gms | German Medical Science

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Erfolgreiche antibiotische Therapie einer isolierten „Peritonealkarzinose“ hervorgerufen durch Mycobacterium bovis

Succesful antibiotic therapy of a peritoneal carcinosis like disease caused by Mycobacterium bovis

Meeting Abstract

  • J. Zirkel - Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Würzburg, Germany
  • H. Klinker - Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Würzburg, Germany
  • A. Helle-Beyersdorf - Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Würzburg, Germany
  • W.J. Heinz - Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Würzburg, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocP49

DOI: 10.3205/10kit105, URN: urn:nbn:de:0183-10kit1058

Veröffentlicht: 2. Juni 2010

© 2010 Zirkel et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Jährlich werden in Deutschland etwa 5.000 Fälle einer Tuberkulose (TB) gemeldet. Die Inzidenz liegt bei 6,1/100.000 Einwohner und ist deutlich höher (Faktor 5,4) für Migranten. Über 90% aller TB sind thorakal lokalisiert, es folgen urogenitale und Knochenmanifestationen. Anderen Lokalisationen sind in Deutschland selten (<2%, RKI) und können daher diagnostisch Probleme bereiten. Hier berichten wir den Fall einer Patientin mit isolierter peritonealer Manifestation einer M. bovis Infektion, welche zunächst und wiederholt als Peritonealkarzinose eingestuft wurde.

Fallbericht:Eine 61-jährige türkisch-stämmige Patientin stellte sich mit seit sieben Monaten bestehender Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, intermittierendem Fieber und einem Gewichtsverlust von 20 kg vor. In zwei vorangegangenen stationären Aufenthalten konnte die Genese, trotz ausführlicher Diagnostik mit Computertomograpie (CT), Endoskopie und Laparoskopie nicht geklärt werden. Im CT-Abdomen zeigten sich nun progrediente Raumforderungen, die mit einer Peritonealkarzinose vereinbar waren. Auch die Lapraskopie ergab makroskopisch den hochgradigen Verdacht auf eine Peritonealkarzinose. Die pathologische Begutachtung zeigte nicht verkäsende, riesenzellartige Epihelzellgranulome mit perigranolomatäser Fibrose. Eine PCR zum Nachweis des MTB/MOTT Komplexes fiel negativ aus. Differentialdiagnostisch kam daher eine Sarkoidose oder bei Reaktivität der T-Lymphozyten auf Mykobakterien-Antigen (Elispot) eine TB in Betracht. Thorakale Herde oder andere Manifestationen konnten trotz CT und PET nicht nachgewiesen werden. Nach sechs Wochen wurden Mykobakterien des TB-Komplexes isoliert. Wir initiierten eine Vierfachtherapie mit Etambuthol, Rifampicin, Isonidazid und Pyrazinamid, nach Differenzierung von M. bovis erfolgte entsprechend Antibiogramm eine Umstellung von Isoniazid auf einen Gyrase-Hemmer und anschließend eine dreifach Therapie. Die Klinik der Patientin besserte sich rasch und die massiven intraabdominelle Raumforderungen waren nach vier Monaten weitgehend regredient.

Zusammenfassung: In industrialisierten Ländern gehören solitäre Peritonealtuberkulosen zu den sehr seltenen Diagnosen. Selbst bei Erwägung einer abdominellen Tuberkulose, bleibt die Diagnostik schwierig, denn mit einer negativen Kultur oder PCR können Mykobakterien nicht sicher ausgeschlossen werden. Speziell in der Migrantenmedizin und bei Immunsupprimierten ist es daher wichtig, TB differentialdiagnostisch zu berücksichtigen.