011, Braunschweig

Therapiemöglichkeiten der Kontinenzstörungen bei Patienten mit anorektalen Fehlbildungen

Meeting Abstract

  • S. Märzheuser - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie,, Charité Universitätsmedizin Berlin
  • D. Schmidt - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie,, Charité Universitätsmedizin Berlin
  • F. Grauel - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie,, Charité Universitätsmedizin Berlin
  • K. Rothe - Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie,, Charité Universitätsmedizin Berlin

Norddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 60. Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Braunschweig, 13.-15.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ndgkjPO-23

DOI: 10.3205/11ndgkj26, URN: urn:nbn:de:0183-11ndgkj264

Veröffentlicht: 2. Mai 2011

© 2011 Märzheuser et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass, trotz adäquater chirurgischer Therapie einer anorektalen Fehlbildung, eine Stuhlentleerungsstörung entstehen kann. Die Form der Kontinenzstörung ist unterschiedlich. Je nach Art der Malformation stehen Inkontinenz oder Obstipation im Vordergrund des klinischen Beschwerdebildes. Fast 50% der Patienten haben bei klinischen Nachuntersuchungen keine altersentsprechende Darmfunktion. 30% der Patienten klagen über schwerwiegende Probleme bei der Darmentleerung. In unserer Klinik werden alle Patienten mit anorektaler Fehlbildung langfristig in einer Spezialsprechstunde betreut. Ziel dieser Arbeit ist es, Therapiemöglichkeiten der Kontinenzstörungen bei Patienten mit anorektalen Fehlbildungen vorzustellen.

Methoden: Das Behandlungskonzept orientiert sich an der vorherrschenden Komponente der Stuhlentleerungsstörung: Inkontinenz oder Obstipation. Die Patienten werden orientierend in zwei Gruppen eingeordnet. In Gruppe 1 werden alle die Patienten zusammengefasst, bei denen bei intakter Sphinkterfunktion eine Obstipation im Vordergrund der klinischen Symptomatik steht. Die zweite Gruppe umfasst Patienten, bei denen keine intakte Sphinkterfunktion besteht. Je nach Kontinenzlage wird eine entsprechende Therapie initiiert. Das Behandlungsprogramm wird aus unterschiedlichen „Bausteinen“, individuell für jeden Patienten zusammengestellt.

Die unterschiedlichen Therapieoptionen sind:

  • Induktionsphase mit forcierten rektalen Abführmassnahmen
  • Unterstützung der Stuhlentleerung durch Medikamente
  • Unterstützung der Stuhlentleerung durch Klistier
  • Ballaststoffreiche, hydrophile Diät bei reichlich Flüssigkeitszufuhr
  • Hydrophobe Diät bei reichlich Flüssigkeitszufuhr
  • Verhaltenstraining
  • Gründliche Analhygiene
  • Beckenbodengymnastik
  • Detaillierter Stuhlkalender
  • Regelmässige ambulante Vorstellungen zur Therapiekontrolle
  • Hydrosonography und Bowel management

Ergebnisse: Durch Anwendung eines bowel managements können Patienten mit absoluter Inkontinenz für Stuhl eine soziale Kontinenz erreichen. Bowel management bedeutet, dass mit Hilfe einer kontrollierten Darmspülung idealerweise das gesamte Kolon entleert wird, so dass der Patient anschließend für einen Zeitraum von 24–48 Stunden frei von unwillkürlichem Stuhlverlust ist. Wir berichten über unsere Erfahrungen bei 168 untersuchten Patienten im Alter von 0–56 Jahren.

Schlussfolgerung: Eine kenntnisreiche Nachbehandlung aller Patienten mit anorektalen Fehlbildungen reduziert den körperlich verursachten Leidensdruck. In nahezu allen Fällen lässt sich eine Verbesserung der Kontinenzlage erreichen. Aus eigener Erfahrung und aus der Literatur wissen wir, dass die Betroffenen auch seelisch von der Verbesserung der Entleerungsfunktion profitieren.