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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Demaskierung einer disseminierten Histoplasmose unter Immunrekonstitution

Unmasking of disseminated histoplasmosis during immune reconstitution

Meeting Abstract

  • S. Jordan - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, 1. Medizinische Klinik, Sektion Tropenmedizin und Infektiologie, Hamburg, Germany
  • S. Schmiedel - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, 1. Medizinische Klinik, Sektion Tropenmedizin und Infektiologie, Hamburg, Germany
  • J. van Lunzen - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, 1. Medizinische Klinik, Sektion Tropenmedizin und Infektiologie, Hamburg, Germany
  • G.-D. Burchard - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, 1. Medizinische Klinik, Sektion Tropenmedizin und Infektiologie, Hamburg, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocP154

DOI: 10.3205/10kit208, URN: urn:nbn:de:0183-10kit2082

Veröffentlicht: 2. Juni 2010

© 2010 Jordan et al.
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Gliederung

Text

Wir berichten über eine 38-jährige Patientin, die sich mit seit 2 Wochen bestehendem Fieber, Husten und Gewichtsverlust in unserer Klinik vorstellte. Die Patientin stammt aus Thailand, lebt seit mehreren Jahren in Deutschland und war 5 Wochen zuvor von einem zweimonatigem Familienbesuch in Chiang Mai/Thailand zurückgekehrt. Wir diagnostizierten eine HIV-Infektion mit deutlich fortgeschrittenem Immundefekt. Im CT Thorax zeigten sich bilaterale interstitielle Infiltrate und eine axilläre Lymphadenopathie. Eine Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage blieb ohne Erregernachweis. Unter einer empirischen Therapie mit Clarithromycin, Cotrimoxazol und Fluconazol entfieberte die Patientin, der Allgemeinzustand besserte sich deutlich. Die Patientin konnte aus der stationären Behandlung entlassen werden. Eine antiretrovirale Therapie wurde noch während des stationären Aufenthaltes begonnen.

14 Tage nach Beginn der antiretroviralen Therapie erfolgte die erneute stationäre Aufnahme mit hohem Fieber, produktivem Husten, Dyspnoe und einem generalisiertem Exanthem. Laborchemisch zeigten sich eine Panzytopenie und eine Erhöhung der Entzündungszeichen und Leberwerte. Die antiretrovirale Therapie wurde bei V.a. Nevirapin-Unverträglichkeit pausiert. Unter einer empirischen Therapie mit Clarithromycin, Moxifloxacin, Pentamidin und Fluconazol kam es zu einer raschen Verschlechterung der respiratorischen Situation. Die Patientin musste intubiert und maschinell beatmet werden. In einer erneuten bronchioalveolären Lavage zeigten sich Pilzsporen. Mittels PCR gelang der Nachweis von Histoplasma capsulatum. Aus Biopsien der Leber und des Knochenmarks konnte Histoplasma capsulatum kulturell angezüchtet werden. Unter einer Therapie mit liposomalem Amphotericin B kam es zu einer langsamen Stabilisierung der klinischen Situation und Rückgang der pulmonalen Infiltrate und pathologischen Laborwerte. Die Patientin konnte schließlich mit einer oralen Intraconazol-Erhaltungstherapie aus der stationären Therapie entlassen werden. Eine erneute Einleitung der antiretroviralen Therapie blieb ohne Komplikationen.

Fazit: Die Histoplasmose zählt in Deutschland zu den seltenen importierten Pilzinfektionen. Bei immunkompenten Patienten verläuft die Infektion in der Regel inapparent oder als benigne verlaufende pulmonale Infektion. Bei Immunsuppression sind disseminierte Verlaufsformen beschrieben, die sich wie bei unserer Patientin unter Immunrekonstitution demaskieren können.